Die meisten Banken verschlanken ihre Filialnetze in der Schweiz laufend und schon seit Jahren. Das ist hinlänglich bekannt. Eine Studie der Hochschule Luzern hat nun untersucht, ob die Bevölkerung den Abbau von Bankfilialen als Verlust empfindet oder ob damit Einbussen an Komfort verbunden sind. Die Resultate der repräsentativen Umfrage sind überraschend.
Zahlen zur Bankfilialen-Dichte in der Schweiz
Während die Filialpräsenz von Banken seit den 1990er-Jahren abgenommen hat, ist auf der anderen Seite die Bevölkerung in der Schweiz zwischen 1990 und 2024 von 6.8 auf 9 Millionen Menschen gewachsen. Dadurch reduzierte sich die Anzahl der Bankfilialen pro Einwohner stark.
Die Bankstellendichte erreichte ihren Höhepunkt im Jahr 1988, als auf 100’000 Personen in der Schweiz 82 Filialen kamen. Im Jahr 2024 gab es noch 27.4 Filialen pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass sich dieser Rückgang in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Sie schätzen, dass die Bankstellendichte bis Ende 2027 auf knapp 24 Filialen pro 100‘000 Einwohnerinnen und Einwohner sinken wird.
Was bedeutet das für Bankkunden?
Interessanterweise bedeutet das wenig bis nichts für die meisten Kundinnen und Kunden von Banken.
Der wichtigste Punkt für die Befragten ist die Anreisezeit zur gewünschten Bankfiliale. Aktuell erreichen Kundinnen und Kunden die nächstgelegene Bankfiliale mit dem ÖV, zu Fuss oder mit dem Auto in kurzen 13 Minuten.
Die Mehrzahl der Befragten aus allen Altersgruppen wäre jedoch bereit, rund 24 Minuten Wegzeit mit ihrem bevorzugten Verkehrsmittel zu akzeptieren. Zwischen aktueller Realität und akzeptierter Schmerzgrenze liegen heute noch komfortable 11 Minuten Unterschied.
Nehmen Bankkunden den Rückgang von Bankfilialen überhaupt wahr?
Insgesamt wurde in der Schweiz in den letzten fünf Jahren jede 9. Bankfiliale geschlossen, das entspricht einem Abbau von 323 Filialen. Wie hat sich für die Befragten die persönliche Erreichbarkeit ihrer Bankfiliale in den letzten fünf Jahren verändert?
Die nächste Überraschung: Die Mehrheit der Kundinnen und Kunden erlebt den starken Abbau von Bankfilialen kaum als spürbare Veränderung. Viele Personen nehmen den Rückgang der Bankfilialen gar nicht wahr.
Aus Sicht von 84 Prozent der Befragten blieb die Erreichbarkeit gleich gut oder wurde sogar besser. Oder andersrum: Trotz eines starken Filialabbaus in den letzten Jahren geben nur 16 Prozent der Befragten an, dass sich die Erreichbarkeit der Filiale verschlechtert oder stark verschlechtert hat.
Fazit
Die Analyse zeigt, dass Filialschliessungen aus Sicht der Kundinnen und Kunden nicht zwingend einen markanten Leistungsabbau darstellen.
Diese Resultate deuten darauf hin, dass das bestehende Filialnetz aus Sicht der meisten Kundinnen und Kunden ausreichend ist. Die Gründe dafür können sein, dass bisherige Filialfunktionen erfolgreich durch digitale oder alternative Kontaktformen ersetzt wurden, dass Filialschliessungen aufgrund der nach wie vor hohen Filialdichte nicht so ins Gewicht fallen oder dass sie von vielen Kundinnen und Kunden gar nicht wahrgenommen wurden.
Kundinnen und Kunden sind offenbar bereit, für den Besuch einer Bankfiliale einen gewissen Aufwand in Kauf zu nehmen, wenn sie dafür einen Mehrwert erhalten. Zudem gehen Personen in der Schweiz durchschnittlich nur rund viermal pro Jahr in eine Bankfiliale und wenn sie dies tun, dann meist für komplexere Anliegen.
Die Studienautoren ziehen aus den Ergebnissen den Schluss, dass die aktuelle Filialdichte Spielraum für weitere Filialschliessungen bietet.
Weitere Resultate und Einsichten zur repräsentativen Befragung der Schweizer Bevölkerung zu Bankfilialen gibt's direkt bei der Hochschule Luzern, hier.