Wie sind die Schweizer Banken aktuell unterwegs?

Schriftzug Bank vor einer spiegelnden Fassade

Das Beratungsunternehmen EY hat über 100 Banken befragt und fasst zusammen: Rückläufige Jahresergebnisse treffen auf eingetrübten Ausblick.

Nach dem EY-Bankenbarometer stehen Schweizer und Liechtensteiner Banken aktuell noch gut da, haben jedoch wachsende Herausforderungen zu meistern.

Die Ausssichten für die Zukunft haben sich für Banken eingetrübt. Nach einigen Jahren mit starken Ergebnissen, begünstigt durch hohe Zinsen und komfortable Zinsmargen, stehen diese erneut unter Druck, während gleichzeitig steigende operative Kosten den Erfolg belasten und grosse Investitionen anstehen.

In diesem herausfordernden Umfeld sind die Banken dennoch zuversichtlich. Sie verfügen über eine solide Kapital-, Kunden- und Geschäftsbasis.

Solides, rückläufiges Ergebnis mit eingetrübtem Ausblick

Die Banken werden für das abgelaufene Jahr weiterhin solide Ergebnisse ausweisen, jedoch unter dem Niveau der vergangenen zwei Jahre. So rechnet fast die Hälfte (46%) der befragten Banken für das Geschäftsjahr 2025 mit einem rückläufigen operativen Ergebnis. Im Vorjahr waren es noch 39%.

Damit erreicht die Stimmung den tiefsten Wert seit 15 Jahren. Nach Jahren mit starken Ergebnissen, haben geopolitische und makroökonomische Entwicklungen dazu geführt, dass der Schweizer Leitzins schrittweise wieder auf 0% gesenkt wurde. Ein Nullzinsumfeld bietet im Aktiv- und im Passivgeschäft kaum Spielraum für Optimierungen. 

Langfristig bleiben die Teilnehmer der Umfrage jedoch zuversichtlich: 94% der Banken erwarten eine Zunahme des operativen Ergebnisses (Vorjahr: 85%).

Die Entwicklung der aktuellen operativen Geschäftstätigkeit variiert stark zwischen den verschiedenen Bankengruppen. Regional- und Kantonalbanken, die in einem höheren Zinsumfeld Rekordergebnisse erzielten, spüren die Zinssenkungen stärker: 59% beziehungsweise 60% dieser befragten Institute erwarten sinkende operative Ergebnisse. Privatbanken und Auslandsbanken sind deutlich weniger pessimistisch mit je 36% negativen Erwartungen. Diese können sich dank einer bisher robusten Börsenentwicklung und Nettoneugeldzuflüssen über stabile Kommissionserträge freuen.

KMU-Kredite: Kantonalbanken erwarten erhöhte Kreditverluste

Jede dritte befragte Bank (33%) erwartet kurzfristig, in den nächsten ein bis zwei Jahren, einen steigenden Bedarf an Wertberichtigungen und Rückstellungen für KMU-Kredite – dieser Wert ist allerdings unverändert gegenüber dem Vorjahr (33%).

Die Kantonalbanken sind aber, wie im Vorjahr, mit Abstand am pessimistischsten: 64% der befragten Kantonalbanken erwarten kurzfristig einen steigenden Bedarf an Wertberichtigungen und Rückstellungen, langfristig sogar 79%. Dies liegt unter anderem daran, dass die Kantonalbanken mit einem Marktanteil je nach Kanton von teilweise über 50% in diesem Segment stärker als Hausbank für KMU-Kunden agieren und dadurch stärker exponiert sind.

Die Schweizer und Liechtensteiner Banken rechnen weiterhin mit sehr niedrigen Ausfallraten im Kreditgeschäft für Wohnbaufinanzierungen. Zwar hat sich der Anteil der Institute, die einen steigenden Bedarf an Wertberichtigungen und Rückstellungen sehen, gegenüber dem Vorjahr sowohl kurz- als auch langfristig von 7% auf 9% beziehungsweise von 14% auf 17% leicht erhöht, bleibt aber auf einem historisch tiefen Niveau.

Grösste Bremse für den Erfolg: Steigende operative Kosten

Mit 57% erwartet eine deutliche Mehrheit der befragten Institute in den nächsten ein bis zwei Jahren steigende Betriebskosten als grösste Belastung für ihren Erfolg. Haupttreiber sind Kosten im Zusammenhang mit dem Ausbau und dem Unterhalt von IT-Systemen, sowie Investitionen in Innovation und Cybersecurity.

Insbesondere das Management von Cyber-Risiken in Kooperation mit Drittparteien verschärft sich weiter und wird von 79% der befragten Banken als die grösste Herausforderung eingestuft. Die Erfüllung regulatorischen Anforderungen ist für manche Institute ebenfalls ein wichtiger Kostenfaktor.

Die Art und Weise, wie die Schweizer Banken externe Dienstleister nutzen, ist klar im Umbruch. Zwar setzt mit 44% noch fast die Hälfte der Institute auf klassische Auslagerung: Ein externer Anbieter erbringt definierte Aktivitäten oder Prozesse nach Kundenvorgabe. Doch rund ein Viertel nutzt bereits Managed Services: Ein externer Anbieter verantwortet das Ergebnis und trägt End-to-End-Verantwortung für eine Reihe von Prozessen und Funktionen. Die Branche befindet sich damit in einer Übergangsphase von historisch gewachsenen, fragmentierten hin zu stärker industrialisierten Betriebsmodellen.

KI: Fortschritte und Dynamik bei der Einführung

KI ist nicht nur bei Schweizer Banken angekommen und präsent, KI hat sich auch in der Umsetzung etabliert. Nachdem letztes Jahr noch 38% der Banken KI und deren Einführung lediglich diskutiert haben, ist dieser Anteil nun auf 22% gesunken. Mit 78% beschäftigt sich somit die grosse Mehrheit der Banken mit der Umsetzung von KI-Projekten (Vorjahr: 53%). Dies zwar in verschiedenen Reifegraden, aber auch diese haben sich in ihren Anteilen jeweils weiterentwickelt. 5% der Banken geben sogar an, KI bereits in viele Anwendungen integriert zu haben.

Nachhaltigkeit: Rückzug in die Nische

ESG und nachhaltige Geldanlagen haben spürbar an Dynamik verloren und es zeigte sich, dass das tatsächliche Interesse vieler Kunden deutlich geringer ausfällt als ursprünglich erwartet.

Nachhaltige Finanzprodukte bleiben ein legitimer Nischenbereich, der hauptsächlich für institutionelle Investoren oder vermögende Privatkunden relevant ist. Die regulatorischen Anforderungen und die Kosten der Datenerhebung und Berichterstattung stehen für viele Banken in keinem Verhältnis zu den erzielbaren Renditen.

Vor diesem Hintergrund hat das Thema insgesamt an strategischer Bedeutung eingebüsst. 86% der Banken gehen davon aus, dass die Kundennachfrage nach nachhaltigen Finanzprodukten mittel- bis langfristig stagnieren oder sogar abnehmen wird.

Die grösste Herausforderung für Schweizer Banken im Bereich Nachhaltigkeit bleibt die Nachhaltigkeits- und Klimaberichterstattung (30%), gefolgt von der Berechnung von CO2-Bilanzen (14%), Risikomanagement und Greenwashing (je 11%).

Der EY Bankenbarometer 2026 bietet auf 76 Seiten zahlreiche weitere Zahlen und Fakten zum aktuellen Stand der Schweizer Banken. Der Report seht als PDF zur Verfügung, das kostenlos runtergeladen werden kann, gleich hier.