Ob die Blütezeit von Crowdlending und Crowdinvesting noch bevorsteht oder vorüber ist, bleibt offen. In der Schweiz bewegt sich der Markt immer noch in der Nische.
Der "Crowdfunding Monitor Schweiz" wird jedes Jahr vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern herausgegeben. Der Report ist ein nützlicher Pulsmesser, der die Entwicklung von Crowdfunding zeigt und über die Jahre vergleichbar macht.
Der Crowdfunding Monitor Schweiz 2026
Nach Jahren des Wachstums hat die Kurve nach dem Spitzenjahr 2021 einen Knick bekommen. Drei Jahre in Folge verzeichnete der Crowdfunding-Markt rückläufige Volumen.
Schien 2021 das Gesamtvolumen von 1 Milliarde Franken in absehbarer Zeit erreichbar zu sein, drehte sich der Wind im Markt. Das Volumen fiel zurück von 792 Millionen Franken im Jahr 2021 auf 550 Millionen Franken 2024.
Im Jahr 2025 zeigte sich nun zum ersten Mal wieder eine positive Entwicklung: In der Schweiz wurden über Crowdfunding-Plattformen Kampagnen mit einem Gesamtvolumen von 629 Millionen Franken finanziert. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung seit dem Jahr 2008.
Quelle: Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern
Den grössten Beitrag zu diesem Wachstum leistete mit gut 75 Prozent des Gesamtvolumens der Bereich Crowdlending, bei dem Kredite an Unternehmen und Privatpersonen online vermittelt werden. Vor allem der Bereich Real Estate Crowdlending trug dazu bei, also Projektfinanzierungen für Immobilien. Hier stieg das Volumen 2025 um 38 Prozent auf 275 Millionen Franken. Die Nachfrage nach alternativen Finanzierungsquellen dürfte dabei auch regulatorisch bedingt sein.
Mit der Umsetzung von Basel III Final per 1. Januar 2025 müssen Schweizer Banken für risikoreichere Kredite – insbesondere Immobilienentwicklungsprojekte – höhere Eigenmittel hinterlegen. Dies verteuert entsprechende Bankfinanzierungen und führt zu einer tendenziell zurückhaltenderen Kreditvergabe im Immobilienentwicklungsbereich.
Crowdlending-Plattformen profitieren von dieser Lücke und positionieren sich als Alternative. Die Studienautoren erwarten 2026 in diesem Segment ein erneutes Wachstum von rund 30 Prozent.
Quelle: Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern
Bleibt Crowdfunding in der Schweiz ein Nischenmarkt?
In zahlreichen anderen Ländern kommen die alternativen Finanzierungsformen offenbar besser an und Crowdfunding hat sich entsprechend stärker entwickelt. Mit der noch lange nicht geknackten Milliarde bleibt Crowdfunding in der Schweiz vorderhand ein Nischenmarkt.
Die Studienautoren rechnen 2026 für den Gesamtmarkt mit einem moderaten Wachstum von 10 bis 15 Prozent.
Die Studie zum Runterladen
Der "Crowdfunding Monitor 2026" geht ins Detail und in die Tiefe. Der Report steht als PDF zur Verfügung und kann kostenlos runtergeladen werden, gleich hier.
Wer im Detail vergleichen möchte: Alle Reports zwischen 2014 und 2026 bleiben verfügbar und können über denselben Link runtergeladen werden.
Die verschiedenen Ausprägungen von Crowdfunding
Crowdsupporting: Meist kreative und kulturelle Projekte und Kampagnen aus dem Sportbereich. Der Investor oder die Investorin erhält für seinen Beitrag ein Produkt, ein künstlerisches Werk oder eine Dienstleistung. Wer beispielsweise ein Buch finanziert, erhält ein Exemplar kostenlos.
Crowddonating: Mehrheitlich Spenden für soziale, karitative und kulturelle Projekte, die an keine Gegenleistung geknüpft sind.
Crowdinvesting: Investitionen von Eigen- oder Fremdkapital in Unternehmen (Startups) oder Immobilien. Als Gegenleistung erhalten die Investorinnen und Investoren eine Gewinnbeteiligung.
Crowdlending: Vermittlung von Krediten an Unternehmen oder Private. Als Gegenleistung erhalten die Geldgeber Zinszahlungen, deren Höhe vom Risiko des Kapitalnehmenden abhängt.
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