Elons Musk hat nach einer Testphase X Money in Form einer öffentlichen Beta-Version in den Markt geschickt. Auch bei dieser Beta-Version handelt es sich noch um eine Phase mit einem begrenzten Nutzerkreis, danach soll die vollständige Öffnung durchgeführt werden.
Der Start ist in den USA erfolgt, in über 40 Bundesstaaten scheint X Money über die notwendigen Lizenzen zu verfügen. Zu einem Start in Europa gibt's noch keine Informationen.
X Money ist Teil des X-Accounts
In diesem Punkt ist Banking neu gedacht. X Money ist kein Konto und keine App dazu, sondern Teil eines Social-Media-Kontos. Dazu gehört eine Metall-Karte (Debit), P2P-Zahlungen, Geld senden und empfangen, Kontostand checken und Transaktionen verwalten.
Erstaunliche Konditionen wie 6 Prozent Zinsen auf Guthaben und bis zu 3 Prozent Cashback sind aktuell Teil des Social-Media-Finanz-Pakets. Ob diese Konditionen nur zum Einstieg oder dauerhaft geboten werden, ist nicht kommuniziert worden.
Funktionen fürs Sparen und für Investments sollen später dazukommen, Krypto wahrscheinlich auch. Musks Intentionen gehen in Richtung einer kompletten Finanz-App, die eben alles bietet und alles kann. Als Super-App, die Social Media, Messaging und Finanzen vereint.
Wird X Money Banken und Zahlungsdiensten gefährlich?
Musk hat mit X Money zweifellos Grosses vor, ob sich dieses Grosse aber tatsächlich in die Breite bewegen kann, wird erst die Zukunft zeigen.
Zum einen kann Musk als Persönlichkeit und zum anderen kann die Plattform X (ehemals Twitter) im Wege stehen. Beide haben in den letzten Jahren aus bekannten Gründen an Reputation und Vertrauen verloren. Deshalb bleibt offen, welche Gruppen ihr Finanzleben über X und X Money organisieren möchten.
Zudem kann möglicherweise die Regulatorik Grenzen setzen. Regulatoren in den USA wie auch in Europa und anderen Regionen dürften wenig Gefallen daran finden, wenn ein Messenger mit 600 Millionen Nutzerinnen und Nutzern weltweit sich als Dominator in Geld- und Zahlungssystemen zu etablieren beginnt. Frühere Facebook-Pläne mit ähnlichen Zielen (Libra und Diem) hatten gegen die geballte Welt-Regulierungs-Front keine Chance.
Das Libra-Projekt und X Money sind nicht direkt vergleichbar, Libra wollte eine Kryptowährung schaffen, eine Art Stablecoin, um Geld schnell in der ganzen Welt bewegen zu können. So weit ist X Money noch nicht, Pläne in diese Richtung dürfen jedoch reifen.
Sollte X Money alle diese Hürden überspringen, richtet sich Musks Angriff klar gegen Banken, Neo-Banken und Zahlungsdienste.
Die Unterschiede zwischen bestehenden Finanzdienstleistern und X Money
Mit X Money greift Elon Musk nicht einfach den Zahlungsverkehr an – sondern das gesamte Verständnis von Banking. Während FinTechs und Neo-Banken klassische Bankdienstleistungen digitalisieren, kommt X aus einer völlig anderen Richtung: Social Media.
Statt Banking als eigenständige App zu denken, integriert X Finanzfunktionen direkt in die bestehende Plattform. Geld senden könnte so einfach werden wie eine Nachricht verschicken – ohne IBAN, ohne klassische Banklogik im Hintergrund. Der Benutzername wird zur Zahlungsadresse. Weitere Finanz-Services könnten ebenfalls schnell und einfach in derselben Umgebung genutzt werden.
Geld ausgeben, Zahlungen machen, Konto verwalten, Anlagen tätigen und mehr soll nach dem Vorbild von WeChat alles in derselben Umgebung geschehen.
Der entscheidende Vorteil von X Money: Netzwerk statt Produkt
Der vielleicht grösste Unterschied liegt nicht in den Funktionen, sondern im Ausgangspunkt: X bringt bereits eine globale Nutzerbasis mit. Sollte auch nur ein Teil davon X Money aktiv nutzen, entsteht ein Netzwerkeffekt, der bisherigen Anbietern das Leben schwer machen könnte.
Dienste wie PayPal haben gezeigt, wie mächtig solche Effekte sind. X könnte diesen Ansatz jedoch noch weiter treiben – indem Kommunikation, Identität, Zahlung und mehr vollständig verschmelzen.
Im Kern sprechen wir von zwei Modellen: Banken und Neo-Banken verbessern das bestehende Bankensystem. X Money versucht, das Ganze in ein digitales Ökosystem zu integrieren. Das heisst: Banken und Neo-Banken bleiben die besseren Banken. Aber X könnte mit X Money zum relevanteren Ökosystem werden.
Aber, wie gesagt, der Weg dahin ist noch weit. Die Widerstände und Hürden dürften wachsen. Auch für eine Grösse wie Elon Musk.