Elektronische Identität für die Schweiz E-ID

Vier von fünf Schweizer KMU sind noch nicht für die E-ID bereit

Mann am PC mit sichtbarer digitaler Identität
Bild: Pungu x | Shutterstock

Die Elektronische Identität E-ID kommt und soll der Schweizer Bevölkerung Ende 2026 zur Verfügung stehen – KMU sitzen im Moment noch auf der Bremse.

Nach einem dornenreichen Weg – Details und Chronologie dazu hier – hat's im zweiten Anlauf mit der staatlichen Elektronischen Identität (E-ID) für die Schweiz geklappt. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von 50.39 Prozent Ja-Stimmen hat die Schweizer Stimmbevölkerung am 28. September 2025 das neue E-ID-Gesetz angenommen.

Der Bund baut derzeit die E-ID zusammen mit der offenen Vertrauensinfrastruktur swiyu auf, der Start ist für Ende 2026 geplant. Eine neue Studie der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt: Die meisten Schweizer KMU kennen das Thema, doch nur rund ein Fünftel setzt bereits Lösungen um. Die grössten Hürden liegen nicht im Gesetz, sondern in der eigenen IT und im fehlenden Wissen. 

93 Prozent kennen die E-ID, aber nur 20 Prozent handeln 

Die Bekanntheit der neuen E-ID ist hoch: 93.6 Prozent der befragten KMU haben von ihr und der Vertrauensinfrastruktur gehört. Bei der Umsetzung zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Erst 20.5 Prozent haben bereits entsprechende Lösungen implementiert, weitere 21.8 Prozent befinden sich in Planung oder Umsetzung. Rund 36 Prozent haben keine Umsetzungspläne, und ein weiteres Fünftel zieht das Thema erst in Betracht.

Nicht das Gesetz ist das Problem 

Anders als in der politischen Debatte vor der Abstimmung vermutet, liegen die grössten Hindernisse nicht bei Recht oder Datenschutz. Am häufigsten nennen die KMU drei Hürden für die Einführung: die Integration in bestehende Systeme (47.4 Prozent), mangelndes Wissen und Verständnis (43.6 Prozent) sowie fehlende Geschäftsfällen oder fehlender Bedarf (39.7 Prozent). Regulatorische Bedenken nennen nur 17.9 Prozent.

Die folgende Grafik zeigt die grössten Herausforderungen für KMU bei der Einführung digitaler Identitäten.

«Digitale Identitäten scheitern selten an der Idee, sondern an Schnittstellen, Rollenlogiken und am Betrieb», sagt Tim Weingärtner, Professor am Departement Informatik der Hochschule Luzern und Mitautor der Studie. Entsprechend nennen KMUs Effizienzsteigerung (84 Prozent) und verbesserte Sicherheit (72 Prozent) als wichtigste Einführungsgründe. 

KMUs sehen Deepfakes als Risiko 

Ein zentraler Befund betrifft das Risiko durch Künstliche Intelligenz: Rund 86 Prozent der Befragten stufen KI-generierte Fake-Identitäten wie Deepfakes als mindestens mittleres Risiko für ihr Unternehmen ein, knapp die Hälfte sogar als hohes oder sehr hohes Risiko. Für 63.8 Prozent können digitale Identitäten bei der Verhinderung solcher Fälschungen helfen.

Für Weingärtner ist das ein zentrales Argument: «Die Überprüfung von Identitäten ist ein zentraler Bestandteil vieler Geschäftsfälle. Im digitalen Raum braucht es dafür eine sichere, vertrauenswürdige und selbstbestimmte Lösung.» 

Viele warten ab und riskieren Aufholstress 

Für die kommenden drei Jahre zeichnet sich ein pragmatischer Kurs ab: Rund die Hälfte der Befragten will die Prüfung digitaler Identitäten in bestehende Systeme integrieren oder Pilotprojekte starten. Gut ein Viertel beobachtet den Markt und handelt erst später, gut ein Fünftel plant vorerst keine Projekte. Nur sechs Prozent wollen eigene digitale Nachweise ausstellen.

Die Studienautoren warnen: Wer zu lange zuwartet, spart kurzfristig Aufwand, riskiert aber mittelfristig höhere Integrationskosten, weil interne Fähigkeiten und Anschlüsse ans Ökosystem später unter Zeitdruck aufgebaut werden müssen.

Deshalb raten die Autoren sich bereits jetzt mit Anwendungsfällen im eigenen Umfeld zu beschäftigen.

Zur Studie 
Die Studie "Digitale Identitäten und elektronische Nachweise in der Schweiz 2026" wurde vom Information Systems Research Lab der Hochschule Luzern – Informatik erstellt und von der Digital Identity and Data Sovereignty Association (DIDAS) unterstützt. In der Online-Umfrage wurden im November 2025 über Branchenverbände und Unternehmensnetzwerke 78 Vertreterinnen und Vertreter aus Schweizer KMU befragt. Die Ergebnisse geben ein Stimmungsbild, sind aber aufgrund der Stichprobengrösse nicht repräsentativ für alle Schweizer KMU. Die Umfrage findet zum ersten Mal statt und soll jährlich wiederholt werden.