Die Reihen der aktiven Neo-Banken haben sich in den letzten Jahren etwas gelichtet, mit dem Startup Helvo betritt ein neuer Player das Parkett.
Das 2024 gegründete Startup Helvo hat seinen Sitz in Crissier und will mit 22 Mitarbeitern in der Schweiz und in Finnland mehr schaffen als eine *gewöhnliche" Neo-Bank. Das ist auch notwendig, für eine weitere Neo-Bank ohne besondere Ausrichtung oder Spezialitäten besteht in der Schweiz wenig Raum. Diese Positionen sind bereits gut besetzt.
Die Mischung aus Neo-Bank und Bexio für KMU
Was in Deutschland und Europa zum Beispiel mit Qonto, Vivid und anderen Neo-Banken schon seit Jahren im Markt präsent ist, gibt's in der Schweiz in "Vollausstattung" noch nicht: eine Neo-Bank für KMU, die sämtliche Bereiche der Finanzen organisiert. Auf einen Blick jedenfalls jene, die auf der folgenden Grafik abgebildet sind.
Die Angebotspalette des neuen Players liest sich interessant. Sie umfasst zahlreiche Leistungen und Aufgaben, für die KMU neben den normalen Bank-Services einige weitere Tools im Einsatz haben müssen. Das ist machbar und gelebte Praxis – im Alltag jedoch unkomfortabel, wenn die Finanzen nicht harmonisiert und an einem Ort zusammengeführt ineinandergreifen.
Das will die Neo-Bank Helvo ändern. Die Gründer des FinTechs sind der Meinung, dass zu viele Schweizer KMU zu viele Stunden pro Woche damit verbringen, ihre Finanzen mit uneinheitlichen Tools, Tabellen und manuellen Prozessen zu verwalten.
In der Schweiz sind über 99 Prozent aller Unternehmen KMU und machen landesweit rund zwei Drittel der Arbeitsplätze aus. Helvo will für diese grosse Gruppe die nicht wirklich wertsteigernde und zeitraubende Finanzadministration unter den Hut einer einzigen Plattform bringen.
Nach Aussagen der Neo-Bank wurde Helvo von Grund auf für Schweizer KMU geschaffen, mit Workflows, einer Compliance-Infrastruktur und Finanzfunktionalitäten, die spezifisch auf die Schweizer Geschäftsgewohnheiten ausgerichtet sind. Helvo liefert kein weiteres autonomes Finanztool, sondern zielt darauf ab, für Schweizer KMU die Finanzverwaltung durch den Zusammenschluss der wichtigen Workflows in einer einzigen, verknüpften Umgebung zu vereinfachen.
Premiere für die Hypothekarbank Lenzburg
Die Helvo-Plattform als integriertes Neo-Bank- und Finanzbetriebssystem wurde in Partnerschaft mit der Hypothekarbank Lenzburg (HBL) entwickelt und vereint in einer einzigen Umgebung die wichtigsten finanziellen Anforderungen von Schweizer KMU: Geschäftskonto, Zahlungsverkehr, Rechnungsstellung, Buchhaltung und Lohnabrechnung.
Die HBL hat als Bankpartner und BaaS-Technologieanbieter viel Erfahrung, betritt jedoch mit der Helvo-Kooperation Neuland. «Unsere bisherigen Kooperationen konzentrierten sich primär auf das Privatkundensegment. Mit Helvo erweitern wir unser Angebot auf das digitale KMU-Segment. Auch rund zehn Jahre nach der Lancierung erster Projekte bietet der Neo-Banking-Bereich weiteres Innovationspotenzial», sagt Silvan Hilfiker, CEO der Hypothekarbank Lenzburg.
Erhältlich für KMU noch im laufenden Jahr
Das FinTech hat das Beta-Testing von Helvo für eine limitierte Anzahl Schweizer KMU diese Woche gestartet. Wenn die Neo-Bank die Erwartungen erfüllt und die angebotenen Leistungen im Laufe der Zeit weiter ausbaut, ist die Schweiz um eine Neo-Bank reicher, die für KMU ein klares Mehr bietet. Dieses Mehr soll nach Aussagen von Helvo noch im laufenden Jahr für den gesamten KMU-Markt geöffnet werden.
Wahrscheinlich ein guter Zeitpunkt. Einige in Europa bereits bestehende Plattformen und Neo-Banken für KMU mit ähnlichen Angeboten werden über kurz oder lang ihre Leistungen auch in der Schweiz ausrollen. Helvo ist der Auffassung, dass die Antwort auf bisher nicht erfüllte Wünsche und Bedürfnisse von Schweizer KMU von einer Schweizer Neo-Bank kommen sollte.
Über das Pricing ist noch nichts bekannt, das wird bei der offiziellen Lancierung im laufenden Jahr bekanntgegeben. Die Neo-Bank hat auf ihrer Website eine Warteliste eingerichtet, auf der sich interessierte KMU eintragen können.
Die Schweizer Neo-Banken-Landschaft im Überblick
Die Zusammenstellung der in der Schweiz aktiven Neo-Banken mit den jeweils zuletzt gemeldeten Nutzerzahlen vermittelt einen ungefähren Eindruck der aktuellen Grössenverhältnisse und Marktanteile.
| Schweizer Neo-Banken | Markteintritt | Kunden insgesamt | davon in der Schweiz |
| Alpian (F-ISPB) | Oktober 2022 | 40'000 | 40'000 |
| Kaspar&* | März 2022 | 7'000 | 7'000 |
| Neon | März 2019 | 250'000 | 250'000 |
| Yapeal* | Juli 2020 | 10'000 | 10'000 |
| Yuh (Swissquote) | Mai 2021 | 425'000 | 425'000 |
| Zak (Bank Cler) | März 2018 | 90'000 | 90'000 |
| Aktive Schweizer Apps: 6 | | | |
| *primär im B2B2C-Geschäft aktiv | | | |
| | | | |
| Ausländische Neo-Banken | Markteintritt | Kunden insgesamt | davon in der Schweiz |
| N26 | Schweiz 2019 | 5 Millionen* | keine Angaben |
| Revolut | Schweiz 2017 | 75 Millionen | 1'240'000 |
| Wise | März 2010 | 19 Millionen* | keine Angaben |
| Aktive ausländische Apps: 3 | | *ertragsrelevant | |
| | | | |
| Neo-Banken Verticals | Markteintritt | Kunden insgesamt | davon in der Schweiz |
| Relio | Oktober 2023 | Angaben folgen | Angaben folgen |
| Aktive Vertical Apps: 1 | | | |
Hinweis der Redaktion: Neo-Banken, die ihre aktuellen Kundenzahlen nicht korrekt gespiegelt sehen, weil länger nicht kommuniziert, dürfen Letzteres jederzeit gerne nachholen, hier, damit Ersteres auf den neusten Stand gebracht werden kann.