Nachhaltigkeit

Die nachhaltige Holzkarte von Tomorrow als aktueller Baustein einer klugen Strategie

Die Debitkarte in Holz des FinTechs Tomorrow
Bild: Tomorrow

Dass Finanzdienstleister bei ihren Debit- und Kreditkarten vermehrt in Holz, Mais und Metall machen, hat inzwischen Konjunktur – die Neo-Bank Tomorrow geht weiter.

Holz, Mais oder Metall statt Plastik bei der Herausgabe von Karten – das ist grundsätzlich eine gute Idee. Zumal die Karten in neuen Materialien nicht nur umwelt- und klimaschonende Beiträge leisten, sie kommen auch stylish daher. Gut möglich, dass die neuen Kartengenerationen das Potenzial haben, zu neuen Statussymbolen zu werden.

Aktuell kann man bereits von einer "kleinen Welle" sprechen, die auch andere Marktteilnehmer erfassen kann und möglicherweise bald als grosse Welle die neuen Standards setzen wird. Über verschiedene Protagonisten der neuen Welle haben wir in letzter Zeit mehrfach berichtet. Zur Fraktion der Metaller gehören vor allem Challenger-Banken wie N26, Revolut oder Vivid Money, die ihre Premium-Konten kartentechnisch ohne Plastik ausstatten.

Die Grossbank UBS macht in Mais und die Zürcher Kantonalbank setzt in einem Pilotprojekt auf Holzkarten, hier zu sehen. Weitere unterschiedlich ausgerichtete Initiativen kommen zum Beispiel von Carbon-Connect und Neon, welche auf die Baumpflanz-Schiene setzen. Visa hat Mitte Jahr die Karte aus recyceltem Kunststoff lanciert und die Suchmaschine Ecosia setzt auf die Debitkarte aus Holz und lässt zusätzlich umsatzabhängig Bäume anpflanzen.

Tomorrow: Das Porträt eines Nachhaltigkeits-Players

Neu kommt die deutsche Neo-Bank Tomorrow ins Spiel der nachhaltigen Karten – und das Startup geht traditionellerweise noch ein paar Schritte weiter. Oder präziser: Tomorrow ist schon vorher weitergegangen, hat das Terrain längst vorbereitet und macht mit der Debitkarte aus Holz nur einen nächsten logischen Schritt.

Das Kurzpporträt eines FinTecsh aus Hamburg, mit Adresse in St. Pauli, das Unterschiede schaffen und die Welt verändern will.

"Aussen wood, innen good", sagt Tomorrow und fragt: "Wood you?"

Den Hingucker aus österreichischem Kirschholz gibt's als Debitkarte ab sofort und erstmal für den Kontotyp "Zero" – das ist das Premium-Konto der Hamburger Neo-Bank, das für 15 Euro pro Monat zu haben ist. Das FinTech unterstreicht, neben den Nachhaltigkeitsaspekten, auch das neue Feeling der Haptik sowie die einzigartige Optik durch die individuelle Maserung der Holzkarte. Das Visuelle gehört mit zu den Anliegen der Neo-Bank, die "Schönheit ins Banking" bringen will, sprich: Tomorrow will formal und inhaltlich "mehr Menschlichkeit in die kühle Banking-Welt bringen".

"Aussen wood" ist jetzt klar, aber warum "innen good"?

Die Smartphone-Bank verbindet als Social Business-Unternehmen die Themen "Mobile Banking" und "Nachhaltige Finanzen". Das FinTech mit B Corp-Label (Certified Benefit Corporations) ist erst 2018 gegründet worden und hat letzten Oktober in einer weiteren Finanzierungsrunde über Crowdinvesting innerhalb von 5 Stunden 3 Millionen Euro von 2'000 Investoren eingesammelt. Ein Indikator dafür, dass die Community nicht nur mit im Boot sitzt, sondern auch aktiv mitrudert.

Die Philosophie von Tomorrow lässt sich in Kurzform mit folgendem Zitat beschreiben: "Wir glauben, dass Geld ein Teil der Lösung sein kann. Aber während wir Bio-Gemüse kaufen und grünen Strom nutzen, liegt unser Geld auf der Bank und finanziert vielleicht gerade ein neues Kohlekraftwerk." Um hier Gegensteuer zu geben, finanziert Tomorrow ausschliesslich nachhaltige und soziale Projekte, und das offenbar mit dem Rückwind einer wachsenden Community.


Debitkarte der Neo-Bank Tomorrow

Der Aufruf zum "Bankraub for Good"

Vor einem Jahr ist die Neo-Bank mit einer ungewöhnlichen Kampagne aufgefallen:

Unter dem Slogan "Raub Dein Geld und veränder die Welt" hat Tomorrow dazu aufgerufen, Geld bei konventionellen Banken abzuziehen und auf ein nachhaltiges Konto zu überweisen – zum Beispiel bei Tomorrow oder bei einer anderen nachhaltigen Bank.

Mitgründer Jakob Berndt damals zum Thema: "Hauptsache ihr Geld fliesst in Projekte, die einen positiven Wandel ermöglichen".

Die Botschaft ist offenbar angekommen, zwischen damals und heute hat die Smartphone-Bank 33'000 Kunden dazugewonnen.


Wie sich Tomorrow von anderen Neo-Banken unterschiedet

Aktuell hat Tomorrow 47'000 Kundinnen und Kunden, welche über die Nutzung der Bankservices das ausloten, was mit "innen good" beschrieben wird. Neben den konsequent nachhaltigen Anlagen von Tomorrow gibt's weitere Punkte, mit denen die Neo-Bank Unterschiede schaffen will.

CO2-Kompensation
Tomorrow kompensiert für jeden Zero-Konto-Nutzer 11,3 Tonnen CO2 pro Jahr. Das ist der durchschnittliche CO2-Fussabdruck, den jeder deutsche Einwohner pro Jahr hinterlässt. Eine intelligente Initiative mit einem wichtigen psychologischen Aspekt: Neben der realen Kompensation gibt dieses Versprechen Kundinnen und Kunden das gute Gefühl, dass sie als Teil der Tomorrow Community klimaneutral leben können. In gewisser Weise, ohne etwas dafür tun zu müssen, Kunde werden oder Kundin bleiben genügt schon, die Bank übernimmt den Job der CO2-Kompensation.

Interchange Fee für Klima-Projekte
Tomorrow setzt die Interchange Fee für Klima-Projekte ein und schützt pro Euro, der mit Tomorrow-Karten ausgegeben wird, 1 m2 Regenwald. Die bisherig ausgewiesene Bilanz dieser Initiative liest sich eindrücklich: 91'706'279 m2 Regenwald geschützt, 15'470'234 Bäume geschützt, 23'453'660 kg CO2 kompensiert. 

Tomorrow investiert in nachhaltige Projekte
Das FinTech verspricht, keinen Cent der Kundeneinlagen in "gestrige Branchen wie Rüstung, Massentierhaltung oder Kohlekraft" zu investieren. Vielmehr sollen durchwegs nachhaltige Projekte finanziert werden. So soll mit der Community "gemeinsam positiver Wandel" finanziert werden.

Die bisherige Bilanz des Tomorrow-Kapitals nach eigenen Angaben: 92'275'709 Euro durch 47'314 Nutzerinnen und Nutzer, 19'450'000 Euro investiert in nachhaltige Projekte, 0 Euro investiert in gestrige Branchen.

Eine Einordnung von unserer Seite

Das FinTech Tomorrow verbindet die beiden Themen "Mobile Banking“ und "Nachhaltige Finanzen“, segelt unter dem Claim "Mobile Banking für ein besseres Morgen" und versucht, dieses bessere Morgen durch nachhaltige Initiativen zu forcieren. Dazu setzt Tomorrow stark auf die Community, die in die weitere Entwicklung von App und Banking involviert wird. Diese Nähe zur Community hat sich auch letzten Oktober bezahlt gemacht – innerhalb von nur gerade fünf Stunden sind über die Crowd drei Millionen Euro in das FinTech investiert worden.

Mit der kürzlichen B Corp-Zertifzierung setzt das FinTech einen weiteren Akzent und positioniert sich damit wohl "als gewinnorientiertes Unternehmen, das sein Business aber nicht für die reine Profitmaximierung nutzt, sondern dafür, einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen und auf ökologische Nachhaltigkeit setzt". Diese Positionierung ist insofern clever, als Gewinne nicht verteufelt werden, sondern "erlaubt" bleiben, und die grüne Etikette sowie der Anspruch an Nachhaltigkeit moderat ausgeprägt sind. So moderat, dass breite Kundengruppen diesem Anspruch folgen können, ohne das Gefühl zu bekommen, zu wenig zu tun. In gewisser Weise ist sogar das Gegenteil der Fall:

Die Neo-Bank investiert im Sinne der Kunden und die Neo-Bank kompensiert für die Kunden den CO2-Fussabdruck. Es genügt schon, die Haltung "man müsste etwas tun" zu teilen – der Komfort für Kunden liegt darin, dass Tomorrow den Job der guten Taten vollumfänglich übernimmt. Es war nie einfacher, ein gutes Gewissen haben zu dürfen, ohne sich selbst übermässig anstrengen zu müssen.

Als das Startup vor zwei Jahren gegründet worden ist, hatte Tomorrow in dieser Ausprägung als Neo-Bank eine Alleinstellung, gewissermassen in einer Nische. Inzwischen holen andere Neos und auch klassische Banken auf, Impact Investing und Nachhaltigkeit in verschiedenen Bereichen gewinnen an Bedeutung für alle Finanzdienstleister. 

Eine Entwicklung die dem FinTech zusätzlich neue Kunden bringen kann, weil die Nische keine mehr ist und zu einem sehr viel grösseren Markt gewachsen ist. Zudem operiert Tomorrow nicht in ersten Ansätzen nachhaltig, sondern fährt heute schon konsequent das volle Programm, das auch laufend erweitert wird. Deshalb kann das FinTech seinen Vorsprung ziemlich sicher nicht nur halten, sondern möglicherweise noch kräftig ausbauen. Die Sensibilität für Nachhaltigkeits-Themen nimmt bei breiten Zielgruppen sprunghaft zu, das kommt der Neo-Bank sehr entgegen. Bei der Neo-Bank Tomorrow finden Konsumenten bereits heute die Antworten, die von anderen Finanzdienstleistern erst nach und nach formuliert werden.


Kurzsteckbrief Tomorrow

2018 gegründet von Inas Nureldin, Jakob Berndt und Michael Schweikart, bietet das Social Business aus Hamburg seit März 2019 Smartphone Banking an. 

Zum Angebot des FinTechs gehört eine kostenlose Konto-Variante mit Debitkarte und seit Februar 2020 das kostenpflichte Premium-Konto Zero, das den CO2-Fussabdruck seiner Nutzerinnen und Nutzer kompensiert. Auch die neu lancierte Debitkarte aus Holz ist Teil des Premium-Angebots.

Tomorrow ist eine Neo-Bank ohne eigene Banklizenz. Das FinTech kooperiert mit der Solarisbank. Der Berliner Dienstleister mit Vollbanklizenz stellt FinTechs Infrastruktur und eine Banking-as-a-Service-Plattform zur Verfügung, damit Startups ihre Geschäftsideen technologisch fit und regulatorisch abgesichert realisieren können.