Was ist vom Stablecoin-Effort der Schweizer Banken zu halten?

Logos der Banken, die an der Stablecoin-Initiative teilnehmen
Quelle: Swiss Stablecoin

Zu den bemerkenswerten und wichtigsten Meldungen der letzten Tage gehört die Kooperation mehrerer Banken mit Swiss Stablecoin. Warum?

Stablecoins gehört die Zukunft, die stabilen Kryptowährungen haben das Potenzial, die Finanzwelt und Finanzsysteme eher stark zu verändern. Das ist die Meinung zahlreicher Fachleute – unter anderen auch Experten bei Zentralbanken.

Entscheidend ist die Frage, welche Stablecoins dabei im Zentrum stehen werden. Aktuell ist der Markt von Stablecoins dominiert, die an den US-Dollar gebunden sind. Dazu gehören die Schwergewichte Tether (USDT) mit 185 Milliarden und der USDC von Circle mit 78 Milliarden Marktkapitalisierung, beide gekoppelt an den US-Dollar.

Mit dem Genius Act haben die USA einen Regulierungsrahmen geschaffen, der die weitere Entwicklung privater Stablecoins fördert, die an den US-Dollar gekoppelt sind. Was im Interesse der USA liegt, kann längerfristig die Bedeutung anderer Währungen beeinflussen oder auch die Wirksamkeit der Geldpolitik für diese Währungen in Frage stellen.

In letzter Zeit sind in Europa zahlreiche Diskussionen zu den Stichworten "Stablecoinisierung im Zahlungsverkehr" oder "Dollarisierung" geführt worden. Experten sehen das Finanzsystem und das Zahlungssystem Europas an einem kritischen Wendepunkt. Gewinnen Stablecoins weiterhin an Bedeutung und tun sie das auf der Basis von US-Dollar, wird die amerikanische Währung ihren globalen Einfluss weiter stärken und, so die Befürchtungen, die monetäre Autoriät Europas schwächen.

Zu den Warnern gehört unter vielen anderen auch Prof. Dr. Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank und Mitglied des EZB-Rats, der sich kürzlich zur Dollarisierung der europäischen Volkswirtschaften geäussert hat, hier. Ähnliche Bedenken (und mögliche Lösungen) finden sich auch in der neuen Strategie des Eurosystems, welche die Europäische Zentralbank Anfang April vorgestellt hat, hier.

Welche Rolle werden Stablecoins in Zukunft spielen?

Stablecoins sind vielseitig einsetzbar. Im DeFi-Bereich lassen sich nicht investierte Gelder parkieren, ohne dass die Blockchain verlassen werden muss – also ohne Umweg über Fiatwährungen.

Stablecoins können sichere Wertspeicher oder Zahlungsmittel sein und zwischen Banken, zwischen Unternehmen oder im Retail-Bereich für Private eine Rolle spielen.

Nationale und vor allem grenzüberschreitende Zahlungen lassen sich mit Stablecoins schnell, sicher und kostengünstig abwickeln, ohne dass Intermediäre und Drittparteien involviert werden müssen.

Welche Rolle werden Stablecoins in der Schweiz spielen?

Das versuchen im Moment mehrere Banken in Kooperation mit Swiss Stablecoin zu definieren. Die Zusammensetzung ist interessant, konkret sind alle vier systemrelevanten Banken dabei: UBS, Postfinance, Raiffeisen und die Zürcher Kantonalbank. Ebenfalls Teil der Initiative sind die BCV und die Kryptobank Sygnum. 

Sie alle lancieren mit Swiss Stablecoin gemeinsam eine CHF-Stablecoin-Sandbox. Das ist bemerkenswert und wichtig, weil die Schweiz mit einem eigenen CHF-Stablecoin national und international die Bedeutung des Schweizer Frankens (besser) bewahren kann. Und sich nicht bedingungslos in Abhängigkeiten zu US-Dollar- und Euro-gestützten Stablecoins begibt.

In der Schweiz gibt es derzeit keinen regulierten Schweizer-Franken-Stablecoin mit einer breiten Anwendung. Das deutsche FinTech Allunity steht mit dem CHF-gedeckten CHFAU noch am Anfang, es besteht Raum und auch eine Notwendigkeit für eine vertrauenswürdige, regulierte Schweizer Lösung.

UBS, Postfinance, Sygnum, Raiffeisen, ZKB und BCV haben sich deshalb zusammengeschlossen und testen gemeinsam mit der Swiss Stablecoin in einer geschützten digitalen Live-Umgebung – einer sogenannten Sandbox – ausgewählte Anwendungsfälle eines CHF-Stablecoins.

Ihre Ziele beschreiben die Initianten mit folgendem Statement:

Mit der Initiative verfolgen die beteiligten Unternehmen mehrere übergeordnete Ziele. Sie wollen den Aufbau eines Schweizer Ökosystems für digitales Geld unterstützen, neue Fähigkeiten und Erfahrungen im Umgang mit digitalen Zahlungsmitteln aufbauen und praxisrelevante Erkenntnisse gewinnen. Dabei stehen effizientere Prozesse und ein echter Nutzen für Kundinnen und Kunden im Fokus. Grundlage der Sandbox bildet eine initiale Liste möglicher Anwendungsfälle, die gemeinsam entwickelt werden. Die technische Infrastruktur für die Herausgabe des Stablecoins stellt die Swiss Stablecoin AG zur Verfügung. Die Sandbox wird 2026 durchgeführt. Sie steht auch weiteren interessierten Banken, Unternehmen und Institutionen offen, die zur Entwicklung eines CHF-Stablecoins beitragen möchten.

Mit anderen Worten: Was genau der CH-Stablecoin für wen genau bewirken soll, wird sich erst klären. Wichtig aber ist, dass die Schweiz im Spiel ist und alle Möglichkeien auslotet, die für den Finanzplatz wichtig sein können.