Crowdlending

Wie entwickelt sich der Crowdlending-Markt Schweiz?

Bild: Miriam Doerr | Getty Images

Die aktuelle Studie "Crowdlending Survey 2018" bestätigt das dynamische Wachstum und die zunehmende wirtschaftliche Relevanz von Crowdlending in der Schweiz.

Die "Crowdlending Survey 2018" ist die erste breit und tief angelegte Studie, welche ausschliesslich auf den Schweizer Crowdlending-Markt fokussiert.

Der vorliegende Bericht ist eine gemeinsame Publikation von PwC, dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern sowie der Initiative und Schweizer Branchenorganisation Swiss Marketplace Lending Association.

Ende 2017 waren in der Schweiz insgesamt 15 Plattformen aktiv, welche im Bereich Crowdlending Kredite vermitteln. Die Zahlen, Fakten und Erkenntnisse des aktuellen Berichts basieren auf der Entwicklung von 14 Crowdlending-Plattformen, welche an der Umfrage teilgenommen haben.

Die Resultate auf einen Blick

Mit einem Wachstum von 240 Prozent und einem vermittelten Kreditvolumen von 187 Millionen Franken hat sich die Branche weiterhin sehr dynamisch entwickelt. Die Studienautoren sind überzeugt davon, dass sich diese Dynamik fortsetzt und rechnen für 2018 mit einem Kreditvolumen von 500 Millionen Franken.

Falk von der Heyde, Partner Deals Financial Services, PwC Schweiz, fasst zentrale Erkenntnisse in einem Satz zusammen:
 

Der Schweizer Crowdlending-Markt boomt und wird gerade für Institutionelle attraktiv

Die Entwicklung im Detail

Von 2016 auf 2017 hat das Crowdlending-Volumen stark zugenommen, wie bereits in den Vorjahren, 2017 wurden Kredite im Umfang von 186,7 Millionen Schweizer Franken vermittelt. Die Zahl der erfolgreich vermittelten Kredite hat sich von 840 (2016) auf insgesamt 2'035 (2017) erhöht.

Bereich Volumen 2017 Kreditsummen Ø Investition pro Kreditgeber Ø
Business 111,6 Millionen CHF 300'000 CHF 25'000
Consumer 52,0 Millionen CHF 31'000 CHF 4'000
Real Estate 23,1 Millionen CHF 854'000  

Die Kreditsummen pro Kreditnehmer sind markant angestiegen. Auch das ist ein Indiz für eine gewisse "Gewöhnung", das Instrument Crowdlending hat den exotischen Status abgelegt und ist zur breiter akzeptieren Finanzierungsform geworden. Lag zum Beispiel die Kreditsumme bei den KMU pro Kreditnehmer 2016 im Durchschnitt noch bei CHF 171'000, hat sich die Summe innerhalb eines Jahres auf CHF 300'000 erhöht.

Die grösste einzelne Transaktion in diesem Segment war 2017 ein vermittelter KMU-Kredit in der Höhe von 8,7 Millionen Franken. Ein Einzelfall, der jedoch zeigt, dass im Business Crowdlending Grenzen getestet und erweitert werden können.

Auch im Consumer Crowdlending steigen die Summen der vermittelten Kredite kontinuierlich, wenn auch langsamer, von CHF 18'000 im Jahr 2013 auf CHF 31'000 im Jahr 2017.

Neben Privatinvestoren aus der Crowd, entdecken nach Erkenntnissen der Autoren zunehmend auch institutionelle Investoren und Family Offices das Crowdlending als neue Anlageklasse. Diese investieren im Vergleich zu Privatinvestoren in der Regel bedeutend grössere Beträge. 

Die Autoren sehen institutionelle Anleger in Zukunft als einen zentralen Wachstumstreiber für hohe Kreditvolumen im Crowdlending-Markt.

Die Schweiz im internationalen Vergleich

Grafik: Crowdlending Survey 2018 | Crowdlending-Volumen absolut und im Verhältnis zur Einwohnerzahl und zum Bruttoinlandprodukt (2016, in Millionen CHF)

Im Vergleich zu weit entwickelten Crowdlending-Märkten wie Grossbritannien oder USA, liegt der Schweizer Markt nach Einschätzung der Autoren etwa drei Jahre zurück. Die hohen Wachstumszahlen weisen aber darauf hin, dass die Schweiz langsam aufholt. Gleichzeitig ist die Bedeutung von Crowdlending in der Schweiz höher als in allen Nachbarländern: Pro Kopf wurden in der Schweiz im Jahr 2017 rund 27 Franken in Crowdlending investiert (2016: ca. 7 Franken).

Mag der Crowdlending-Markt aktuell noch in überschaubaren Dimensionen spielen – die dynamischen Wachstumsraten sowie ein Blick auf ausländische Maktplätze mit Vorsprung zeigen, wohin die Reise gehen kann.

Defizite bei der Regulierung

Bessere Rahmenbedingungen für den Markt und die Crowdlending-Plattformen hat die teilweise Aufhebung der "20er-Regel" gebracht. Seit der Einführung der FinTech-Regulierung im Sommer 2017 dürfen Kredite an Unternehmen neu von mehr als 20 Personen finanziert werden. Diese "20er-Regel" gilt jedoch weiterhin im Segment Consumer Crowdlending, was eine weitere Entwicklung in diesem Bereich bremsen kann. Aus Sicht der Autoren ist die eine Aufhebung dieser Regel auch im Bereich Consumer für die weitere Entwicklung des Marktes zentral.

Die Studie zum Runterladen

Der aktuelle Bericht enthält sehr viele Details zur Branche und zur Entwicklung des Crowdlending-Marktes in der Schweiz. Dazu Ausführungen zur Bedeutung des Schweizer Marktes im internationalen Kontext. Die Studie kann über den Link am Ende dieses Artikels kostenlos runtergeladen werden.