Eine Serie über Gold

Welche Rolle spielt Altgold im Kontext der weltweiten Förderung von neuem Gold?

Altgold, eine Sammlung von alten und nicht mehr getragenen Goldschmuckstücken
Bild: Getty Images | jaanalisette

Neues und altes Gold: Goldförderung ist das eine, Altgold das andere. Das eine wie das andere ist wichtig, um den wachsenden Bedarf an Gold decken zu können.

In unserer Serie über Gold haben wir bereits verschiedenste Aspekte des glänzenden Edelmetalls beleuchtet: Wie das Gold auf die Erde kam, wie und wo es gefördert wird, Superlative in Zahlen rund um das Edelmetall, wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren – und mehr. 

Im siebten Kapitel unserer Serie werfen wir einen Blick auf die Bedeutung von Altgold. Eine wichtige Ressource, die an Gewicht und Bedeutung noch zulegen kann.

Neues Gold und altes Gold

Die Goldfördermenge sämtlicher Goldminen weltweit lag 2022 bei gut 3'600 Tonnen. Eine beachtliche Menge – und die zweithöchste, seit die Branchenorganisation World Gold Council die jährlichen Fördermengen erfasst und aufzeichnet. Die Nachfrage nach Gold ist jedoch deutlich höher als die jährliche Goldproduktion. In den letzten Jahren verstärkt, der Boom hält ungebrochen an, zahlreiche Staaten und Zentralbanken erhöhen ihre Goldreserven weiterhin teilweise massiv.

Mit 4'741 Tonnen Gold war der Bedarf 2022 nach dem gelben Edelmetall so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr – gegenüber dem Vorjahr entspricht das einer Zunahme um 18 Prozent. Zwischen Goldförderung und Nachfrage klafft folglich eine beträchtliche Lücke. Wie wird diese Lücke geschlossen? Neben dem normalen Goldhandel kommt ein beträchtlicher Teil aus dem Altgold. 

Was ist Altgold?

Unter Altgold versteht man bestehendes – also "altes" – Gold, das bereits zu Schmuck, zu Uhren oder zu anderen Preziosen verarbeitet worden ist und in dieser Form nicht mehr benötigt wird. Dieses Gold wird dann zu Altgold, wenn alter Goldschmuck, defekte Golduhren, goldene Zahnprothesen oder andere Teile aus Gold eingeschmolzen werden. 

Altgold wird auch als Bruchgold oder Schmelzgold bezeichnet. Nach dem Einschmelzen geht das Gold zurück in den Kreislauf des Handels und steht den Märktent für sämtliche Anwendungen und Zwecke wieder zur Verfügung.

Die Bedeutung von Altgold

Gold wird in dem Sinne nicht wirklich alt. Das gelbe Metall verliert niemals seinen Materialwert und es kann als Schmuck oder in Form von anderen Teilen immer wieder und beliebig oft eingeschmolzen werden. Dasselbe Gold kann im Laufe der Zeit mehrmals die Form und die Gestalt wechseln, ohne an Qualität oder Wert zu verlieren. Wird Gold, in welcher Form auch immer, irgendwann zu Altgold, bleibt diese Ressource nach dem Einschmelzen das, was sie immer war: ein Edelmetall und ein wertvoller Rohstoff für verschiedene Einsatzbereiche. Für den Schmuckbereich, für den Goldhandel in Form von Barren und Münzen oder auch für industrielle Anwendungen.

So gesehen wird das bestehende und längst geförderte Gold nicht weniger. Gold ist gewissermassen "unkaputtbar" und dauerhaft haltbar – einmal da, geht es nicht mehr weg, es wechselt nur die Form.

Deshalb ist Recycling-Gold ein relevanter Teil des gesamten Weltmarktangebots. Neben der jährlichen Goldförderung stammen bis zu fast einem Viertel des verfügbaren Goldangebots pro Jahr aus Recycling-Gold. Im Jahr 2022 lag dieser Anteil weltweit bei 1'144 Tonnen. 

Seit Menschen Gold suchen und finden, wurden auf der ganzen Welt bisher um die 200'000 Tonnen Gold gefördert. Diese gewaltige Menge bleibt erhalten und verschwindet nicht mehr. Abgesehen von versunkenen Schätzen, die nicht mehr direkt erreichbar sind, bleibt diese Gesamtmenge verfügbar und wächst jährlich um rund 3'500 Tonnen, die neu geördert werden.

Der Nachhaltigkeits-Aspekt von Altgold

Die Förderung von Gold wird immer anspruchsvoller, aufwendiger und kapitalintensiver. Das hängt, neben anderen Faktoren, auch damit zusammen, dass Staaten und Kommunen zunehmend nachhaltige und innovative Verfahren des Abbaus fordern, damit umweltschonend operiert werden kann.

Dennoch hat der Goldabbau Auswirkungen auf Natur, Landschaft und Umwelt, weil Goldminen Raum und Ressourcen beanspruchen. Für die Mine selbst, für Zufahrtsstrassen, Siedlungen und mehr. Zudem erfolgen Goldabbau und Goldproduktion mit schwerem Gerät und in grossen Anlagen.

Die Auflagen und Vorschriften für Goldminen sind inzwischen hoch, dennoch verbessert Altgold die Nachhaltigkeits-Bilanz von Gold insgesamt erheblich. Bei den Prozessen des Goldrecyclings fallen rund 90 Prozent weniger CO2-Emissionen an als bei der Goldförderung. 

Auch die (europäischen) Scheideanstalten unterliegen strengen Anforderungen und Auflagen. Die unbeschränkte Lebensdauer von Gold und sinkende Quoten der Goldförderung beeinflussen die Umweltbilanz des gelben Edelmetalls deshalb langfristig positiv.

Altgold wird zu Cash

Viele Familien und Privatpersonen besitzen alten Schmuck, den niemand mehr tragen mag. Das sind schlummernde Altgold-Schätze, die vermehrt zu Geld gemacht werden. Eine repräsentative Umfrage der Universität St. Gallen (HSG) im Auftrag des Edelmetallhändlers Philoro liefert bemerkenswerte Einblicke. Diese aktuelle Studie ist zudem eine Premiere – es ist das erste Mal, dass in der Schweiz das Thema "Altgold" empirisch analysiert wurde.

Am Beispiel der Schweiz und in einem Satz: Schweizerinnen und Schweizer sitzen auf Bergen von Altgold in Form von Schmuck – und sie machen ihr Gold zu Geld. Mit 319 Tonnen Gold in Form von Schmuckstücken besitzen die Schweizer so viel Altgold, wie ein Jumbo-Jet im Landeanflug auf die Waage bringt.

Zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung (66%) besitzen Schmuckstücke aus dem gelben Edelmetall, der Besitz pro Kopf liegt durchschnittlich bei 7.1 Schmuckstücken. Damit hüten die Besitzerinnen und Besitzer einen Goldschatz im Wert von über 17.2 Milliarden Franken.

Eine knappe Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer (52%) hat in der Vergangenheit schon mindestens einmal Goldschmuck verkauft. Unter den Gründen für den Verkauf steht "schnelles Geld" an erster Stelle. Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Entscheidung zum Altgold-Verkauf durch die Inflation und durch den Druck höherer Lebenshaltungskosten beeinflusst wird. «Es ist anzunehmen, dass die gegenwärtige wahrgenommenen Inflation eine Auswirkung auf die Absichten für den Verkauf von Altgold hat», sagt Professor Sven Reinecke von der Universität St. Gallen. 

Was beim Verkauf von Altgold beachtet werden sollte

Wer dem erstbesten fliegenden Händler sein Altgold anvertraut, wird seine Schätze ziemlich sicher unter Wert verkaufen. Verteilte Flyer von Goldankäufern ohne Adresse und Geschäftslokal – Treffpunkt im Saal des Quartierrestaunts um die Ecke – sind Hinweise darauf, dass nach einem schnellen Verkauf möglicherweise kein Partner für Reklamationen erreichbar sein wird.

Wichtig ist die Wahl eines seriösen Goldankäufers, der mit modernen Methoden arbeitet. Altgold hat denselben Wert wie neues Gold, und dieser Wert richtet sich nach dem aktuellen Tageskurs. Um vage Schätzungen durch harte Fakten zu ersetzen, müssen die Zusammensetzung der Gold- oder Edelmetall-Legierung sowie Feingehalt und Gewicht bekannt sein

Im Zentrum steht der Feingehalt, der als Punze auf Schmuckstücken angegeben ist – zum Beispiel 750er-Gold – oder dann ermittelt werden muss. Schätzungen eines Händlers aus dem Bauch heraus und vom blossen Ansehen des Schmucks, taugen nichts. Das Wägen der Schuckstücke oder der Säuretest sind die seit Jahrhunderten schon bekannten Methoden der Analyse, die auch heute noch bevorzugt eingesetzt werden. Diese Methoden folgen jedoch Standards der Antike und sind deshalb auch nicht wirklich präzise, weil sie zusätzliche Faktoren ausser Acht lassen.

Mit modernen Methoden, insbesondere der Röntgenfluoreszenz-Analyse (RFA), werden nicht nur die Goldanteile, sondern auch mögliche Anteile von Silber, Platin oder Palladium ermittelt. Diese Anteile können beträchtliche Unterschiede im Ankaufspreis ausmachen. Mit dem Einsatz von RFA-Geräten gehören abenteuerliche Schätzungen der Vergangenheit an, der Wert von Schmuckstücken kann aufgrund von Fakten sehr genau und präsise festgelegt werden.

Erste Hinweise zum Wert vom Schmuckstücken können Altgold-Rechner bei seriösen Anbietern liefern, zum Beispiel hier. Sie ersetzen jedoch nicht die notwendige Analyse mit modernen Geräten. 

Warum die Bedeutung von Altgold zunehmen wird

Gold bleibt eine beschränkte Ressource. Die Frage, wie viel neu gefördertes Gold zu den bisher insgesamt schon vorhandenen rund 200'000 Tonnen dazukommen wird, kann nicht genau beantwortet werden.

Die gute Nachricht: Verteilt auf dem Planeten ist die Menge an noch nicht gefördertem Gold nicht so klein und endlich, wie man denken könnte. Je nachdem, welcher Schätzung man glauben will, lagern bis zu 30 Milliarden Tonnen Gold in der Erdkruste. Weitere Goldvorkommen schlummern in den Weltmeeren.

Die schlechte Nachricht: Längst nicht alle Goldvorräte sind erreichbar und dadurch abbaubar. Oder die Konzentration ist zu gering und die Gewinnung ist deshalb viel zu aufwendig und wirtschaftlich nicht lohnenswert.

Unterschiedliche Schätzungen gehen davon aus, dass die heute bekannten und abbaubaren Goldvorkommen in der Grössenordnung zwischen 25'000 und rund 50'000 Tonnen liegen. Diese Werte sind weder hochpräzise noch final, vermitteln jedoch den Eindruck aus heutiger Sicht, dass neues Gold nicht unbeschränkt zur Verfügung stehen wird.

Liegt bereits heute die Recycling-Quote bei knapp 25 Prozent des jährlichen Goldbedarfs, wird sich diese Quote im Laufe der Zeit wahrscheinlich erhöhen. Deshalb ist und bleibt Altgold eine wichtige Ressource.


Eine Serie über Gold

Kapitel 1 – Die bewegte Geschichte des Goldes
Es begann mit einem Knall: Nach der Supernova kam das Gold auf die Erde

Kapitel 2 – Wird der Weltspartag zum Goldspartag?
Zum Weltspartag: Ist Gold auch eine Alternative für Kleinsparer?

Kapitel 3 – Goldvorkommen und Goldförderung
Wo liegen die grössten Goldvorkommen – und wie wird Gold heute gefördert?

Kapitel 4 – Gold in Zahlen
Überraschende Zahlen, Fakten und Geschichten zu einem faszinierenden Edelmetall

Kapitel 5 – Sonja Nef über Goldmedaillen und emotionale Momente
Ski-Legende Sonja Nef: «Die Beste zu sein, hat für mich auch zu tun mit Gold»

Kapitel 6 – Gold als Wertspeicher
Die wirtschaftliche und die gesellschaftliche Bedeutung von Gold

Kapitel 7 – Die Bedeutung von Altgold
Welche Rolle spielt Altgold im Kontext der weltweiten Förderung von neuem Gold?​​​​​​​


Co-Autor: Christian Brenner

Um eine Serie über Gold zu produzieren, haben wir uns mit einem Experten zusammengesetzt, der alles über Edelmetalle weiss, insbesondere über Gold.

Christian Brenner ist ein ausgewiesener Profi und Goldhändler aus Leidenschaft. Er weiss um die Wege des Goldes – von der Förderung aus den Tiefen der Erde bis zum Barren im Tresor. Als Präsident des Verwaltungsrates der Philoro Schweiz kennt er die Märkte – und vor allem auch Historisches und Gegenwärtiges ausserhalb der Märkte.

Christian Brenner hat unsere Redaktion aktiv dabei unterstützt, die relevanten Aspekte rund um Gold aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und auszuleuchten.