Eine Serie über Gold

Gold in Zahlen: Überraschende Zahlen, Fakten und Geschichten zu einem faszinierenden Edelmetall

Goldmine in Australien
Bild: Taras Vyshnya | Shutterstock

Die Faszination von Gold lässt sich nicht allein in Zahlen fassen, aber immerhin: hinter erstaunlichen Zahlen stehen ebenso bemerkenswerte Geschichten.

Im vierten Kapitel unserer Serie über Gold vermessen und erklären wir die Faszination eines Edelmetalls, das seit Anbeginn der Zeit Geschichte schreibt, in Zahlen. Tauchen Sie ein in eine Goldreise, die Sie überraschen wird – das gelb glänzende Edelmetall kann mit interessanten Destinationen und eindrücklichen Zahlen aufwarten.

Wie gross ist das grösste Goldnugget der Welt?

Gut 150 Jahre lang lag "Welcome Stranger" unangefochten an der Spitze. Auf diesen Namen wurde das 72 Kilogramm schwere Nugget getauft, das 1869 in Moliagul (Australien) von Richard Oates und John Deason gefunden wurde. Das Nugget lag nur drei Zentimeter unter der Erde und wurde von den beiden Entdeckern mit Spitzhacke und Brecheisen zutage gefördert. 

Eineinhalb Jahrhunderte später musste "Welcome Stranger" seinen Spitzenplatz abgeben. Ein Angestellter der Royal Nickel Coporation, ebenfalls in Australien, war 2018 auf der Suche nach Nickelvorkommen – und kam mit Gold nach Hause: Henry Dole entdeckte in der Beta-Hunt-Mine ein fast 90 Kilogramm schweres Goldnugget. Zu schwer für einen allein, drei Männer schleppten das bisher grösste Nugget der Welt aus der Mine.

Welche Länder besitzen die grössten Goldreserven?

Stand November 2022 halten die USA mit 8'133 Tonnen die grössten Goldreserven. Danach folgen drei europäische Länder: Deutschland mit 3'355 Tonnen, Italien mit 2'452 Tonnen und Frankreich mit 2'437 Tonnen.

Die Plätze 5 und 6 in der Weltrangliste belegen Russland mit 2'298 Tonnen und China hält 1'948 Tonnen Gold.

Die Schweiz rangiert auf Position 7 weltweit und ist die Nummer 4 in Europa, was Goldreserven angeht: 1'040 Tonnen Gold sind im Besitz der Schweiz.

Haben Zentralbanken ihre Liebe zu Gold neu entdeckt?

Diese Liebe war immer schon vorhanden, aber aktuell scheint Gold bei den Zentralbanken besonders hoch im Kurs zu sehen. Im laufenden Jahr kauften Zentralbanken bisher 670 Tonnen Gold. Das zeigen die aktuellen Statistiken des World Gold Council. Allein im dritten Quartal 2022 haben sie 399 Tonnen Gold gebunkert. Im gesamten Jahr liegen die Goldkäufe von Zentralbanken damit so hoch wie seit 1967 nicht mehr.

Wie viel Gold ist bis heute weltweit gefördert worden?

Diese Frage wird vom World Gold Council plakativ in Form eines wachsenden Goldwürfels beantwortet. Dieser Würfel beinhaltet symbolisch die gesamte Menge an Gold, die jemals auf unserem Planeten gefördert worden ist und heute als Münzen, Goldbarren, Schmuck, als Werkstoff in industriellen Anwendungen oder in einer ganz anderen Form vorhanden ist.

Das zusammengezählte und nachgeführte Ergebnis lässt den exemplarisch dargestellten Würfel jedes Jahr ein bisschen grösser werden. Welche Dimensionen hat der Würfel heute? Wer an den Kölner Dom oder an den Pariser Eiffelturm denkt, greift zu hoch – Gold ist ein Schwermetall mit hoher Dichte. Deshalb hätte die bisher geförderte Menge von rund 210'000 Tonnen Gold in einem Lagerhaus von überschaubarer Grösse Platz.

Ende 2021 hatte der Würfel in seinen Kantenlängen eine Dimension von nur gerade knapp 22 Meter in der Breite, Tiefe und Höhe – mehr braucht's nicht, um das gesamte bisher gefördete Gold dieser Welt einzupacken.

Wann erreichte Gold sein bisheriges Allzeithoch?

Wir müssen nicht lange zurückblättern. Gold erreichte das bisherige Allzeithoch im ersten Quartal 2022: die Feinunze Gold notierte am 8. März 2022 im Tagesverlauf bei CHF 1'923.77 (Feinunze = 31.103 Gramm).

Wie überbrückt eine Unze Gold die Distanz zwischen Zürich und St. Gallen?

Gold gehört zu den dehnbarsten Elementen auf der Erde. Aus einem Gramm Feingold lässt sich ein hauchdünner Draht mit einer Länge von 3 Kilometern produzieren. Eine Unze Feingold (31.103 Gramm) ergibt einen Goldfaden, mit dem locker die Städte Zürich und St. Gallen verbunden werden könnten.

Soll's kein Faden sein, geht Gold auch in die Breite: ein einziges Gramm Gold kann zu eine Fläche von knapp 9 Quadratmetern Blattgold gehämmert werden.

Wie viel Gold wird jährlich abgebaut und gefördert?

Die Mengen an gefördertem Gold variieren von Jahr zu Jahr. Nach Angaben des World Gold Council lag die Goldförderung sämtlicher Goldminen weltweit 2021 bei rund 3'570 Tonnen. Dazu kommen jährlich über 1'000 Tonnen Recycling-Gold, also bereits bestehendes Altgold aus verschiedenen Bereichen. Zusammengenommen ist 2021 mit 4'683 Tonnen die weltweite Nachfrage nach Gold gedeckt worden.

Welche Länder fördern am meisten Gold?

Nach aktuellen Erhebungen (Juni 2022) verteidigt China auch 2021 mit 332 Tonnen den Spitzenplatz der Goldförder-Staaten. Gefolgt von Russland mit 330 Tonnen, Australien mit 315 Tonnen sowie Kanada mit 193 und die USA mit 187 Tonnen. Europa spielt praktisch keine Rolle bei der Goldförderung. 

Was geschieht mit dem geförderten Gold?

46 Prozent der verfügbaren Mengen werden zu Schmuck verarbeitet und 22 Prozent sind Anlageprodukten für private Investments vorbehalten. Weitere 17 Prozent beanspruchen Zentralbanken und 15 Prozent werden in den Bereichen Industrie und Technik verwendet.

Warum wird die Goldförderung immer teurer und anspruchsvoller?

1. Es dauert Jahre, bis eine neue Goldmine in Produktion gehen kann
"Ruck zuck, zack zack" ist längst Geschichte. Aufgrund hoher Anforderungen, gesetzlicher Vorschriften und ESG-Nachhaltigkeits-Auflagen vergehen heute 10 bis 15 Jahre von der Exploration bis zur Förderung der ersten Unze Gold.

2. Die Investitionen für eine Goldmine sind gigantisch
Für den Bau einer Goldmine sind Investitionen im Umfang von 500 Millionen bis zu 1 Milliarde US-Dollar notwendig.

3. Die Ausbeute wird immer geringer
Waren vor 50 Jahren 15 Gramm Gold pro Tonne Gestein die Regel, waren es vor 10 Jahren nur noch 8 Gramm – heute liegt die Ausbeute bei 0.5 bis 1 Gramm, die aus einer Tonne Gestein gelöst werden können.

Warum ist das so?
Die relativ leicht erreichbaren Goldvorkommen sind weitgehend ausgeschöpft. Zu Zeiten der goldsuchenden Pioniere standen sekundäre Lagerstätten im Vordergrund: Gold wurde in Flüssen gewaschen, das Edelmetall hatte sich bereits aus dem Gestein gelöst. Heute muss in primären Lagerstätten immer tiefer gegraben werden und Gold muss in aufwendigen Prozessen aus dem Gestein extrahiert werden.

Sind 3'570 Tonnen gefördertes Gold pro Jahr viel oder wenig?

Der Vergleich mit anderen Edelmetallen zeigt, dass Gold eine beschränkte Ressource bleibt. Silber beispielsweise wird in der Grössenordnung von 24'000 Tonnen jährlich abgebaut. 

Die Plattform "Visual Capitalist" hat eine interessante grafische Übersicht kreiert und die gigantische Menge von 2.6 Milliarden Tonnen Eisenerz, abgebaut 2021, allen anderen Metallen und Edelmetallen gegenübergestellt. Spannende Details zur Grafik "All the Metals we Mined" gibt's hier zu lesen.

Die Grafik zeigt die Grössenverhältnisse auf einen Blick: mit 2.6 Milliarden Tonnen steht Eisenerz an der Spitze. Die Gruppe der Industriemetalle wie Aluminium, Kupfer, Chrom und weitere bleibt mit einem Bruchteil von182 Millionen Tonnen im Vergleich überschaubar. Die 1.5 Millionen Tonnen der Gruppe Technologiewerkstoffe und Edelmetalle zeigt, welche Metalle rar sind und in vergleichsweise geringen Mengen abgebaut werden.

Wer bleibt durch den Besitz von Gold der reichste Mensch auf Erden?

Wer an Namen wie Elon Musk oder Jeff Bezos denkt, hat Mansa Musa nicht auf dem Radar. Der Herrscher des westafrikanischen Staates Mali setzte bereis vor 700 Jahren eine Marke, die seither niemand übertroffen hat.

Die riesigen Bodenschätze seines Landes, insbesondere Gold, machten Musa zum reichsten Menschen der Welt. Mit einem Goldbesitz in der Grössenordnung von mehreren tausend Tonnen war Mansa Musa nach heutigen Bewertungen im 14. Jahrhundert um die 400 Milliarden US-Dollar schwer – in dieser Liga spielt keiner der heute bekannten Milliardäre. 

Wie viel Gold besitzen Herr und Frau Schweizer?

Auch im Vermögen der Schweizer Bevölkerung spielt Gold eine wichtige Rolle. Nach der aktuellen Edelmetall-Studie der Universität St. Gallen und Philoro besitzt im Mittel jede Schweizerin und jeder Schweizer eine Tafel Schokolade aus purem Gold. Das ist kein Märchen der Schoggi-Fee, sondern mit exakt 94,7 Gramm die durchschnittliche Investition in Gold, welche Schweizerinnen und Schweizer getätigt haben.

Wie schwer ist die grösste Goldmünze der Welt?

Sie ist ein Unikat, hat in keinem Portemonnaie Platz und wurde 2011 von der australischen Münzprägeanstalt Perth Mint hergestelt: die Goldmünze Red Kangaroo.

Red Kangaroo hat einen Durchmesser von 80 cm und eine Dicke von 12 cm. Die gigantische 24-Karat-Münze mit einem Reinheitsgrad von 99.99 Prozent bringt stolze 1'000 Kilogramm auf die Waage. Eine ganze Tonne, mehr schafft keine Münze.

Die kleinere Schwester der Red Kangaroo ist in ihren Dimensionen mehr als erwachsen und gehört ebenfalls zu den Münzen mit gigantischen Ausmassen: die kanadische Big Maple Leaf. Sie ist 2007 in einer Auflage von sechs Münzen geprägt worden und mit einem Durchmesser von 53 cm, einer Dicke von 3 cm und einem Gewicht von 100 Kilogramm auch nicht als Zahlungsmittel für den Grosseinkauf mit der Familie am Samstag gedacht.

Mit ihrem Materialwert von aktuell um die 5.3 Millionen Schweizer Franken liesse sich der grosse Einkaufswagen sicher gut füllen, die notwendige Menge an Herausgeld könnte jedoch an der Supermarkt-Kasse Probleme schaffen. Dasselbe gilt für die Red Kangaroo, deren Materialwert heute bei rund 53 Millionen Schweizer Franken liegt.

Beide Supermünzen sind tatsächlich als offizielles Zahlungsmittel zugelassen, allerdings zu schlechten Konditionen. Der Nominalwert beider Münzen liegt sehr viel tiefer als der effektive Goldwert.


Eine Serie über Gold

Kapitel 1 – Die bewegte Geschichte des Goldes
Es begann mit einem Knall: Nach der Supernova kam das Gold auf die Erde

Kapitel 2 – Wird der Weltspartag zum Goldspartag?
Zum Weltspartag: Ist Gold auch eine Alternative für Kleinsparer?

Kapitel 3 – Goldvorkommen und Goldförderung
Wo liegen die grössten Goldvorkommen – und wie wird Gold heute gefördert?

Kapitel 4 – Gold in Zahlen
Überraschende Zahlen, Fakten und Geschichten zu einem faszinierenden Edelmetall

Kapitel 5 – Sonja Nef über Goldmedaillen und emotionale Momente
Ski-Legende Sonja Nef: «Die Beste zu sein, hat für mich auch zu tun mit Gold»


Co-Autor: Christian Brenner

Um eine Serie über Gold zu produzieren, haben wir uns mit einem Experten zusammengesetzt, der alles über Edelmetalle weiss, insbesondere über Gold.

Christian Brenner ist ein ausgewiesener Profi und Goldhändler aus Leidenschaft. Er weiss um die Wege des Goldes – von der Förderung aus den Tiefen der Erde bis zum Barren im Tresor. Als Präsident des Verwaltungsrates der Philoro Schweiz kennt er die Märkte – und vor allem auch Historisches und Gegenwärtiges ausserhalb der Märkte.

Christian Brenner hat unsere Redaktion aktiv dabei unterstützt, die relevanten Aspekte rund um Gold aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und auszuleuchten.