Die Neo-Bank N26 konnte gegenüber dem Erzrivalen Revolut in Deutschland jahrelang zwei Vorteile ausspielen. Zum einen war die Berliner Neo-Bank zwei Jahre früher im Markt (2013) und zum anderen bot N26 als deutsche Neo-Bank mehr "Heimatgefühl" und Sicherheit im Vergleich zur britischen Revolut.
Den Vorsprung der frühen Gründung hat N26 durch auferlegte Wachstumsbeschränkungen der BaFin verloren. Als N26 zweieinhalb Jahre lang pro Jahr nur 50'000 Kunden neu an Bord nehmen durfte, konnte Revolut ungehindert wachsen.
Zudem verfügt Revolut nun schon seit Jahren über eine litauische Banklizenz und will im laufenden Jahr zusätzlich in Frankreich eine zweite europäische Banklizenz beantragen.
Revolut und N26 in Zahlen
Die Neo-Bank N26 ist zurückhaltend und kommuniziert selten Kundenzahlen. Anfang 2025 brachte N26 rund 5 Millionen Kunden in 24 Ländern auf die Waage, etwa die Hälfte davon sind im Heimmarkt Deutschland zu Hause.
Die Challenger-Bank Revolut meldet aktuell 70 Millionen Kunden in 39 Ländern, 3 Millionen davon im Markt Deutschland.
Ältere Werte und aktuelle Zahlen sind nicht wirklich vergleichbar. Vor allem aber rechnen die beiden Kontrahenten anders. N26 weist "ertragsrelevante" Kunden aus – das sind aktive Nutzerinnen und Nutzer, die Umsätze generieren. Revolut weist Kunden aus, die den Onboarding-Prozess absolviert haben und über ein Konto verfügen. Ob mit oder ohne Umsatz bleibt offen.
Nach eigenen Aussagen legt N26 pro Monat mit bis zu 200'000 Kunden zu, Revolut schafft bis zu 1 Million. Auf welche Märkte sich diese Neuzugänge aufteilen, bleibt das Geheimnis der jeweiligen Neo-Banken.
Revolut dürfte jedoch auch in Deutschland dynamischer wachsen als N26. Hat die Challenger-Bank im Sommer 2025 die Marke von 2.5 Millionen in Deutschalnd gemeldet, sind nun bereits 3 Millionen Kunden an Bord.
Revolut greift in Deutschland nach der Krone
Die Challenger-Bank will sich in Deutschland als "verlässliche Alltagsbank für Millionen Menschen in Deutschland" etablieren. Revolut sieht sich auf gutem Weg und untermauert die positive Haltung mit einigen konkreten Zahlen:
Parallel zur steigenden Kundenzahl nimmt auch die Nutzung im Alltag deutlich zu: Das gesamte Transaktionsvolumen stieg auf Jahressicht um mehr als 67 Prozent. Besonders aussagekräftig, so Revolut, wäre dabei ein Blick auf die Ausgabenstruktur. Über 57 Prozent aller Kartenzahlungen entfielen auf Shopping, Lebensmittel, Restaurants und Transport.
In dieser Entwicklung sieht die Challenger-Bank den Beweis, dass Revolut von immer mehr Menschen in Deutschland als primäre Bank für den Alltag genutzt wird.
Revolut lässt sich die Neukundengewinnung auch einiges kosten und ist mit aggressiven Marketing-Kampagnen und Sponsoring in Deutschland unterwegs, um Sichtbarkeit und Bekanntheit zu steigern.
N26 ist in diesen Tagen noch eher stark mit sich selbst beschäftigt. Die BaFin hat erneut Mängel im Risikomanagement der Neo-Bank aufgedeckt, was letztendlich auf Druck der Investoren zum Abgang der beiden Gründer geführt hat.
Fazit: Revolut ist aggressiv und dynamisch in Deutschland am Ball. N26 ist erst dabei, sich personell und strukturell neu zu organisieren und aufzustellen. Ob der bisherige UBS-Spitzenmann Mike Dargan ab April 2026 als neuer CEO bei N26 Wachstumswunder bewirken kann, wird sich erst zeigen.