Expansion SIX

SIX steigt in den Ring und will die spanische Börse übernehmen

Romeo Lacher, Verwaltungsratspräsident SIX
Romeo Lacher, Verwaltungsratspräsident SIX

Die Schweizer Börse SIX will den Betreiber des spanischen Handelsplatzes für 2,8 Milliarden Euro kaufen und damit zum drittgrössten Börsenbetreiber Europas aufsteigen.

SIX Group AG, Betreiberin der Schweizer Finanzmarktinfrastruktur, will ein Barangebot für die spanische Börsen- und Finanzmarktinfrastrukturgruppe Bolsas y Mercados Españoles (BME) platzieren und dadurch zum drittgrössten europäischen Finanzmarkt-Infrastrukturanbieter werden.

Was der Deal nach Lesart von SIX bewirken kann

Aus dem Zusammenschluss von SIX und der Madrider Börse BME, beides führende Anbieter in ihren Heimmärkten, würde eine diversifizierte Gruppe mit einer starken Präsenz in Europa entstehen. Gleichzeitig stellt die vorgeschlagene Transaktion nach Ansicht von SIX ein attraktives Angebot für die Aktionäre von BME dar.

SIX ist überzeugt, dass die Transaktion zu einer Stärkung sowohl der spanischen als auch der schweizerischen Finanzmarktinfrastruktur beitragen wird, indem Kompetenzzentren geschaffen und den Marktteilnehmern beider Unternehmen zusätzliche Dienstleistungen angeboten werden können. Dabei wird Spanien attraktiver für neue globale Kapitalpools und Schweizer Asset Manager erhalten erweiterte Möglichkeiten in Europa.

Das Angebot

Der Angebotspreis je Aktie von BME beträgt 34 Euro. Entsprechend beläuft sich der von SIX zu bezahlende Höchstbetrag auf 2,843 Millionen Euro. Der Angebotspreis soll vollständig in bar beglichen werden.

Der Antrag auf Genehmigung des Angebots, einschliesslich des Prospekts, wurde heute bei der spanischen Aufsichtsbehörde CNMV eingereicht. Die Durchführung des Angebots und der Abschluss der Transaktion werden nach Erhalt der entsprechenden Genehmigungen im ersten Halbjahr 2020 erwartet.

Romeo Lacher, Verwaltungsratspräsident SIX, zum geplanten Deal:

Ein Zusammenschluss mit BME würde den Stakeholdern beider unserer Unternehmen direkte und unmittelbare Vorteile bringen – dies in einer Zeit, in der sich die Konsolidierung der globalen Finanzmarktinfrastrukturen weiter beschleunigt

Lacher weiter zum Thema:

«Die vorgeschlagene Transaktion ist im Einklang mit der Wachstumsstrategie von SIX sowie mit unserer Kernaufgabe, Kunden mit hochzuverlässigen Infrastrukturdienstleistungen zu versorgen und optimalen Zugang zu Kapitalmärkten zu gewährleisten.»

Die Finanzierung

Nach Angaben von SIX kann das Unternehmen die Transaktion, sofern sie im vorgesehen Rahmen zustande kommt, auf folgende Weise stemmen:

SIX hat eine starke Kapitalbasis, ist von Standard & Poor’s mit einem A+-Rating eingestuft und verfügt über ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten sowie volle Bankunterstützung, um die vorgeschlagene Transaktion in bar zu finanzieren. Zudem soll mit der vorgesehenen Finanzierung auch die neu zusammengeführte Gruppe ein starkes Investment-Grade-Rating aufweisen.

Credit Suisse stellt SIX eine vollständig garantierte Bridge Facility für den Finanzierungsbedarf der geplanten Transaktion zur Verfügung (unter Annahme einer Andienungsquote von 100%). Diese soll durch einen optimalen Mix aus vorhandenen Ressourcen und langfristigem Fremdkapital refinanziert werden.

SIX hat sich kürzlich die Monetarisierung eines Teils ihrer Beteiligung an Worldline im Wert von rund 500 Millionen Euro über eine Equity-Collar-Transaktion gesichert und verfügt über erhebliche liquide Mittel in der Bilanz sowie ausreichende ungenutzte Fremdkapitalfinanzierungskapazitäten.

SIX wird bei der Transaktion von Credit Suisse und Alantra (Joint Financial Advisors) sowie von Linklaters (Legal Advisor) beraten.

Jos Dijsselhof, CEO SIX, zum geplanten Deal:

BME kann von der Expertise von SIX entlang der gesamten Wertschöpfungskette profitieren und erhält die Möglichkeit, EU-Hub für den grössten Vermögenspool der Welt zu werden

Dijsselhof weiter zum Thema: 

«Weiter erhält sie Zugang zu unseren attraktiven Dienstleistungen im Bereich Finanzinformationen, unserer Distributed-Ledger-Technologie und unserer globalen Reichweite. Dabei soll BME auch in Zukunft mit ihrem Management-Team eigenständig operieren und bleibt von der CNMV reguliert.

Mit unseren kombinierten Grössen- bzw. Effizienzvorteilen bei Technologie- und Wertschriften-Dienstleistungen, mit der Schaffung von Kompetenzzentren sowie mit einer sich ergänzenden Produktpalette ergibt sich ein sehr überzeugendes Leistungsversprechen. Wir werden in beide Unternehmen weiter investieren und können eine sehr starke Plattform für den Wettbewerb und die Innovation im globalen Marktinfrastruktursektor aufbauen.»

Jos Dijsselhof, CEO SIX
Jos Dijsselhof, CEO SIX

SIX ist nicht ganz alleine

Die Mehrländerbörse Euronext, welche Börsen in Amsterdam, Brüssel, Dublin, Lissabon und Paris betreibt, steht mit im Ring und zeigt ebenfalls Interesse. Euronext hat bestätigt, ebenfalls im Gespräch mit BME zu sein und eventuell ein Angebot vorlegen zu wollen.

Die nächsten Tage werden zeigen, ob sich zwischen SIX und Euronet ein Bieterkampf entwickelt.

Spielt auch die Börsenäquivalenz eine Rolle?

Bekanntlich hat der Liebesentzug der EU gegenüber der Schweiz im Zusammenhang mit dem Rahmenabkommen die EU-Kommission dazu verführt, die Börsenäquivalenz für die Schweiz nicht zu verlängern, wir haben mehrmals berichtet.

Der «Warnschuss vor den Bug», den die Schweiz nach Ansicht von EU-Kommissar Johannes Hahn "wohl bräuchte", hat bisher nicht die gewünschte Wirkung gebracht. Die am 30. Juni 2019 ausgelaufene Börsenäquivalenz hat der Schweiz nicht geschadet und der EU weder eine Beschleunigung noch eine Unterzeichnung des Rahmenabkommens gebracht. 

Mit Häme "Dumm gelaufen" zu sagen, wäre in einer ähnlich hilflosen Dimension angesiedelt, wie die ungerechtgertigte, wenig durchdachte und etwas peinliche Strafaktion der EU-Kommission. Auf Dauer ist das kein Zustand, wenn ein Land wie die Schweiz und ein wichtiger Börsenplatz ohne Anerkennung der Börsenäquivalenz auskommen muss.

Naheliegend deshalb die Überlegung, ob der geplante Deal der SIX auch etwas mit diesem Thema zu tun haben könnte. Mit dem Kauf der Madrider Börse hätte SIX eine EU-Börse in ihrem Portfolio.

SIX-CEO Jos Dijsselhof verneint in einer Konferenz am Montag einen direkten Zusammenhang, die geplante Fusion sei kein Akt, um diese Sperre zu umgehen. Im Vordergund stünden Wachstums-Überlegungen. Konkret die Chancen, gemeinsam mit der BME die jeweiligen Märkte Schweiz und EU zu bedienen sowie auch die Möglichkeit, in Schwellenländern verstärkt aktiv zu werden.

Ganz weggewischt ist die Überlegung damit nicht. Im August gab ein SIX-Sprecher gegenüber AWP zu Protokoll, dass SIX keinen Bedarf sehe, eine EU-Börse zu kaufen. Dies nachdem Bloomberg aus der Quelle von "gut informierten Kreisen" zu berichten wusste, dass SIX mit genau diesem Gedanken spielen würde, sollte die EU-Kommission der Scheiz auf Dauer die Börsenäquivalenz verweigern.

Nun möchte die SIX, entgegen den geäusserten Absichten im August, dennoch eine EU-Börse kaufen. Mit diesem Schritt würde SIX einen starken Fuss in den EU-Raum stellen, was auch in Bezug auf die Börsenäquivalenz zu durchaus erwünschten Nebeneffekten führen dürfte.