Nun muss die Schweizerische Nationalbank (SNB) zwingend immer Bargeld in Schweizer Franken anbieten. So wurde das am letzten Wochenende an den Urnen entschieden. Pflicht der Versorgung von Bargeld wird somit in die Schweizer Verfassung geschrieben. Aber was heisst das? Kurzfristig ändert sich nicht viel, aber langfristig bedeutet das, dass die Bargeldversorgung in der Schweiz per Verfassung gesichert ist.
Überraschende Kehrtwende in Schweden
Eine bemerkenswerte Nachricht kommt fast zeitgleich aus Schweden, welche in eine ähnliche Richtung zeigt.
Die schwedische Zentralbank, die Riksbank, hat überraschend eine Empfehlung ausgesprochen. Diese lautet, die Bürger sollen Bargeld zu Hause aufbewahren, um sich vor dem Risiko eines Krieges oder anderer Krisen zu schützen. Diese Empfehlung markiert eine interessante Wende in einem Land, das schon lange als Vorreiter der bargeldlosen Gesellschaft gilt.
Für Fachleute im Banking- und Tech-Sektor wirft das Fragen auf: Ist die vollständige Digitalisierung wirklich so robust, wie wir dachten? Und welche Implikationen hat das für Zahlungssysteme weltweit?
Schweden steht an der Spitze der digitalen Transformation im Zahlungsverkehr. Nur jeder zehnte Einkauf in Geschäften wird noch bar bezahlt, 90 Prozent werden über digitale Zahl-Instrumente abgewickelt. Der Rückgang ist dramatisch: 2010 lag der Anteil der Barzahlungen in Schweden noch bei 40 Prozent, heute sind es nur noch 10 Prozent.
Auch die Abhebungen an Geldautomaten sinken kontinuierlich. Lange wurde Schweden, so wie auch Norwegen, als Modell für hochentwickelte Gesellschaften gepriesen. Als zivilisierte, wohlhabende Nationen, die das "Relikt" Bargeld hinter sich lassen.
Viele Schweden kennen physisches Geld gar nicht mehr und verlassen sich ausschliesslich auf Apps, Karten und Mobile Payments. Warum also nicht auch bei uns dem schwedischen Vorbild folgen?
Die Realität sieht offenbar anders aus oder sie präsentiert sich neu. In einer aktuellen Pressemitteilung warnt die Riksbank vor Vulnerabilitäten im hochdigitalisierten System. Die internationale geopolitische Lage, gepaart mit Schwedens Abhängigkeit von Technologie, könnte Störungen im Zahlungsverkehr verursachen. Daher rät die Bank, verschiedene Zahlungsmethoden wie Bargeld, Karten und mobile Dienste bereitzuhalten. Das steigere die Resilienz bei temporären Ausfällen, in Krisen oder im Extremfall Krieg.
Konkret: Jeder Haushalt sollte mindestens 1'000 schwedische Kronen (etwa 84 Franken) pro Erwachsenen in bar aufbewahren, als Reserve für eine Woche essenzieller Einkäufe. Je nach Haushaltsgrösse und Bedürfnissen mehr oder weniger, idealerweise in unterschiedlichen Scheinen.
Ein Paradigmenwechsel
Zudem, empfiehlt die Riksbank, soll Bargeld generell regelmässig genutzt werden, um Kassensysteme in Geschäften am Laufen zu halten. Diese Empfehlung läuter einen krassen Paradigmenwechsel ein.
Bis vor kurzem galt Bargeld in Schweden als unnötig und überflüssig, ein Relikt aus analogen Zeiten. Nun fordert die Riksbank die Wiederbelebung. In einem Vier-Personen-Haushalt bedeutet das mindestens 4'000 schwedische Kronen (ca. 336 Franken) unverzinst unter der Matratze für Notfälle zu halten. Der Grund dieser Empfehlung: Wenn Bargeld komplett verschwindet, fehlt die Infrastruktur in Krisen. Das bedeutet, dass Geschäfte und Bürger nicht vorbereitet wären.
Logisch betrachtet macht das Sinn. Kein Zahlungsmittel ist universell überlegen gegenüber den anderen. Digitale Systeme glänzen im Alltag, scheitern aber bei Ausfällen, wie der grosse Blackout aufgrund von wetterbedingter Stromproduktion in Spanien vor einem Jahr aufzeigte. Fast alle digitalen Payments waren lahmgelegt.
Diversifikation auch bei alternativen Zahlungsmitteln?
Auch hier ist Diversifikation möglicherweise der Schlüssel. Bargeld halten ist das eine, die Optionen erweitern auf Alternativen wie zum Beispiel Gold, Silber oder Bitcoin dann das andere.
Mit Bargeld umgeht man Bankintermediäre, mit Bitcoin staatliche Kontrollen. In Extremsituationen wird bevorzugt Bitcoinverwendet, zum Beispiel bei der Flucht aus Konfliktzonen. Bitcoin wird als Vermögen unsichtbar über Grenzen transportiert, oftmals via Cold Wallets wie zum Beispiel Ledger, Trezor oder BitBox.
Bitcoin wie auch Gold eignen sich gut auch für die Wertaufbewahrung, wobei Gold als Wertspeicher eine längere Geschichte vorweisen kann. Jedoch bei der Lagerung sowie auch beim Transport, insbesondere über Staatsgrenzen hinweg, weisen Gold und Silber massive Nachteile auf.
Bargeld bedeutet auch Freiheit und Unabhängigkeit
Woher rührt die jahrelange Obsession verschiedener Obrigkeiten, das Bargeld sukzessive abschaffen zu wollen? Vermutlich nicht aus menschenfreundlichen Gründen. Wenn man Menschen die Optionen eliminieren will, schränkt man auch ihre Autonomie ein und ihr Verhalten lässt sich besser kontrollieren.
Zugegeben, Bargeld ist nicht immer besser als digitales Geld, Letzteres hat starke Vorteile in Effizienz und Komfort. Viele nutzen es täglich, und das ist legitim. Doch die Verteidigung des Bargeldes bedeutet, die Wahlfreiheit zu bewahren. Sei das für diese zehn Prozent in Schweden, die im Normalfall Cash bevorzugen, aber auch für alle anderen in Krisenzeiten, in denen Bargeld die beste Option sein könnte, bevorzugt in Kombination mit Gold, Silber und Bitcoin.
Regierungen, die zu sehr auf die Abschaffung des Bargelds hinwirken, machen dadurch ihre Agenda sichtbar. Sie forcieren intellektuell und politisch die Abschaffung der monetären Freiheit ihrer Bürger. Münzen und Noten wirken als Gegenpol zur staatlichen Allmacht – und das soll so bleiben. Cash ist "gedruckte und geprägte Freiheit" und widersteht auch der Erosion durch dieses Unding, genannt Negativzinsen der Zentralbanken.
Für Politiker können die Vorteile verführerisch sein, Bürger monetär zu entwaffnen und dadurch gläsern und kontrollierbar zu machen. Im Zentrum und im Interesse aller sollte jedoch stehen, die Bevölkerung für Ausnahmezustände wie Stromausfälle oder Krieg mit Bargeld zu bewaffnen.
Pressemitteilungen wie jene der Riksbank, immerhin der ältesten Zentralbank der Welt, bestätigt auch die letzten Sonntag dokumentierte Haltung der Schweizer Stimmbevölkerung. Sie hat entschieden, das Bargeld auf Verfassungsstufe aufzuwerten.
Auch bei normalen Retailbanken, im Handel sowie im Tech-Umfeld sollten die Widerstandsfähigkeit priorisiert, Diversifikation gefördert und digitale Utopien, wie zum Beispiel CBDCs, aktuell der digitale Euro, kritisch hinterfragt werden.
Die Zukunft des Geldes liegt in der Balance, nicht im Extrem.