Challenger-Banken

Das Preismodell der Neo-Bank Yapeal: Zwischen "Private" und "Let's stick together"-Angebot

Junge Frau mit Wollmütze
Bild: Yapeal

Auf den ersten Blick sind die Konto-Angebote von Yapeal im Pricing so ausgelegt wie erwartet – auf den zweiten Blick sind sie es nicht.

Als die Neo-Bank im Juli 2020 gestartet ist, hat sie ihren Kunden ein faires und moderates Preismodell versprochen, wir haben berichtet. In den Einführungsmonaten zwischen Start und Ende Jahr dürfen und durften Kunden wählen: Jeder Kunde und jede Kundin entscheidet für sich, was ihm oder ihr die Nutzung des aktuellen Leistungspaketes wert ist und mit welchem Betrag die Nutzer monatlich Yapeal in der Startphase unterstützen möchten. Zwischen "Null" und "Grosszügig" ist alles möglich.

Ab Januar 2021 gilt das inzwischen definierte Pricing, das Yapeal aktuell kommuniziert hat.

Die Konto-Angebote von Yapeal

Die Neo-Bank bietet mit "Private" und "Private+" zwei kostenpflichtige Konto-Varianten und als Special ein Loyalty-Konto an.

Zu allen drei Kontotypen gehören das Wallet-Konto, eine personalisierte IBAN, die Visa Debitkarte, die Nutzung von Apple Pay, Google Pay und Samsung Pay sowie die P2P-Funktion (Yapster-2-Yapster-Zahlungen) und natürlich das Schweizer Konto. Das sind die Leistungen, die in etwa mit den Basisleistungen von Revolut vergleichbar sind, Specials ausgenommen.

Beim Bezahlen mit der Karte im Ausland oder in der Schweiz mit Fremdwährungen werden die Visa-Referenzkurse zugrundegelegt, Wechselkursaufschläge und sonstige Gebühren fallen nicht an. Bargeldbezüge im In- und Ausland sind natürlich bei allen drei Varianten möglich, Unterschiede gibt's bei den Gebühren.

Ebenfalls bei allen drei Konto-Varianten werden Minuszinsen von 0.8 Prozent belastet, ab CHF 25'000.– bei den kostenpflichtigen Varianten bzw. bereits ab CHF 10'000.– beim Loyalty-Konto (0.75 Prozent SNB + 0.05 Prozent Yapeal). Diese eher tiefgelegte Schwelle zeigt, dass Yapeal vorderhand als Lohn- und Alltagskonto ausgelegt ist, ohne Ambitionen in Richtung Sparen oder Geldanlagen. Letzteres ist aufgrund der Regulierung bei der FinTech-Lizenz auch gar nicht möglich.

Konto Private für CHF 4.90 pro Monat

Bei dieser Konto-Variante sind, neben der Nutzung der Debitkarte, auch die Kontofunktionen rund um den Zahlungsverkehr ausserhalb der Karte möglich, also Inlandzahlungen mit Einzahlungsschein und ESR, QR Bill und eBill. Die Kosten für die Erstkarte sind inklusive, eine Ersatzkarte kostet CHF 20.–, Bargeldbezüge in der Schweiz CHF 2.–, in Euro CHF 5.–, Bargeldbezüge international werden mit 1.5 Prozent belastet.

Konto Private+ für CHF 8.90 pro Monat

Der Unterschied dieser Plus-Variante zum Konto "Private" liegt einzig in den Gebühren, die nicht anfallen. Bargeldbezüge im In- und Ausland bleiben kostenlos, ebenso der allfällige Ersatz der Karte. 

Wer öfters Bargeld am Automaten bezieht, national oder international, wird diese Karte wählen, weil sich die Mehrkosten von CHF 4.– pro Monat mit wenigen Transaktionen amortisiert haben.

Das Loyalty-Konto oder der Unterschied zwischen gratis und kostenlos

Yapeal hat in Konzepten und Kommunikation von Anfang an auf Community, Transparenz, faire Preise, aber auch auf Kostenwahrheit gesetzt. Deshalb hat die Neo-Bank Erlösquellen wie auch die relevanten Kostenfaktoren bereits beim Start offen und transparent kommuniziert.

Ein Gratiskonto war im Konzept nicht vorgesehen, weil "gratis" oftmals auf eine gut verpackte Form von mehr oder weniger clever versteckten Gebühren hinausläuft. Yapeal legt Wert auf die Feststellung, dass es weiterhin kein Gratiskonto geben wird, eine kostenlose Kontoform aber schon. Wir haben bei Yapeal nachgefragt, worin genau beim kostenlosen Loyalty-Konto der Unterschied zwischen gratis und kostenlos liegt und warum die Neo-Bank überhaupt ein Loyalty-Konto anbietet. Die Erklärung:

Das Loyalty-Angebot ist Yapeals Antwort auf die zunehmend schwierigen Zeiten mit Lockdowns, Problemen in KMUs, persönlichen Arbeitsplatz-Unsicherheiten und mehr – Umstände, die einigen Gruppen mehr zu schaffen machen können als anderen. 

Andy Waar, CMO der Challenger-Bank Yapeal

Andy Waar, Leiter Marketing & Kommunikation bei Yapeal:

Der Community-Gedanke ist für uns zentral und zählt deshalb auch und gerade beim Pricing – wir leben in besonderen Zeiten und niemand, der Yapeal nutzen möchte, sollte sich die Frage stellen müssen, ob er sich das leisten kann

Die Gebühren für genutzte Leistungen sind beim Loyalty-Konto dieselben wie bei der Private-Variante. Die Bezeichnung "Loyalty" legt die Spur, warum dieses Konto von Nutzern kostenlos, das heisst ohne fixe Monatsgebühren gebucht und in Anspruch genommen werden kann. Die auf Null gesetzten monatlichen Kosten für Yapeal-Kunden werden über Loyalty-Programme durch die wachsende Zahl von Drittunternehmen und Businesspartnern finanziert. 

So gesehen ist das Loyalty-Konto von Yapeal nicht nur eine gute Idee, es ist eine Courtesy-Geste, das "Let's stick together"-Angebot einer Neo-Bank. Nicht gratis, aber kostenlos nutzbar, ohne die Kostenwahrheit zu ritzen. Und damit eine flexible Antwort auf Entwicklungen und Situationen der letzten Monate, die in der Planung nicht vorgesehen waren.