Das Eurosystem hat seine umfassende Zahlungsverkehrsstrategie veröffentlicht. Die Art der Zahlungen verändert sich, Digitalisierung und neue Technologien stehen im Mittelpunkt dieser Transformation. Die präsentierte Vision für die Entwicklung des europäischen Zahlungsverkehrs ist die Antwort des Eurosystems auf diese Entwicklung.
Die neue Strategie verfolgt einen kohärenten und zukunftsorientierten Ansatz, um einen innovativen und wettbewerbsfähigen europäischen Zahlungsverkehrsmarkt für Wholesale-, Business-to-Business-, Privatkunden- und grenzüberschreitende Zahlungen weiterzuentwickeln.
Zudem berücksichtigt die Strategie die schrittweise Einführung neuer Technologien wie Tokenisierung und Distributed-Ledger-Technologie und stellt sicher, dass Innovationen voranschreiten können, während Zentralbankgeld weiterhin als Anker für Vertrauen und Stabilität dienen soll.
«Zahlungen sind für die Gesellschaft von entscheidender Bedeutung, und sie verändern sich rasch», sagte Piero Cipollone, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB). «Ob es sich um Massenzahlungen, Grosshandels- oder Business-to-Business-Zahlungen handelt, sowohl im Inland als auch grenzüberschreitend – die EZB setzt sich dafür ein, dass diese weiterhin zuverlässig, schnell, wettbewerbsfähig und offen für Innovationen sind.»
Die vier Hauptziele der neuen Strategie
Der Ansatz des Eurosystems ist zweigleisig: Verbesserung der bestehenden Zahlungsinfrastrukturen bei gleichzeitiger Unterstützung neuer Zahlungsinfrastrukturen.
Dieser Ansatz basiert auf vier strategischen Zielen:
- Aufrechterhaltung der Schlüsselrolle von Zentralbankgeld in den Privatkunden- und Grosskundenmärkten, um die Wirksamkeit der Geldpolitik, die Finanzstabilität und das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme zu gewährleisten
- Stärkung der Robustheit und Autonomie des europäischen Zahlungssystems
- Förderung integrierterer, innovativer und wettbewerbsfähigerer Zahlungen für Bürger und Unternehmen
- Unterstützung der internationalen Rolle des Euro
Die Strategie empfiehlt, das Innovationspotenzial der Tokenisierung zu nutzen, und umreisst die Position des Eurosystems zur Abwicklung tokenisierter Assets.
Bei der Abwicklung von Grosshandelsgeschäften sollte Zentralbankgeld weiterhin im Mittelpunkt stehen, ergänzt durch private Abwicklungs-Assets wie tokenisierte Einlagen und Stablecoins, die der EU-Rechtsordnung unterliegen, auf Euro lauten und ordnungsgemäss ausgestaltet und reguliert sind.
Die neue Strategie fordert zudem Standardisierung, Automatisierung und Prozessintegration im Bereich der Business-to-Business-Zahlungen, damit Unternehmen von effizienten und innovativen Lösungen profitieren können.
Im Hinblick auf den Massenzahlungsverkehr hebt die Strategie hervor, wie der digitale Euro eine Schlüsselrolle bei der Förderung der Entwicklung paneuropäischer privater Massenzahlungslösungen spielen kann.
Alle wichtigen Initiativen des Eurosystems unter einem Hut
Die festgelegte Strategie vereint alle wichtigen Initiativen des Eurosystems – den digitalen Euro, die Arbeiten an Pontes (Distributed-Ledger-Technologie-Lösung des Eurosystems) und Appia (Europas tokenisiertes Finanzökosystem) sowie Verbesserungen bei grenzüberschreitenden Zahlungen – in einem umfassenden Rahmen, um sicherzustellen, dass sich Zentralbankgeld an das digitale Zeitalter anpasst und gleichzeitig Initiativen des privaten Sektors sowohl im Gross- als auch im Privatkundenbereich unterstützt.
Sie ergänzt die Bemühungen der EZB, sicherzustellen, dass Euro-Bargeld weiterhin weit verbreitet, zugänglich und akzeptiert ist. Im Rahmen ihres Engagements für Bargeld entwickelt die EZB eine neue Serie von Euro-Banknoten mit einem neuen Design und unterstützt rechtliche Initiativen, die darauf abzielen, den Status von Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel zu stärken.
Um sicherzustellen, dass der Zahlungsverkehr in Europa sicher und innovativ bleibt, wird das Eurosystem die Markt- und Technologie-Entwicklungen weiterhin beobachten und seine Strategie bei Bedarf anpassen.
Detaillierte Ausführungen zur vorgestellten Strategie für die Zukunft des europäischen Zahlungsverkehrs sind in englischer Sprache bei der EZB verfügbar, hier.