Künstliche Intelligenz & digitale Souveränität

Souveräne KI-Agenten für die Schweiz und aus der Schweiz?

Supercomputer Alps in Lugano
Supercomputer Alps in Lugano | Bild: CSCS, Marco Abram

Unabhängigkeit von anderen Staaten im Zusammenhang mit KI und KI-Agenten ist eine gute Idee, wie die Erfahrungen der älteren und jüngeren Zeit zeigen.

Können Grossmächte wie zum Beispiel die USA laufenden KI-Anwendungen den Stecker ziehen, ist jede Verlässlichkeit in Frage gestellt. Bleiben Unternehmens-Daten für ausländische Staaten und Behörden grundsätzlich einsehbar, setzt das gerade der Finanzindustrie mit sensiblen Daten Grenzen bei der Wahl ihrer KI-Partner.

Souveräne KI-Agenten werden Realität 

Die Schweiz macht einen entscheidenden Schritt in Richtung digitaler Souveränität: Mit Apertus 1.5 veröffentlicht die Swiss AI Initiative von EPFL Lausanne, ETH Zürich und CSCS (Swiss National Supercomputing Centre) ein vollständig offenes Schweizer Sprachmodell, das erstmals die Anforderungen moderner KI-Agenten erfüllt. 

Bisher war man auf ausländische KI-Modelle angewiesen, trotz Schweizer Infrastruktur und Datenhaltung. Mit Apertus 1.5 ändert sich das: Das Modell wurde auf dem Supercomputer Alps in Lugano trainiert und unter der Apache-2.0-Lizenz veröffentlicht, inklusive offener Modellgewichte, Trainingsdaten und Quellcode. Damit entsteht erstmals eine durchgängig offene und kontrollierbare Grundlage für souveräne KI-Anwendungen in der Schweiz.

Apertus 1.5 bringt zentrale Funktionen für produktive KI-Agenten mit: ein Kontextfenster von 262’144 Tokens, native Tool-Integration sowie die Verarbeitung von Text, Bild und Audio. Unternehmen und Behörden können damit KI-Agenten entwickeln, die Informationen analysieren, Werkzeuge nutzen und Prozesse automatisieren. All das auf einer vollständig nach Schweizer Recht betriebenen Basis.

Das Tech-Unternehmen Phoeniqs integriert Apertus 1.5 ab sofort in seine AI Model Service-Plattform und macht das Modell für Unternehmen und Behörden produktiv nutzbar.

«Digitale Souveränität endete bisher dort, wo das KI-Modell selbst begann», sagt Thomas Taroni, Gründer und CEO von Phoeniqs.

«Mit Apertus 1.5 steht erstmals ein Schweizer Modell zur Verfügung, das die Leistungsfähigkeit moderner Agentensysteme mit den Anforderungen an Datenschutz, Transparenz und Kontrolle verbindet.»

Mit der Veröffentlichung von Apertus 1.5 schliesst sich eine entscheidende Lücke im Schweizer KI-Ökosystem. Digitale Souveränität wird damit zu einer praxistauglichen Realität.

Im Fokus: Finanzinstitute und Finanzdienstleistungen

Besonders relevant ist dieser Aspekt für stark regulierte Bereiche wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, öffentliche Verwaltung oder kritische Infrastrukturen. Sie können erstmals KI-Agenten einsetzen, bei denen Modell, Daten, Werkzeuge und Infrastruktur vollständig unter Schweizer Kontrolle stehen.

Phoeniqs betreibt Apertus 1.5 auf Schweizer Infrastruktur in Basel und Zürich. Die Plattform verbindet das Modell mit Zero-Retention-Verarbeitung, Confidential Computing und stellt es über eine OpenAI-kompatible API bereit. Dadurch lassen sich bestehende Anwendungen mit minimalem Aufwand auf eine souveräne Schweizer KI-Infrastruktur migrieren.