Blockchain & Kryptowährungen

Wird Liechtenstein zum neuen Crypto Valley?

Flagge von Liechtenstein
Bild: Enigma Images | Getty Images

Das Fürstentum verfolgt eine klare Strategie und operiert sehr schnell. Die jüngsten Aktivitäten, welche Liechtenstein eine starke Position verschaffen.

Die Schweiz hat schon sehr früh in den Bereichen Blockchain, Kryptowährungen und ICOs Terrain besetzt – das Crypto Valley in Zug und die Schweiz haben Ausstrahlung und einen klingenden Namen weltweit.

Liechtenstein rüstet auf, operiert agil, dynamisch und schafft konkrete Standortvorteile. Ein zusätzliches Plus mit Gewicht, das die Liechtensteiner nutzen: Sie agieren mit hohem Tempo, schaffen schnell und mutig Strukturen und Leistungen, die für Blockchain- und Krypto-Unternehmen wichtig und sind. Damit wird das Fürstentum zum Magneten für internationel Startups und FinTechs, welche Standorte vergleichen. 

Verliert die Schweiz Terrain an Liechtenstein? 

Neben Gibraltar, Malta, Singapur und der Schweiz, etabliert sich Liechtenstein zunehmend als attraktiver Standort für Krypto- und für Blockchain-Unternehmen. Das EWR-Argument steht dabei nicht als einziger Vorteil für Liechtenstein im Zentrum, das Fürstentum hat bereits viel erreicht und gibt weiterhin enorm Gas in zahlreichen Bereichen.

Liechtenstein ist nicht der einzige Konkurrent, neben der Schweiz gibt's auch andere Standorte, welche für Blockchain-Unternehmen attraktiv sind. Liegt der Fokus jedoch bereits auf Mitteleuropa, kann die Wahl aus verschiedenen Gründen zugunsten des Fürstentums ausfallen. Eine aktuelle Auslegeordnung benennt einige Punkte, welche Liechtenstein eine starke Position verschaffen.

Bankkonto für Blockchain-Unternehmen

Die Hypothekarbank Lenzburg und die Falcon Private Bank bieten Hand, bei den grossen und international aufgestellten Schweizer Banken erhalten Startups und FinTechs weiterhin kein Bankkonto. Bestehende Bankverbindungen werden sogar gekündigt, wenn ein Unternehmen mit einem ICO in Verbindung gebracht wird.

Willkommen sind die in der Schweiz abgewiesenen FinTechs in Liechtenstein bei der Bank Frick, bei welcher Krypto- und Blockchain-Unternehmen bereits seit längerem Konten eröffnen und unterhalten können. Das allein wirkt schon als Magnet, weil Geschäften ohne Bankverbindung einfach nicht geht.

Die Schweiz hat das Problem wohl erkannt und will von verschiedenen Seiten Unterstützung bieten, im Hier und Jetzt sind jedoch noch keine griffigen Lösungen parat. Diskussionen und Verhandlungen laufen, Ausgang und Termine bleiben jedoch offen. Nur schon dieser Punkt kann bei der Standortwahl zum Killerkriterium für Unternehmen aus dem Ausland werden oder die Abwanderungstendenzen von bestehenden Firmen aus dem Crypto Valley Zug verstärken.

Zudem: Die Bank Frick geht noch weiter, über die Kontoeröffnung hinaus, und bietet zusätzliche Services für Startups und FinTechs. Zum Beispiel die Begleitung eines ICOs oder den Geldwechsel in fünf verschiedene Kryptowährungen.

Support von der Regierung

Mit Johann Schneider-Ammann und Ueli Maurer hat die Blockchain- und Krypto-Gemeinde in der Schweiz zwei Bundesräte, die sich engagieren. Beide versuchen, Terrain zu ebnen und gute Voraussetzungen für die Branche zu schaffen.

Mit Adrian Hasler hat das Fürstentum Liechtenstein einen Regurierungschef, der sehr dynamisch und offensiv agiert, um Liechtenstein zum bevorzugten Standort für Blockchain- und Krypto-Firmen zu machen. 

Mögen Strukturen überschaubarer, die Koordination einfacher und dadurch die Entscheidungs- und Umwetzungswege kürzer sein (?) – es fällt auf, dass Adrian Hasler und die Liechtensteiner Regierung in sehr kurzer Zeit sehr viel erreicht und auf die Beine gestellt haben. Und damit Umfelder schaffen, welche einen früheren Vorsprung der Schweiz in der Distanz verkürzen oder aufheben – teilweise sogar Liechtenstein an die erste Position setzen.

Support von der Regulierungsbehörde

Die FMA (Finanzmarktaufsicht Liechtenstein) braucht sich hinter der FINMA (Finanzmarktaufsicht Schweiz) nicht zu verstecken. Beide Behörden agieren Blockchain- und Krypto-freundlich. Auch hier fällt auf, dass die Finanzmarktaufsicht der Liechtensteiner schnell und agil operiert und sehr gut koordiniert mit anderen involvierten Stellen und Gruppen arbeitet.

Die FMA unterhält zudem seit einiger Zeit ein "Regulierungslabor", um FinTechs Unterstützung zu geben und klare Ansprechpartner in Bewilligungsprozessen zu benennen und zur Verfügung zu stellen. Diese sichtbar und spürbar formulierte Willkommensgeste wird offenbar verstanden und nach Aussagen der FMA auch aktiv genutzt.

FinTechs und Startups in Liechtenstein

Aktuell scheinen sich Neuzuzüger und ausländische Unternehmen gerne für den attraktiven Standort Liechtenstein zu entscheiden, die Community wächst. Das Crypto Valley bleibt dabei nicht aussen vor, aber waren die Schweiz und Zug längere Zeit eher unkonkurrenziert, ist mit Liechtenstein ein Standort gewachsen, der in der Kommunikation mit seinen Vorteilen nicht hinter dem Berg hält. Das zeigt offenbar Wirkung.

Einen zusätzlichen Signalturm hat Liechtenstein im Mai 2018 mit dem "House of Blockchain" in Vaduz etabliert – ein kollaboratives Projekt mit Juristen, dem Unicorn-Blockchain-Unternehmen Aeternity und Co-Working-Bereichen für Startups.

Blockchain-Gesetz

Liechtenstein hat ein neues zukunftsgerichtetes Blockchain-Gesetz (Blockchain Act) unterwegs, das die Token-Ökonomie im Detail regelt. Im Juni 2018 ist das Gesetz vorgestellt worden, voraussichtlich im Sommer 2019 soll es in Kraft treten.

Das Gesetz ist offenbar so ausgelegt, dass einerseits Rechtssicherheit geschaffen wird, jedoch innerhalb eines weitgesteckten Rahmens, der sehr viel Spielraum für neue Entwicklungen zulassen soll. Zudem dürfte der Vorteil für Blockchain- und Krypto-Unternehmen auch in der Klarheit liegen: der rechtliche Rahmen verteilt sich nicht auf mehrere Gesetze, es besteht ein einziges Gesetz, das sagt, was Sache ist.

Die Ansprache von Regierungschef Adrian Hasler liefert Hintergrund, gehalten bei der Vorstellung des Blockchain-Gesetzes am 21. Juni 2018.

Hasler ist überzeugt, dass sich Liechtenstein einen grossen Standortvorteil verschafft. Einerseits durch Rechtssicherheit mit einem klaren Gesetz und auch durch den Service schneller Antworten auf Fragen, welche FinTechs beschäftigen. In der Summe der Massnahmen generiert das Fürstentum damit eine Signalwirkung für die ganze Welt, um neue Startups und FinTechs nach Vaduz zu holen.

Liechtenstein Cryptoassets Exchange LCX

Die LCX, die Kryptobörse und der Handelsplatz für professionelle Trader, soll noch im August 2018 in Liechtenstein (Vaduz) starten. Nach Aussagen der Beteiligten von der FMA reguliert und lizenziert – in Abstimmung mit dem Blockchain Act sowie den KYC- und AML-Gesetzen der Liechtensteiner.

Hinter der neuen Kryptobörse stehen die beiden Gründer Monty Metzger (CEO von LCX) sowie Max Wang (CPO von LCX), welche der Ansicht sind, dass Liechtenstein im Krypto-Wettbewerb die Nase vorn hat. Die LCX soll als Joint Venture und mit der Erfahrung von Binance funktionieren, welche die technische Infrastruktur und Plattform bereitstellt. 

Ebenfalls mit im Boot: Die Gründung der Liechtenstein Cryptoassets Exchange LCX wird von der Bank Frick und dem Rechtsanwalt Matthias Niedermüller begleitet. Ein Blick ins Advisory Board der LCX zeigt, dass die neue Börse nicht mit bekannten Namen geizt.

Monty Metzger, CEO der LCX
Monty Metzger, CEO der Liechtenstein Cryptoassets Exchange (Quelle: LCX)

Das Blockchain-Ökosystem von Liechtenstein

Jede Massnahme für sich allein betrachtet, ist noch nicht der entscheidende Faktor, aber alle Aktivitäten im Verbund zeigen Entschlossenheit, Dynamik, Tempo und eine gut koordinierte Strategie der Liechtensteiner. 

Unternehmen im Crypto Valley scheinen teilweise die Geduld zu verlieren. Dem Vernehmen nach ziehen bereits einige Krypto- und Blockchain-Unternehmen aus dem Crypto Valley Zug den Gedanken in Betracht, ihre Zelte neu im Crypto Valley Liechtenstein aufzuschlagen.

Auch Unternehmen aus dem Ausland verlieren keine Zeit, sie evaluieren heute, entscheiden sich morgen und warten nicht ab, bis die Schweiz bereit ist.

Die bereits gehörte Frage, ist "Liechtenstein das neue Zug?", ist sicher zu früh gestellt. Fakt jedoch ist, dass sich Liechtenstein in sehr kurzer Zeit eine hervorragende Position geschaffen hat.