Update: Swiss Open Finance API

Open APIs – The Future of Banking and Finance
Bild: Ohne Harmonisierung geht's nicht | Getty Images | Peter Hermes Furian

Ist das Projekt der Open API von Swiss FinTech Innovations ein Quantensprung für den Bankenplatz Schweiz?

Mit der Swiss Open Finance API (SOFA) hat die Swiss FinTech Innovations (SFTI) seit einiger Zeit eine Inititiative am Laufen, welche gemeinsame Standards für die Schweiz definieren soll. Über das Projekt einer offenen API für die Schweiz haben wir im April 2017 berichtet. SOFA: Wie man sich bettet, so sitzt man

Was es bringt

Das Projekt der SFTI ist eine sehr sinnvolle und vor allem auch notwendige Initiative. Die gute Idee von Open Banking, Kooperationen und innovativen Ökosystemen kann in der Praxis ohne offene API und gemeinsame Standards zum Horrorszenario für alle Beteiligten werden. Zumal Kunden und neue Zielgruppen nur zu halten und zu gewinnen sind, wenn smarte neue Leistungen und Services von Banken, FinTechs und Finanzdienstleistern entwickelt und in Kooperation reibungslos in Ökosysteme integriert werden.

Was bereits verschiedene Länder auf nationaler Ebene verfolgen und die Berlin Group mit NextGenPSD2 für Europa auf der Agenda hat, forciert der Verband Swiss FinTech Innovations für die Schweiz. Mit einer gemeinsamen offenen API (Common API Specification for Banking) soll sichergestellt werden, dass sich Finanzdienstleister in allen Lagern auf das wirklich Wesentliche konzentrieren können: auf Innovationen und Services, welche für Kunden neuen Nutzen schaffen.

Der wichtige Nebenschauplatz, das Andocken bei anderen Partnern oder das Integrieren in andere Ökosysteme, soll dann leicht und flüssig funktionieren. Das gelingt dann, wenn alle Beteiligten sich nicht mit tausend unterschiedlichen APIs quälen müssen, sondern mit harmonisierten Schnittstellen arbeiten, die gemeinsamen Standards folgen.

Das Projekt hat insofern Chancen, als sich der Verband Swiss FinTech Innovations primär aus Schweizer Banken und Versicherern zusammensetzt. Schon mal eine gute Voraussetzung, wenn die richtigen Leute am gemeinsamen Tisch sitzen.

Der nächste Schritt auf dem Weg zur Swiss Open Finance API

"Swiss Open Finance API – ein Quantensprung für den Bankenplatz Schweiz?", fragt der Verband SFTI im Titel der aktuellen Medienmitteilung und liefert ein Update zum Projekt.

Unter der Führung von SFTI-Co-Director Jürgen Petry haben sich die Kernbanken-Software-Anbieter Avaloq, Finnova, Finstar und Temenos an einen Tisch gesetzt und einen Beschluss gefasst:

Gemeinsam und untereinander abgestimmt soll schrittweise eine "Common API Specification for Banking" ausgearbeitet werden. Diese Schnittstellen-Beschreibung soll kostenfrei für jedes interessierte Unternehmen verfügbar sein. Das erste Release ist bereits auf Ende des laufenden Jahren geplant und soll bei der SKSF (Schweizerische Kommission für Standardisierungen im Finanzbereich) publiziert werden.

Die zentrale Rolle der Kernbanken-Software-Hersteller

Die Idee, koordiniert mit den Kernbanken-Software-Anbietern zu arbeiten, ist bei SFTI aus der Einsicht heraus entstanden, dass die Schnittstellen genau dort vereinheitlicht werden sollen, wo die Verantwortung für die Bankensoftware angebunden ist: direkt bei den Software-Herstellern. Ergo ist die Kernbanken-Software die zentrale Komponente für die Schnittstellen-Harmonisierung. Immerhin bildet diese Software das technische Herz und Rückgrat jeder Bank. Rund drei Viertel des Schweizer Marktes für Kernbanken-Software decken allein die vier Branchengrössen Avaloq, Finnova, Finstar und Temenos ab. Deshalb: Ziehen diese Player zusammen mit der SFTI an einem Strang, ist das Projekt der Open API einen entscheidenden Schritt weiter.

Bemerkenswertes Statement von Patrick Baumberger, Vice President SFTI:

«Wir sollten es nicht dem Gesetzgeber überlassen, die Öffnung unserer Systeme über einschlägige Vorschriften vorzugeben. Vielmehr müssen wir hier selbst aktiv werden, um im Interesse aller Beteiligten nachhaltige Lösungen zu entwerfen. Nur so können wir langfristig unsere Geschäftsmodelle stärken und Innovationen für unsere Kunden noch schneller umsetzen.»

Ist die Swiss Open Finance API ein Quantensprung für den Bankenplatz?

Das Projekt und die aktuellen Entwicklungen sind vielversprechend. Zum Quantensprung für den Bankenplatz Schweiz wird die Open API dann, wenn das Vorhaben breit unterstützt wird – nur dann kann es gelingen. Wenn Standards für eine gemeinsame Open API entwickelt werden, welche nicht à la carte da und dort ein bisschen eingesetzt werden, sondern wenn eine offen API entsteht, welche die Kraft hat, sich in der ganzen Schweiz als Standard durchzusetzen. Klappt das, dann ist die Swiss Open Finance API tatsächlich ein Quantensprung für den Bankenplatz Schweiz – und damit für alle Banken, FinTechs und Finanzdienstleister, welche im Bereich der Schnittstellen harmonisch kooperieren und sich darauf konzentrieren können, Menschen und Kunden mit tollen Leistungen zu überraschen und zu überzeugen.

Wer ist Swiss FinTech Innovations?

Der Verband, hinter dem vor allem Schweizer Banken und Versicherer stehen, besteht seit April 2016. SFTI ist mit dem Ziel gegründet worden, die Schweiz zu einem international führenden Zentrum für Digitalisierung und Innovation in der Finanzbranche zu machen.

Info-Video: Swiss Open Finance API (SOFA)

Swiss FinTech Innovation: Details zur Initiative

Stichworte zum Thema im Lexikon: Open Banking | Swiss Open Finance API | SFTI | Kernbankensystem