Fallstudie

IT als Erfolgsfaktor beim Wandel der Bank am Bellevue von der Investmentbank zum Private Banking-Institut

Holger Schultes, COO bei der Bank am Bellevue und CIO der Bellevue Group
Holger Schultes, COO bei der Bank am Bellevue und CIO der Bellevue Group (Bild: Bellevue Group)

Gastautor Marcel Weber zur Rolle der IT, wenn sich ein Finanzinstitut neu positioniert und die Anforderungen an Services, Sicherheit und Systeme steigen.

Gestern Investmentbank – heute Private Banking-Institut: die erfolgreiche Neuausrichtung des traditionsreichen Schweizer Finanzinstituts Bank am Bellevue war eine grosse Aufgabe für alle Mitarbeiter des Unternehmens.

Die IT-Abteilung der Bank sah sich vor der Herausforderung, diesen Wandel zu begleiten und damit zu einem Erfolgsfaktor für das neue Geschäftsfeld zu werden. Zugleich sollten die IT-Systeme den Anforderungen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA bezüglich Cyberkriminalität entsprechen. Mit Unterstützung von VMware gelang es der IT-Abteilung, die an sie gestellten Herausforderungen mit Bravour zu meistern. Eine Fallstudie.

Schneller Zugang zu Research-Informationen für die neue Zielgruppe

Die Bank am Bellevue mit Hauptsitz in Küsnacht bei Zürich ist Teil der Bellevue Group und damit ein unabhängiges Schweizer Finanzinstitut mit einem betreuten Kundenvermögen von 12,7 Milliarden Schweizer Franken im Jahr 2018. Die Gruppe mit rund 100 Mitarbeitenden wurde 1993 von Unternehmern ins Leben gerufen, weil die institutionellen Anleger innovative Investmentideen erschliessen wollten. 

Die vermögenden Privatkunden, die die Bank am Bellevue als Zielgruppe neu fokussiert, sind eine anspruchsvolle Zielgruppe, die hochqualitative, persönliche und individuell angepasste Services gewöhnt sind und diese einfordern. Ausschlaggebend für dieses gehobene Kundensegment ist das Vertrauen in die absolute Zuverlässigkeit und Sicherheit des Finanzinstituts.

Privatkundenbereich mit komplexen Anforderungen an die IT-Dienstleistungen

Da Private Banking ein neuer Geschäftsbereich ist, den die Bank derzeit erschliesst, haben sich die Anforderungen an die IT geändert. Alle Business Units des Unternehmens sollen mit Hilfe der IT-Abteilung durch innovative Technologien wirkungsvoll unterstützt werden, damit diese Premium-Zielgruppe schnell und optimal beraten und betreut werden kann.

Mehrwert für die Kunden sind beispielsweise ein eigener, schneller Zugang zu Research Informationen und eine kürzere Reaktionszeit der Bank am Bellevue auf veränderte Marktsituationen, wie beispielsweise Währungskurse. Für den Privatkundenbereich sind weitaus komplexere IT-Dienstleistungen notwendig, verglichen mit dem bisherigen Geschäftsfeld Investment-Banking.

Für die sichere Öffnung der Systeme zum Kunden hin mit dem neuen Online-Zugang zum Portfolio war eine neue IT-Struktur flankiert von höchstmöglichen Sicherheitsmassnahmen gefragt.

Hohe Auflagen durch Non-Disclosure Agreements und die FINMA

Das Thema Security nahm damit auf der Prioritätenliste der IT-Abteilung einen ganz zentralen Platz ein. Für die Verwaltung grosser Vermögensportfolios müssen beispielsweise Non-Disclosure Agreements lückenlose Notfallkonzepte und Disaster Recovery-Szenarien enthalten, die sicherstellen, dass die Systeme im Notfall schnell wieder online sind.

Die Erfüllung der Auflagen der FINMA, der Schweizer Finanzmarktaufsicht, bezüglich der zunehmenden Gefahr von Cyberangriffen waren ein weiterer Grund für eine Umstrukturierung der IT. Zusätzliche Herausforderungen stellen die fortschreitende Digitalisierung der Prozesse sowie die zunehmenden regulatorischen Anforderungen für die Bank am Bellevue dar.

Firewalling sichert Online-Zugang zum Portfolio ab

Die Bellevue Group vertraut schon seit 2010 auf die Virtualisierungslösungen von VMware. Diese positiven Erfahrungen waren der Grund dafür, sich mit diesem strategisch wichtigen Projekt an den bewährten Partner zu wenden.

Für das Anbieten eines Online-Zugangs zum Portfolio, also dem zur Verfügung stellen von Daten auf den Endgeräten der Kunden, wählte die Bank am Bellevue eine Netzwerkvirtualisierungsplattform aus. Diese Öffnung des Netzwerks entstand auf Wunsch der Kunden, birgt aber gleichzeitig das Risiko, eine Angriffsfläche für mögliche Cyberattacken zu bieten. 

«Wir haben uns für diese Lösung entschieden, da die Mikrosegmentierung das Netzwerk systematisch und agil schützt und die Datensicherheit für den Kunden gewährleistet»erklärt Holger Schultes, COO bei der Bank am Bellevue und CIO der Bellevue Group. Aufgrund der guten Vorbereitung konnte die Implementierung in nur zwei Monaten erfolgen.

Tools unterstützen IT-Team proaktiv

Ein zusätzliches Planungs- und Bereitstellungstool half beim Festlegen des Regelwerks für die einzelnen Firewalls und sorgt jetzt für Transparenz im System durch eine klare grafische Dokumentation aller Kommunikationswege zwischen den einzelnen Maschinen. Mit der Vielzahl der neuen Dienstleistungen für den Private Banking Bereich war auch eine erhöhte Effizienz im IT-Team ein angestrebter Effekt.

Mit Hilfe zweier Tools können jetzt verschiedene Prozesse automatisiert und optimiert werden. Ein proaktives Datacenter Operations Tool überwacht unter anderem die Auslastung der Serverhardware und informiert über zukünftige Engpässe. Das Automatisierungstool verlagert Tätigkeiten des IT-Personals wie beispielsweise das Bereitstellen von virtuellen Maschinen für ein Projekt durch ein Self-Service-Portal an die jeweiligen Projektleiter in den Abteilungen.

Die IT-Landschaft der Bank am Bellevue zeichnet sich durch einen Virtualisierungsgrad von 100 Prozent aus. Das Unternehmen betreibt zwei Rechenzentren in der Schweiz, auf die alle Aussenstellen von Frankfurt bis New York Zugriff haben. Die Bank am Bellevue nutzt einen einzigen Hypervisor für alle 120 virtuellen Server und für 120 virtualisierte Desktops – nach einer umfassenden Konsolidierung der IT- und Storagesysteme. Auf 120 Terrabyte Storage kann dabei zurückgegriffen werden.

Absolute Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit in Echtzeit, zum Teil Ergebnis des Einsatzes eines Operationstools, sind für die Bank am Bellevue ausschlaggebend: «Wenn sich der Kurs einer Aktie um ein paar Cent verändert, müssen unsere Mitarbeiter in der Trading-Abteilung in Echtzeit reagieren können: die IT ist in einem solchen Moment essenziell für unser Geschäftsmodell»,führt Holger Schultes weiter aus.

Virtuelle Server auf Knopfdruck

Die Bellevue Group profitiert heute umfassend von der umgesetzten Lösung. Neue Anforderungen von Kundenseite oder den Business Units, wie beispielsweise eine neue Software, können schnell und kostengünstig umgesetzt werden. Auf Knopfdruck stehen virtuelle Server für Projekte bereit – dies dauerte früher einen Tag. Insofern können die Mitarbeitenden produktiver arbeiten und Ressourcen sinnvoller eingesetzt werden.

Dank mehr Automatisierung und vereinfachter Verwaltung kann das 5-köpfige IT-Team rund um Holger Schultes zielgerichteter und effektiver arbeiten, was Kosten einspart. Mit der neuen IT-Infrastruktur ist die Bank am Bellevue sehr zufrieden, denn sie kann agiler handeln und damit ihre Marktposition im neuen Geschäftsfeld Private Banking stärken. «VMware entwickelt seine bewährten und innovativen Produkte stetig weiter und gibt uns die Sicherheit und das Vertrauen eine stabile und zuverlässige Infrastruktur einzusetzen»,fasst Holger Schultes zusammen. Unterstützt wurde die Bank am Bellevue durch den Partner Netcloud AG und das Schweizer VMware Team.

Investition in die IT-Security war ein Muss

Die Finanzwelt muss sehr schnell auf Marktsituationen angemessen reagieren, es darf keine Verzögerungen geben. 80 Prozent der Mitarbeiter der Bank am Bellevue arbeiten mit Bloomberg-Finanzsoftware. Diese beinhaltet umfassende grafische Darstellungen und Analysen, die nicht angezeigt werden können, wenn das IT-System nicht auf Höchstleistung läuft. Dank der neuen IT-Infrastruktur profitiert die Bank am Bellevue von rund um die Uhr Verfügbarkeit, Ausfallsicherheit und hoher Leistungsperformance.

Die Investition in die IT-Security war für die Bank am Bellevue ein Muss – der Schutz des Netzwerks vor Angriffen von aussen ist gerade angesichts des neuen Online-Zugangs zum Portfolio unerlässlich. Holger Schultes zum Thema: «Wir haben das bestmöglichste getan, um einen sehr hohen IT-Security-Standard zu gewährleisten und können dies guten Gewissens an unsere Kunden weitergeben».

Cloud ist mögliche Zukunftsperspektive

Die Digitalisierung wird die Finanzbranche in den nächsten Jahren weiter beschäftigen, auch von steigender Cyber-Kriminalität ist auszugehen. Mit ihrer hochmodernen und sicheren IT-Infrastruktur ist die Bank am Bellevue schon heute gut gerüstet. Diese Infrastruktur ist gleichzeitig eine wichtige Basis für die Zukunft als Private Banking Institut. Ein weiteres Thema für die kommenden Jahre ist laut Holger Schultes die Cloud, wenn die Rahmenbedingungen dafür gegeben sind.

Der Autor: Marcel Weber

Marcel Weber ist seit 2016 Senior Field Marketing Manager Alps bei VMware und verantwortet dort die Länder Schweiz, Liechtenstein & Österreich. Zuvor war er als Senior Marketing Manager SMB & Partner bei VMware engagiert.

Bevor er im Jahr 2011 zu VMware kam, war er bei der Infinigate Schweiz als Teamleader für den Aufbau des Product Marketings und des Product Managements verantwortlich. Marcel verfügt über einen Abschluss als Betriebsökonom FH der Fachhochschule Nordwestschweiz.