FinTech Yokoy sieht sich als Schweizer "Revolut for Business" und lanciert die Firmenkarte ohne Gebühren

Melanie Gabriel, Mitgründerin und CMO von Yokoy
Melanie Gabriel, Mitgründerin und CMO des FinTechs Yokoy (Bild: Yokoy)

Yokoy automatisiert die Spesen- und Kartenprozesse von Firmen – neu mit der Business Mastercard, die zusammen mit der Hypothekarbank Lenzburg herausgegeben wird.

Das FinTech Yokoy ist ein junges Startup und erst seit September 2019 im Markt. Gegründet unter dem Namen Expense Robot von Melanie GabrielThomas Inhelder, Devis Lussi, Lars Mangelsdorf und Philippe Sahli mit einer klaren Vision: Spesen sollen auch in grossen Unternehmen keine Spesen produzieren.

Das Schweizer FinTech-Startup nutzt Künstliche Intelligenz, um die Spesen- und Kreditkarten-Prozesse von Firmen zu automatisieren. Yokoy setzt mit seiner Cloud-basierten Spesen-Management-Plattform das Spesenhandling auf Autopilot, vom Foto des Spesenbelegs bis zur Finanzbuchung. Die Lösung deckt dabei den kompletten Prozess ab, inklusive der Kontrollen, Rückforderung der Mehrwertsteuer, Archivierung und Rückerstattung von Spesen.

Im März 2020 hat das FinTech in einer von Swisscom Ventures und SIX FinTech Ventures angeführten Seed-Runde 1,7 Millionen Schweizer Franken eingesammelt, wir haben berichtet. Yokoy scheint mit seiner KI-basierten Lösung tatsächlich das kostensparende Ei des spesenproduzierenden Kolumbus gefunden zu haben – zu den bereits über hundert Kunden auf der ganzen Welt gehören zum Beispiel Ameropa, Beekeeper, Hero, Sherpany, Swissquote und weitere.

Expense Robot ist nicht genug, Yokoy kann mehr

Wir haben Mitgründerin und CMO Melanie Gabriel gefragt, warum ein Startup bereits nach einem Jahr den Namen wechselt. Die Antwort leuchtet ein: Yokoy hat Grosses vor und für dieses Grosse ist der alte Name zu klein. 

Nachdem wir unser Angebot um die Kartenoption erweitert haben, passte der alte Name nicht mehr zu uns, weil damit die Kartenoption und viele weitere Produkte, die noch in Entwicklung sind, nicht abgedeckt war

Das nächste Grosse: Die Firmenkarte ohne Gebühren für die Schweiz

Yokoy lanciert zusammen mit der Hypothekarbank Lenzburg die Yokoy Prepaid Business Mastercard. Nach Aussagen des Unternehmens die erste vollintegrierte und gebührenfreie Firmenbankkarte der Schweiz, die eine "revolutionäre Lösung für das Ausgabenmanagement" von Unternehmen bietet. Deshalb ist die neue Business-Karte (vorderhand) nicht separat erhältlich, sie ist Teil des Pakets der Spesenmanagement-Lösung von Yokoy.

Mit zu diesem Paket gehören neben der Karte die Yokoy-App für Firmenangestellte und die Yokoy-Webapplikation für Unternehmen. Mitarbeiter und Buchhaltungsabteilungen von Firmen können mit dieser Lösung auf ihren Applikationen für Smartphone und Desktop die jeweils aktuellen Buchungsstände der Spesenkonten einsehen. Das System meldet einzelnen Mitarbeitern, wenn sie noch Belege hochladen müssen. Übereinstimmende Belege und Daten der Yokoy Prepaid Business Mastercard werden automatisch zusammengeführt und für die Weiterverarbeitung in externen Finanzbuchhaltungssystemen bereitgestellt.

Was ist neu und revolutionär?

Nach Angaben von Yokoy das Folgende: Neu für den Schweizer Markt ist, dass Unternehmen für Transaktionen mit der Yokoy Prepaid Business Mastercard keine Fremdwährungs- oder Kartengebühren bezahlen müssen. Entsprechende Angebote gab es bisher vor allem für Privatkunden.

Neu ist auch, dass Unternehmen damit eine vollintegrierte Karte zur Verfügung haben. Die Yokoy Prepaid Business Mastercard ist über die Yokoy Plattform in den gesamten Abwicklungsprozess des Spesen- und Ausgabenmanagements eines Unternehmens integriert – vom Bezahlen bis zur Abbuchung auf dem Bankkonto und von der korrekten Verbuchung in der Finanzbuchhaltung bis zur konformen Archivierung.

Yokoy beschäftigt in Zürich ein eigenes Team aus Physikern und Mathematikern, das den Betrieb und die Weiterentwicklung des hauseigenen KI-Modells sicherstellt. Damit soll gewährleistet werden, dass auch wirklich alle Prozesse im Spesen- und Kartenabwicklungs-Management automatisiert werden können.

Business-Karte, App und Statistiken des FinTechs Yokay
Bild: Yokoy

Wie verträgt sich Yokoy mit bestehenden Systemen?

Offensichtlich bestehen keine Verständigungsprobleme, nach Angaben des FinTechs ist Yokoy bereits in allen wichtigen Finanz-, Personal- und Geschäftsreise-Tools integriert, wie zum Beispiel SAP, Abacus, Sage, MS Dynamics, Uber, Bta First Travel oder Travel Perk. Die Integration erfolgt mehrheitlich über den Programmierstandard REST API, was einen sicheren Datenaustausch in Echtzeit erlaubt. Die Lösung umfasst auch eine aktive Betrugsprävention, die den Kunden potenzielle Betrugsfälle automatisch anzeigt und sie einer manuellen Prüfung unterzieht.

Die Rolle der Hypothekarbank Lenzburg

Yokoy kooperiert mit der Hypothekarbank Lenzburg und kann mit der HBL als Herausgeberin die eigene Prepaid Business Mastercard lancieren. Die Open-Banking-Plattform der HBL wickelt die Zahlungen ab und stellt Yokoy über die offene Schnittstelle die Transaktionsdaten zur Verfügung.

Die kostenlose Business-Karte verzichtet auf Jahresgebühren, Fremdwährungszuschläge sowie Transaktionsgebühren in der Schweiz und arbeitet mit Interbank-Wechselkursen. Die Karte spielt deshalb direkt keine Erträge ein und wird sich einzig über Interchange Fees finanzieren können.

Mit Yokoy nimmt die Hypothekarbank Lenzburg ein weiteres Mitglied in ihre wachsende Open-Banking-Community auf. Marianne Wildi, CEO der HBL, sieht im Yokoy-Projekt einmal mehr bestätigt, dass "Open Banking für Endnutzerinnen und Endnutzer finanzielle Vorteile bringt". Zusätzlich stellt Wildi einen Wegweiser in Richtung ihrer eigenen Zukunftspläne auf:

Gleichzeitig ist die Ankündigung ein Meilenstein für unseren jungen Geschäftsbereich mit Prepaid-Karten, wo wir weiteres Potenzial sehen

Notwendige Revolution oder "Revolut for Business für die Schweiz"?

Nach Aussagen von Yokoy das eine ganz sicher und das andere vielleicht. CEO Philippe Sahli erkennt Parallelen, ortet Lücken und erklärt sich mit folgenden Ausführungen:

«Wir sind überzeugt, dass das Firmenkartengeschäft eine Revolution nötig hat. Mit den Angeboten von Revolut, N26, Neon und Co. erwarten die Kunden heute eine vollintegrierte und gebührenfreie Karte, die komplett online verwaltet werden kann. Die Businesslösungen von den Neobanken fokussieren oft stark auf Bankendienstleistungen, bei denen das Prozessmanagement und Aspekte der Systemanbindungen zu kurz kommen. Als wir unseren Kunden von der revolutionären Firmenkarte ohne Gebühren erzählten, wurden wir oft gefragt, ob wir das neue Revolut for Business für die Schweiz seien. Man könnte uns so bezeichnen, jedoch decken wir zusätzliche Aspekte ab wie die Systemanbindungen, Mehrwertsteuerkonformität und flexible Genehmigungsflüsse.»

Unser Kommentar

Ob das eine, das andere oder beides – das FinTech Yokoy hat vor einem Jahr mit einer starken Idee und einem interessanten Geschäftsmodell einen überzeugenden Start und Markteintritt hingelegt. Nach nur gerade zwölf Monaten hat das Startup bereits über hundert nationale und internationale Kunden in seinem Portfolio. Die Erweiterung mit den gebührenfreien Business-Karten ist ein kluger Schachzug, macht das Gesamtpaket zusätzlich attraktiv und lässt für die Zukunft Expansion in verschiedene Richtungen zu.

Im Moment besetzt Yokoy als Spezialist eine interessante Nische. Die Namensänderung ist ein Indikator dafür, nicht der einzige, dass Yokoy auf Dauer nicht unbedingt und ausschliesslich in dieser Nische bleiben will. Sollte die "Revolution" mit den kostenfreien Firmenkarten gelingen, könnten nächste Schritte folgen, welche das FinTech näher ans "Revolut for Business" heranführen.

Momentan ist Yokoy keine Neo-Bank und auch noch kein Revolut – mit der Partnerin Hypothekarbank Lenzburg und deren Open-Banking-Ökosystem im Rücken ist das Terrain jedoch perfekt vorbereitet, um das werden, was Yokoy werden will. So oder so ist Yokoy ein FinTech, das auch in Zukunft auf die eine oder andere Weise FinTech-Geschichte schreiben wird. Wir agieren als Beobachter und werden mitschreiben.