Swiss Digital Finance Conference 2019

Digitale Transformation und Open Banking – Fluch oder Segen für die Schweizer Banken?

Prof. Dr. Georges Grivas
Prof. Dr. Georges Grivas (Bild: Rishi Chattopadhyay)

An der Swiss Digital Finance Conference der Hochschule Luzern diskutiert die Finanzwelt über die Herausforderungen des digitalen Zeitalters – Rishi Chattopadhyay war für uns mit dabei und teilt seine Notizen.

Mit der digitalen Revolution im Finanzbereich gerät der Bankenplatz Schweiz immer mehr unter Zugzwang: Wo sind Änderungen nötig? Wo sind sie möglich? Wo erlaubt? Wer muss sich bewegen? In welche Richtung? Wie können Schweizer Finanzinstitute und Schweizer FinTechs ihre Vorreiterrolle in einem immer globaleren Markt behaupten und ausbauen?

Bereits zum siebten Mal hat die Hochschule Luzern Exponenten aus der Finanzwelt zur Swiss Digital Finance Conference eingeladen, um in Rotkreuz die aktuellen Herausforderungen zu diskutieren. Digitale Transformation und Digitalisierung in all ihren Ausprägungen, im Zentrum deren Chancen und Risiken – beides hat ausgewiesene Experten und Gäste letzte Woche beschäftigt und aus der Reserve gelockt.

Bisherige Geschäftsmodelle unter Druck

In seiner Begrüssungsrede fokussierte Prof. Dr. Georges Grivas auf aktuelle Trends, welche die derzeitigen Geschäftsmodelle und deren langfristige Tragfähigkeit bei klassischen Banken verstärkt unter Druck setzen. Vermehrt wird die Übernahme oder die Zusammenarbeit mit FinTechs als strategische Option von Banken wahrgenommen. Die Präsenz der sogenannten GAFA-Gruppe (Google, Amazon, Facebook, Apple) wird deutlicher in der Schweiz, nachdem zuletzt Facebook mit Libra Networks einen Ableger im Payment-Bereich in Genf gegründet hat.

Eine Lanze für Open Banking

Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg, bricht eine Lanze für das Open Banking in der Schweiz. Sie zeigte gleich am Beispiel der Regionalbank auf, wie wichtig die Digitalisierung und Innovation in der Zusammenarbeit mit externen Anbietern über eine Schnittstelle ist. Dies um technologischem Fortschritt und Kundenansprüchen besser zu entsprechen, wobei der Kunde die Kontrolle über seine Daten erhält. Allerdings, meinte Wildi, dass es kein „One-Size-fits-all“-Rezept in der Digitalen Transformation gibt. Wichtig sind intelligente Partner und die Herkunft und vor allem: Menschen und Kunden stehen im Zentrum des Handelns.

Digital Banking und die Chancen

Aus der Sicht von Martin Meyer, Head Innovation GWM UBS, liegen die Chancen des Digital Banking bei Realtime-Daten (Echtzeitdaten im Ökosystem), transparenten Offerings, Pay per Usage (nur das Bezahlen, was wirklich genutzt wird), „Banking by digital Twin“ und offenen Value Chains. Diese Chancen werden durch Megatrends und gesellschaftlichen Veränderungen vorangetrieben. Er zeigte diese Veränderung und den Einsatz von Technologie am Beispiel von Shenzhen in China auf. In der Schweiz hingegen haben wir eine Tradition für Vertrauen, Transparenz und Sicherheit, welche Chancen für die Zukunft sein können. Bei der UBS haben diese Entwicklungen und Veränderungen einen Einfluss auf die Kundensegmentierung der Zukunft.

Martin Meyer
Martin Meyer (Bild: Rishi Chattopadhyay)


Ziele und Aktivitäten der SBVg

Für die Schweizerische Bankiervereinigung präsentierte Adrian Schatzmann die Digitalisierungsziele und den Approach zu dieser Thematik aus einem anderen Blickwinkel. Einerseits mit ihrer Organisation um die verschiedenen Themengebiete Open Banking, Swiss Cloud, DLT, Information Security und den verschiedenen Akteuren im Ökosystem. Andererseits mit den Prioritäten der SBVg für die Zukunft, wie zum Beispiel die E-ID Identifizierung im Internet, einem Leitfaden zur Eröffnung von Konti für Blockchain-Unternehmen und einer Open Banking-Arbeitsgruppe mit Experten.

Podiumsdiskussion mit Fokus auf Asien

In der Podiumsdiskussion zum Thema "Kommt bald die Disruption im Digital Finance aus Asien?" wurden verschiedene Ereignisse und jüngste Entwicklung aus dieser Region beleuchtet. Mit der Erkenntnis, dass die Digitalisierung rasant voranschreitet, insbesondere in Asien, wobei China im Zentrum steht. Konsens: Wir in der Schweiz brauchen uns davor nicht zu fürchten, mit der richtigen Einstellungen können sich Chancen daraus ergeben.

Schnelles Onboarding als Chance

Markus Schwab, Programmleiter Digitale Transformation bei der Postfinance, kündigte an, dass das Finanzinstitut ab Oktober 2019 Client Onboarding inkl. E-Banking-Zugang innerhalb von 10 Minuten anbieten möchte. Als Teil seiner Präsentation zum Thema Digitale Transformation – unser Weg zum digitalen „Everyday Banking“ – zeigte er zudem auf, welche positive Wirkung die jüngste TV-Kampagne zum Thema Cyber Security auf die Zahl der Neukunden für die Postfinance hatte.

Swissness als Erfolgsfaktor

In seiner energiegeladenen Rede erzählte Daniel Peter, CEO von Viac, seine Geschichte vom Aufbau und von gemachten Erfahrungen als FinTech Startup im Bereich Private Vorsorge in der Schweiz. Die mobile Lösung, Viac war bisher ausschliesslich auf Smartphone zu managen, wird nun als nächstes um eine Web Browser-Version erweitert und punktet zudem mit der Swissness. Die digitale Vorsorgelösung findet so viel Anklang, dass Viac inzwischen mehr als 160 Millionen Franken Vorsorgevermögen generieren und über 11‘000 Kunden begeistern konnte.

Daniel Peter
Daniel Peter (Bild: Rishi Chattopadhyay)


Mustererkennung und Machine Learning

Finnova mit Nikolai Tsenov, Product Manager Data Analytics & Compliance, zeigte, wie man mit Hilfe des "Analytical Framework & Evolutionary Learning", bestehenden Stamm- und Transaktionsaktions-daten mit Mustererkennung und Maschinellem Lernen verschiedene Anwendungsfälle analysieren kann. Die Lösung soll ein unbeschränkt skalierbar sein und eine Ergänzung als Banking as a Service.

Simplicity für Kunden

Apropos Service, Martin Stadler, CEO von Altoo, präsentierte seine Vision und Lösung der Zukunft von Wealth Management und Open Banking mit dem Altoo-Produkt in Form eines Dashboards, das die Vermögenwerte (bankable & non-bankable) sowie deren Einkommensströme sichtbar und fassbar macht. Inzwischen arbeitet die FinTech-Boutique bereits mit 35 Banken als Partner zusammen, um Simplicity für die vermögende Kunden zu schaffen.

Martin Stadler
Martin Stadler (Bild: Rishi Chattopadhyay)


Okosystem für digitale Vermögenswerte

Peter Schnürer, CEO von Daura, erklärte den Weg seines Unternehmens, um mit den ausgewählten Partnern ein Ökosystem für digitale Vermögenswerte, insbesondere die Digital-Aktie, zu schaffen. Damit wollen die Macher Vertrauen und Rechtssicherheit über Innovation auf dem Schweizer Finanzplatz etablieren und eine effiziente Alternative für Schweizer KMU sein.

Banken und Kryptos

Zum Abschluss der FinTech-Serie konnte Dr. Christian Katz, Chairman Swiss Crypto Exchange (SCX), die „multilaterale Crypto-Plattform im Bankenmarkt Schweiz“ präsentieren. Grosse Unternehmen sind bereits im Kryptomarkt aktiv und die SCX ist hier ein neuer Baustein in der Crypto Value Chain seit Juni 2018. Als Unternehmen möchte sich die SCX mit der Swissness und mit der Einhaltung der heimischen Gesetze und Standesregeln von anderen Mitbewerbern im Bereich Qualitätssicherung abheben. Der Zugang findet über offene, neutrale Plattformen für die Banken statt, welche die Liquidität vereinfachen soll. Kooperationen sollen in der gesamten Wertschöpfungskette stattfinden. 

Die Wertschöpfungskette aufbrechen

Mit Blick in die Zukunft meinte Prof. Dr. Georges Grivas zum Abschluss der Konferenz, dass das Aufbrechen der Wertschöpfungskette im Banking auch Türen für neue digitale Geschäftsmodelle öffnet. Er verwies darauf, dass Schweizer FinTechs stark wachsen, namentlich die Blockchain-Entwicklungen rasant voranschreiten und traditionelle Banken langsam unter Druck geraten. Deshalb würden erfolgreiche Banken verstärkt auf die Themen Künstliche Intelligenz, Robotics und Digitalisierung der internen Prozesse fokussieren.

Der Autor: Rishi Chattopadhyay

Rishi Chattopadhyay ist Spezialist für die Transformation des digitalen Geschäfts. Als unabhängiger Berater begleitet er Unternehmen in Business & Finance bei den Herausforderungen und im Übergang auf dem Weg zum nächsten "grossen Ding".

Vor seiner Zeit als Berater war Rishi in unterschiedlichen Positionen bei UBS, Credit Suisse, Coutts und Bank Julius Bär engagiert. Bei verschiedenen Finanzinstituten war er für umfangreiche Change-Management- und Digitalisierungsprojekte verantwortlich.

Rishi verfolgt die Mission, die FinTech- und WealthTech-Welt aufzubauen und weiterzuentwickeln. Unter anderem ist er Mentor und Fachexperte im F10 FinTech Incubator & Accelerator.