Finanzplatz Schweiz

Daniel Dahinden von SIX über seine Ziele mit der neuen Business Unit Innovation & Digital

Daniel Dahinden, Head Business Unit Innovation & Digital, SIX (Bild: Sonya Fricker)

SIX baut um und erfindet sich neu. Mit der neugeschaffenen Business Unit Innovation & Digital bekommen Innovationen und Digitalisierung ein zusätzliches Gewicht.

Wer ist der Mann, der mit der digitalen Unit die Herausforderungen der Zukunft annimmt und mit SIX zu neuen Ufern aufbrechen will? Wir haben mit Daniel Dahinden, Head Business Unit Innovation & Digital, ein ausführliches Gespräch geführt.

SIX gibt sich eine neue Struktur – wie sieht sie aus und wann steht die neue Struktur offiziell?

Die neue Struktur greift seit 1. April 2018 und so sieht sie aus: Der Börsenteil wird mit dem Post-Trading zusammengelegt in Securities & Exchanges, das ist die erste Business Unit. Dann gibt’s weiterhin Financial Information, so wie man’s bereits gekannt hat. 

Der Zahlungsteil wird aufgesplittet in Payments, der Bereich rund ums Zahlen in der Schweiz. Dabei geht es darum, alles zusammenzufassen, so dass man wirklich die ganze Wertschöpfungskette in einem Fluss anbieten und auch laufend weiterentwickeln kann. Also zum Beispiel ATM, Debit-Processing, Twint, aber auch das Interbank-Clearing, Paynet, die elektronische Rechnung. Der andere Teil ist der Bereich Cards, der das Kartengeschäft im Ausland und auch das Merchant-Geschäft in der Schweiz umfasst. 

Um Innovationen und die Digitalisierung im Inland zu stärken, gibt’s neu die Business Unit Innovation & Digital, welche ich seit Anfang April führen darf.
 

Hilfreich wäre eine klarere Strategie für den Finanzmarkt Schweiz

Der Bereich Innovation ist mit der neuen Business Unit Innovation & Digital, welche auf Augenhöhe mit den anderen Units steht, heraufgewichtet worden. Was war der Grund dafür?

Es geht darum, das Gesamte zu stärken. Die Welt wird in fünf oder zehn Jahren nicht mehr dieselbe sein wie heute. Wenn wir zurückschauen, ist es noch nicht so lange her, da hat man nicht elektronisch gehandelt (bis zum 8. Dezember 1995) – und seither verändert sich unglaublich viel:

Prozessoptimierung durch neue Technologien wie zum Beispiel DLT oder Automatisierung bis hin zu Artificial Intelligence, die eine Rolle spielen wird.

Das sind Entwicklungen, Technologien und Themen, mit denen wir uns beschäftigen, um möglichst schnell digitale Innovationen für das Produkt-Portfolio von SIX zu entwickeln. Und das ist der Grund, weshalb SIX der Unit Innovation & Digital ein neues Gewicht gegeben hat.

Die übergeordnete Strategie hinter diesem Umbau?

Im Rahmen von diesem ganzen Umbau SIX 2020 wollen wir die verschiedenen Wertschöpfungsketten (Bezahlen in der Schweiz, Finanzinformation, Handel und Abwicklung) effektiver bündeln und unsere Marke stärken. SIX soll von unseren Kunden als ein Unternehmen wahrgenommen werden. Nicht wie in der Vergangenheit teilweise sichtbar durch eine der vier Geschäftsbereiche an einem spezifischen Anlass, es gibt neu eine SIX. Dadurch, dass wir gewisse Aktivitäten in der Unit Innovation & Digital bündeln und erweitern, werden wir stärker, wir haben mehr Muskeln. Dadurch wird dann auch die Aussenwahrnehmung klarer und die Stakeholder wissen, mit wem sie zu welchem Thema bei SIX reden können.

Die Welt wird in fünf oder zehn Jahren nicht mehr dieselbe sein wie heute

Wird SIX mit der neuen Struktur agiler und flexibler – bildlich gesprochen, vom einstigen Supertanker zur Schnellboot-Flotte?

Wir müssen beide Aspekte abdecken, Stabilität und Agilität. Unsere Services müssen 24/7 zur Verfügung stehen, zuverlässig und sicher, sonst haben nicht nur einzelne Banken oder Finanzteilnehmer ein Problem, sondern die ganze Schweiz. Das ist die eine Seite, die nach wie vor höchste Priorität geniesst. 

Auf der anderen Seite, dem sind wir uns bewusst, haben Firmen und Produkte heute andere Lebenszyklen, neue Services kommen sehr schnell auf den Markt. Für uns heisst das: Wir brauchen Gefässe und Formate, in welchen wir neue Produkte und Dienstleistungen schneller entwickeln können. Dabei spielen für uns Proof of Concept und ein Minimal Viable Product eine grosse Rolle, so dass wir Schritt für Schritt lernen können, ob und wie eine Produkt-Idee funktioniert oder nicht. 

Ist dann das neue Produkt auf dem Markt, transferieren wir es in die „stabile Welt“ der bestehenden Services. Die ganze Entwicklung muss losgelöst funktionieren, damit wir diese Agilität bringen können. Auf der anderen Seite dürfen die Distanzen zur stabilen Welt nicht zu gross sein – was wir tun, soll ja am Ende wieder innerhalb von robusten Service-Umgebungen laufen und neuen Nutzen bringen.

Der Geschäftsbereich Innovation & Digital als neu positionierte Unit ist sicher mehr als ein gleichgewichteter Punkt im Organigramm, was noch: Bekenntnis, Absichtserklärung, etwas ganz anderes?

Es ist ein Signal. Das Signal, dass wir Neues und Innovatives aufnehmen und verfolgen wollen. Ideen decken einen sehr weiten Rahmen ab. Da sind sehr neue Ideen mit sehr neuen Technologien, die auf der einen Seite stehen. Zum Beispiel die Frage: was könnte man mit einer DLT machen, wo kann man DLT in der Finanzinfrastruktur einsetzen, wo stiftet sie effektiv einen Nutzen?

Auf der anderen Seite wollen wir aber auch neue Services für Bestehendes entwickeln. Zum Beispiel für Leistungen, welche die Banken heute selber erbringen. Sagt eine bestimmte Bankengruppe, es würde Sinn machen, dass man etwas zusammenlegt, dann haben wir mit Innovation & Digital heute ein Gefäss dafür. Wir können Ideen konkret aufnehmen, vorantreiben und Lösungen entwickeln, um die Banken zu onboarden, um diese Ideen gemeinsam umzusetzen. 

Bekenntnis oder Absichtserklärung? Es ist mehr als das, es ist das klare Signal und ein Versprechen, dass wir Ideen von relativ konkret bis zu relativ weit vorausschauend annehmen wollen und mit Energie dahinter gehen, damit etwas Gutes dabei herauskommt.
 

Der Zug ist definitiv nicht abgefahren, aber wir müssen hart am Ball bleiben

Wer profitiert am meisten von der Unit Innovation & Digital: Banken als Kunden und Miteigentümer von SIX? Oder Startups und FinTechs?

Alle profitieren. Wenn zum Beispiel eine Bankengruppe eine Idee hat, um gewisse Prozesse effizienter zu gestalten, dann profitieren diese Banken, weil sie entweder einen Qualitäts-oder Geschwindigkeitsgewinn haben oder auch Kosten einsparen und an Effizienz gewinnen. 

Auf der anderen Seite sind wir sehr stark in FinTech, RegTech, Security und anderen Bereichen engagiert. Wir haben unser Incubator & Accelerator-Programm F10, das wir betreiben, und werden uns mit einem Venture Capital Fund an Startups beteiligen. Bei all diesen Engagements geht’s darum, Ideen und Innovationen, welche in drei oder fünf Jahren relevant sind, heute zu unterstützen und voranzutreiben.

Es ist wichtig, beide Bühnen zu bespielen. Wenn man nur macht, was in zehn Jahren relevant ist, mag das gut und recht sein, aber die Banken haben den Benefit eben nicht nächstes oder übernächstes Jahr. Würden wir uns auf der anderen Seite nur auf das konzentrieren, was in sechs Monaten relevant ist, dürfte diese Einseitigkeit und kurzsichtige Optik langfristig zum Risiko für den Schweizer Finanzplatz werden.

Kooperationen zwischen Banken und FinTechs sind Gang und Gäbe. Dennoch liegen die Interessen nicht durchwegs auf derselben Linie, Stichwort PSD2 und Open Banking. Wo schlägt bei Differenzen das Herz der Unit Innovation & Digital?

((Daniel Dahinden lacht)) Da gibt’s eine salomonische Antwort: Wir sind per se für den Schweizer Finanzmarkt da. Und in dieser Konstellation, wo wir mit Banken zusammenarbeiten und deren Ideen unterstützen, sind wir ihnen auch zu hundert Prozent verpflichtet. 

Aber innerhalb der Formate, in denen wir Startups unterstützen, kann es durchaus auch mal sein, dass wir eine Idee aufnehmen, die aus heutiger Sicht noch ein Stück weit in Konkurrenz zu den Banken steht, bei der wir jedoch überzeugt sind, es ist ein Engagement, das langfristig beiden Seiten Nutzen bringen kann. 

Es ist immer auch ein Abwägen. Natürlich unterstützen wir keine Projekte, welche den Banken später Probleme schaffen. Themen eher am Rand der heutigen Finanzmarktaktivitäten müssen jedoch möglich bleiben, für die setzen wir uns auch ein. Es geht um die Balance und darum, den richtigen Weg zu finden. Wir wollen nicht angreifen und zerstören, wir wollen schon heute Nutzen schaffen, aber auch langfristig denken und agieren, damit die Schweiz und unser Finanzmarkt auch in Zukunft international sehr wettbewerbsfähig bleibt.

Durch die Unit Innovation & Digital werden wir stärker, wir haben mehr Muskeln

Im Vergleich zu den anderen Units operieren Sie in Umfeldern mit einer anderen Dynamik – Digitalisierung, Entwicklungen und Märkte verändern sich laufend und sehr schnell – wie kann Innovation & Digital hier am Ball bleiben? Mit wem und für wen?

Zum einen müssen wir sicher ein Ankerpunkt sein, ein natürlicher Go to-Place, wo die Banken mit neuen Ideen hingehen können. Das gibt Impulse. Dann betreiben wir generell ein Technologie-Scouting, Stichwort DLT und andere Technologien. Wir starten Pilotversuche und testen Dinge, um herauszufinden, was der Vorteil dieser bestimmten Technologie sein kann – oder eben auch nicht. 

Märkte und Entwicklungen beobachten wir sehr genau, Impulse und Ideen kommen von allen Seiten: Markt, Bankenwelt, FinTechs und aus unseren eigenen Reihen. In der Diskussion mit Exponenten aus verschiedenen Lagern kristallisiert sich heraus, welche Projekte wir gemeinsam angehen wollen. Und es gibt immer zwei, drei Themen, die wir von SIX für eine zukunftsorientierte Schiene halten, da gehen wir auch in Vorleistung. Auch wenn noch nicht ganz klar ist, was dabei herauskommen wird...

...was dann wiederum zu einem Angebot für die Banken führen kann...

Genau!

SIX lanciert neu einen Venture Fund, dotiert mit 50 Millionen Franken, um Innovationen auf dem Finanzplatz Schweiz zu fördern. Für wen steht der Fund offen?

Dieser Fund soll in erster Linie da sein, um den Schweizer Finanzmarkt nachhaltig zu stärken. Es geht also nicht einfach nur um SIX, die in Startups investiert, um bei einem späteren Exit das Startup zu kaufen, das ist nur eine mögliche Form. Wir wollen generell in Ideen, Technologien und Projekte investieren, von welchen der gesamte Finanzplatz Schweiz profitieren kann. Das kann ein Infrastruktur-Service sein oder Services, welche für mehr als eine Bank neuen Nutzen schaffen können. Das ist der strategische Rahmen des Venture Funds.

Wir wollen wirklich die besten Startups haben, das heisst wir schauen, dass es finanziell erfolgreich ist. Jetzt kann man sich vorstellen, dass es zwar viele Startups gibt in der Schweiz, aber vielleicht doch nicht genug, um 50 Millionen zu investieren. Deshalb schauen wir nicht nur in die Schweiz, sondern auch in Europa und weltweit Startups an, die relevant sind in den Bereichen FinTech, RegTech und Security, aber auch generell in neuen Technologien. Wie und wo investiert wird, ist immer auch abhängig von den Opportunitäten. 

Sind international Scouts unterwegs, welche die besten Startups weltweit finden?

Ja, selbstverständlich haben wir ein Team, welches das Scouting betreibt und sehr viele Beziehungen unterhält. Beziehungen in diesem Markt gehören zu den wichtigsten Elementen. Nur so haben wir Zugang zu Startups und Startup-Ideen, welche man noch nicht physisch gesehen hat, die noch nicht im Markt präsent sind. Über unsere Kontakte und unser Netzwerk werden Ideen und konkrete Projekte in Entstehung auch von aussen an uns herangetragen. 

Dieser internationale Ideen-, Innovations- und Talent-Pool ist zentral wichtig und mit ein Grund, warum man diesen Fund aufgesetzt hat und auch das Acceleration betreibt. Natürlich gibt es auch Innovationen und Projekte, die wir selber entwickeln und vorantreiben, aber man kann nie alles machen. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch schauen, was andere entwickeln, wer wo herausragende Ideen verfolgt, die für uns interessant sein können. 

Gerade als Investor ist man sehr nah dran am Startup und an den Machern. Wir stellen ja nicht nur Geld zur Verfügung, sondern verschaffen Zugang zu den Banken, zu Experten und Spezialisten oder auch zu relevanten Daten. Über diesen Austausch lernt man selber sehr viel, erkennt die Chancen und kann gemeinsam Wege planen. 

Innovation kann man nicht über Organisation machen, mit einer starren Organisation würde ich der Entwicklung immer hinterherhinken

Welches Gremium entscheidet über die Investitionen?

Die Venture Funds- und Startup-Welt ist eine sehr schnelle, Entscheidungen müssen direkt und schnell gefällt werden können. Es wird ein Investment-Komitee geben, welches diese Investments absegnet. 

Setzt sich dieses Gremium aus SIX- oder aus Bankenwelt-Exponenten zusammen?

Das ist unser Fund, deshalb wird auch SIX darüber entscheiden, wie sich das Komitee zusammensetzt. Welche internen oder externen Experten und möglicherweise Berater dabei eine Rolle spielen werden, ist im Moment noch in der Diskussion.

Investiert SIX in ein Startup, ist das ein bisschen wie heiraten und das FinTech ist fast schon gekauft – oder geschieht die Förderung wohl mit intensiven Begleitprogrammen, aber dennoch mit einer gewissen Freiheit?

Wir wollen ganz bewusst dieses FinTech in erster Linie fördern. Das heisst, wenn wir das Startup zu nah an uns herannehmen, würden wir es womöglich erdrücken und das hätte vermutlich eher den Aspekt eines internen Ventures. Wir möchten ja ein Maximum herausholen, und das kann auch dazu führen, dass bei einem Exit der neue Shareholder eben nicht SIX ist. 

Aber klar, auch dann hoffen wir natürlich, dass wir einen guten Case für uns gemacht haben. Das ist dann der Fall, wenn wir viel gelernt und auch finanziell eine gute Nase gehabt haben.
 

Ich glaube, die Risiken liegen darin, dass wir noch nicht schnell genug agieren

Was ist für die Zukunft mit F10, dem Incubator & Accelerator von SIX und Partnerunternehmen geplant?

Das Acceleration-Programm ist für uns weiterhin sehr wichtig. Es hilft uns dabei, zu erkennen, ob wir am Puls der Zeit operieren und was in der Szene läuft. Wir bekennen uns weiterhin klar zum F10, so wie bisher. 

Welche Rolle spielt das Innovations@SIX Lab?

Das ist sozusagen die Engine von Innovation und Digital. Die Mitarbeitenden des Innovations@SIX Lab sind es nämlich, welche aktiv dabei helfen, Ideen vorwärts zu treiben durch all diese Gates, bei welchen vielleicht auch mal eine Idee stirbt oder aber neuen Schwung erhält für das nächste Gate. 

Es sind diese Leute, diese Mitarbeitenden, die ein Proof of Concept machen oder ein Minimum Viable Product entwickeln. Um eine Idee schnell konkret werden zu lassen, damit ein Kunde oder ein externer Partner auch wirklich sagen kann: Ja, das macht Sinn, das löst unser Problem – oder eben doch nicht so wirklich.

Wo sind diese Mitarbeiter physisch positioniert?

Im Moment ist dieses Lab-Team in der Location der F10 angesiedelt. Sie werden jedoch über die nächsten Monate bei uns sozusagen örtlich vereint, weil die Idee schon dahingeht, gemeinsam näher zu operieren, um einen optimalen Austausch zu gewährleisten. 

Wir haben den Mut, Zukunftsvisionen in Szenarien zu entwickeln und Pictures of Future anzubieten

Zum innovativen „Inventar“ der neuen Unit gehören SIX Hackathon, FinTech Games, Venture Fund, F10, Innovations@SIX Lab – was noch?

Wenn wir schon bei der Auslegeordnung sind: Es gibt den Bereich Open Innovation, mit dem wir, zusammen mit Associations, der Schweizerischen Bankiervereinigung, Universitäten, Fachhochschulen und anderen aktiv als Member operieren. Dabei geht es darum, auch im Austausch mit Verbänden, Kunden oder anderen Stakeholdern neue Vorhaben zu diskutieren, die in einer sehr frühen Phase angepackt werden müssen.

Mit zur Auslegeordnung gehört Innovation Management, das ist das ganze Gating sozusagen. Innovation Management konkretisiert die Ideen, zusammen mit unserem Innovation Lab, bewertet Innovationen und treibt sie durchs nächste Gate, bis wir ein Minimum Viable Product haben. Dieses MVP geht entweder in eine Business Unit über, damit man es schnell umsetzen kann, oder in unseren sogenannten Company Builder.

Company Builder heisst: Ideen werden unterstützt, gewissermassen wie ein internes Startup. Konkret wird ein Projekt begleitet, damit die Innovation über einen längeren Zeitraum von bis zu 24 Monaten entwickelt werden kann. So lange, bis Umsatz da ist, Verträge mit Kunden abgeschlossen worden sind und man entscheiden kann, ob das Startup integriert wird oder selbständig als Unternehmen operieren wird.
 

Grosse Technologie-Player wollen immer mehr machen im Finanzbereich, wir können es uns nicht erlauben zu schlafen

Alle diese Initiativen zusammengenommen, ist das Philosophie, sind das physische Abteilungen oder Menschen in verschiedenen Abteilungen?

Generell denken wir in Vorhaben, das ist die wichtigste Dimension. Ich habe eine Idee, die ich irgendwohin bringen möchte, ich habe ein internes Venture, mit dem ich Umsatz machen möchte oder ich habe einen Hackathon, den ich durchführen möchte – das ist meine Hauptdimension, nach der wir arbeiten und wie ich diese Business Unit sehe. 

Natürlich haben wir im Hintergrund eine Organisations-Struktur, aber Innovation kann man nicht über Organisation machen. Man weiss bei einer neuen Idee zuerst nie, mit wem man reden muss, mit einer starren Organisation würde ich der Entwicklung immer hinterherhinken. 

Wenn ich hingegen jedem Thema einen bestimmten Owner gebe, habe ich damit jemanden, der sich für die Idee engagiert, die richtigen Verbindungen knüpft und sich überlegt, mit wem sollte ich reden, wen muss ich ins Boot holen. Da bestehen dann keinerlei Grenzen, nicht innerhalb der Unit Innovation & Digital, nicht innerhalb von SIX und schon gar nicht im ganzen Umfeld von Partnern, Kunden und anderen Parteien.

Ein ganz wichtiger Punkt zu diesem Thema: Wir allein von Innovation & Digital können den Schweizer Finanzplatz nicht weiterbringen, es ist ein Zusammenspiel mit allen Partnern und Akteuren – es ist Kooperation. Nur so funktioniert das – und dazu ist die Bereitschaft und Unterstützung intern und extern spürbar vorhanden.

Ich möchte neue spannende Services entwickeln, gemeinsam mit meinen Partnern, von FinTechs bis zu Banken

Zeitschnitt, wir schreiben das Jahr 2023: Wo steht die Unit Innovation & Digital heute?

SIX hat neue Produkte und Services im Portfolio, welche Innovation & Digital verlassen haben und organisatorisch an richtigen Ort angebunden sind. Wir haben eine sehr gute Reputation auf dem Finanzmarkt, aber auch SIX-intern, in Richtung von: das ist ein Platz, wo Ideen wirklich angepackt und in die Realität umgesetzt werden.

Und, was wir auch geschafft haben, wir sind, gemeinsam mit unseren Partnern, als Thought Leader positioniert. SIX nimmt Stellung zu zentralen Themen und zu relevanten Technologien. Wir schauen vorwärts und haben den Mut, Zukunftsvisionen in Szenarien zu entwickeln, Pictures of Future anzubieten. Ohne Glaskugel, in denkbaren Szenarien eben, um besser auf die Zukunft vorbereitet zu sein.

Ich bin überzeugt, dass wir in fünf Jahren durch viele gemeinsame Schritte und Projekte kompetitiv wirklich gut aufgestellt sind, auch im internationalen Kontext. 

Stichwort internationaler Kontext: Wo wird die Schweiz 2023 stehen im internationalen Vergleich?

Die Schweiz ist ein föderalistisches Land, das merkt man auch bei Industrie-Strategien. Hilfreich wäre, eine klarere Strategie für den Finanzmarkt zu haben und gemeinsam zu verfolgen. Ich finde diesbezüglich offene Türen und sehe Commitment von der Verwaltung, vom Bund, beziehungsweise von den Behörden, die den Finanzmarkt wirklich unterstützen. Könnte man all diese Intentionen noch präziser zusammenbringen und bündeln, wäre das ein grosser Vorteil. 

Der Markt ist inzwischen sehr umkämpft, Singapur, Hongkong und andere Plätze agieren sehr erfolgreich. Dazu kommen die grossen Technologie-Player, die immer mehr machen wollen im Finanzbereich, Apple, Google und andere, wir können es uns also nicht erlauben zu schlafen. Der Zug ist definitiv nicht abgefahren, aber wir müssen hart am Ball bleiben. 
 

Es gibt Länder, die innovativere Bankenprodukte hervorgebracht haben

Um den Ball auch ins Tor zu bringen, wo sehen sie die grössten Chancen und Risiken?

Ich glaube, die Risiken liegen darin, dass wir noch nicht schnell genug agieren. Wo der Finanzmarkt in fünf oder in zehn Jahren steht, hängt auch mit klaren, langfristigen Strategien zusammen. Wir sind noch zu langsam unterwegs, was die globale Entwicklung betrifft, halten zu stark an alten Prozessen, Produkten und Services fest, die nicht mehr State of the Art sind. Es gibt Länder, die innovativere Bankenprodukte hervorgebracht haben. 

Unsere grosse Chance liegt aber ganz klar in der Wahrnehmung der Schweiz. Wir sind ein neutrales und sehr verlässliches Land, die Rechtssicherheit ist stabil. Wir sind ein Land mit einem Service, der funktioniert und der Sicherheit vermittelt. All die Attribute, welche man einem Finanzprodukt zuordnet, dafür steht die Schweiz. In sehr vielen anderen Branchen, zum Beispiel in der Maschinen-, Uhren- oder in der Lebensmittelindustrie, werden diese Werte ebenfalls verkörpert. Zusammengenommen ist das ein sehr wertvolles Gütesiegel, das immer auch als Chance genutzt werden kann. Kombinieren wir diese Werte klug mit neuen Services, dann ist die Schweiz gut positioniert. 

Daniel Dahinden, was sind ihre ganz persönlichen Pläne und Ziele für den Finanzplatz Schweiz und für die Business Unit Innovation & Digital?

Ich möchte neue spannende Services entwickeln, gemeinsam mit meinen Partnern, von FinTechs bis zu Banken. So, dass wir zusammen wirklich neuen Nutzen generieren können für den Schweizer Finanzplatz – und uns dadurch als Finanzplatz und letztlich auch als Land und als Schweiz noch wettbewerbsfähiger machen.

Der Interviewpartner: Daniel Dahinden

Daniel Dahinden ist Head Business Unit Innovation & Digital und zeichnet seit 1. April 2018 verantwortlich für die Führung der neu geschaffenen Unit bei SIX. Er ist seit zwei Jahren bei SIX engagiert, zuvor als Head Corporate Development.

Daniel Dahinden ist Generalist mit breitem Erfahrungshintergrund und gleichzeitig ein ausgewiesener Spezialist in den Bereichen Innovation, Strategie und Business Development. Er hat in Zürich studiert und an der ETH mit dem Master Chemical Engineering abgeschlossen. Zudem er ein MBA der Nanyang Technological University in Singapur sowie den Master in Strategy & International Management der Universität St. Gallen.

Vor seiner Zeit bei SIX war Daniel Dahinden in verschiedenen leitenden Positionen bei Sulzer und bei Oerlikon engagiert. Zuvor war er als Berater für die Boston Consulting Group tätig.