Zahlen & Fakten

22. CEO Survey von PwC: Die Einen denken so, die Anderen ganz anders

Künstliche Intelligenz
Bild: nadla | Getty Images

Im weltweiten Vergleich mit 1'350 CEOs aus über 90 Ländern sind Schweizer CEOs oftmals "die Anderen". Zum Beispiel beim Thema der Künstlichen Intelligenz.

Das Beratungsunternehmen PwC befragt jährlich CEOs auf der ganzen Welt zu relevanten Themen, welche Technologie, Wirtschaft, Politik und Digitalisierung betreffen. PwC hat letzte Woche die Resultate der diesjährigen Umfrage präsentiert, an der sich mehr 1'350 CEOs aus über 90 Ländern beteiligt haben.

Zentrale Resultate auf einen Blick

Der Umfrage-Bericht fasst auf 46 Seiten hochinteressante Resultate zu zahlreichen Themen kurz und knapp zusammen. Einige Key Findings mit Fokus auf die Schweizer CEOs vorweg (Grafiken: PwC).

Weltwirtschaft
Pessimistische Schweizer CEOs: 47 Prozent der Schweizer CEOs glauben, dass das weltweite Wirtschaftswachstum abnehmen wird, im Vergleich zu 29 Prozent aller CEOs weltweit. Nur 27 Prozent der Schweizer CEOs erwarten eine Verbesserung des weltweiten Wirtschaftswachstums in den nächsten zwölf Monaten, was deutlich unter dem diesjährigen weltweiten Durchschnitt von 42 Prozent liegt.

Bedrohungen
Für 30 Prozent der Schweizer CEOs ist Überregulierung die grösste Bedrohung für das Wachstum ihres Unternehmens, gefolgt von Handelskonflikten (27 Prozent) und in dritter Linie Wechselkursvolatilität (23 Prozent). Weltweit gesehen, stehen Überregulierung (35 Prozent) und politische Unsicherheit (35 Prozent) zuoberst auf der Liste der Bedrohungen, gefolgt von Handelskonflikten (31 Prozent) und geopolitischer Unsicherheit (13 Prozent).

Daten und Analytik – Cyber-Resilienz
Nur gerade 60 Prozent der Schweizer CEOs glauben, dass ihre Organisation gegenüber Cyber-Bedrohungen widerstandsfähig ist, im Vergleich zu 75 Prozent aller CEOs weltweit. Insbesondere geopolitische Cyber-Aktivitäten scheinen die grösste Besorgnis zu erregen – 80 Prozent der Schweizer CEOs denken, dass ihre Organisation davon betroffen sein könnte.

Künstliche Intelligenz
Erstaunliche 23 Prozent der Schweizer CEOs erwarten keine erhebliche Veränderung bei ihren Geschäftsabläufen aufgrund von Künstlicher Intelligenz (KI). Diese Meinung teilt im Vergleich mit 11 Prozent nur knapp die Hälfte aller CEOs weltweit.

Künstliche Intelligenz: Gerät die Schweiz ins Hintertreffen?

Die Studienautoren befinden aufgrund der Resultate: Die Schweiz verhält sich träge im globalen Wettlauf zu Themen der Künstlichen Intelligenz.

Global ist ein neuer Trend in Forschung, Entwicklung und der Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) losgebrochen. Schweizer Unternehmen stehen bei der Anwendung von KI jedoch noch ganz am Anfang. Unternehmen tun sich offensichtlich schwer, in einem sich wandelnden Umfeld die richtige Strategie, die richtige Technologie für ein erfolgsversprechendes zukünftiges Geschäftsmodell zu wählen. Experten befürchten, dass die Schweiz den Anschluss verpassen könnte, wenn sich dieser Kurs fortsetzt.

Die passive Haltung der Schweiz

Die Schweizer CEOs üben sich in Zurückhaltung, wie der globale Vergleich zeigt. Rund 40 Prozent der befragten Schweizer CEOs geben an, dass sie derzeit keine KI-Anwendungen planen. Weltweit sind es gerade mal 23 Prozent. Weitere 23 Prozent der Schweizer CEOs geben an, in den nächsten drei Jahren einen Plan für die Anwendung von KI zu erarbeiten, während 30 Prozent bisher einen sehr begrenzten Ansatz wählten. Weniger als zehn Prozent sagen aus, KI bereits in ihrem Geschäft implementiert zu haben.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Frage, inwiefern KI die Art und Weise, Geschäfte zu tätigen verändern wird: 23 Prozent der Schweizer CEOs erwarten keine grossen Veränderungen aufgrund von KI – eine Ansicht, die im weltweiten Vergleich lediglich 11 Prozent teilen. 

Weshalb steht die Schweiz auf der Bremse?

Nach Ansicht der Studienautoren von PwC sind die Hintergründe für diese passive Haltung vielschichtig. Teilweise hatten Schweizer Unternehmen in den letzten Jahren andere Prioritäten, zum Beispiel die Frankenstärke. Zudem haben einige Unternehmen Vorbehalte gegenüber der Leistungsfähigkeit der Technologie oder sie sind generell gegenüber der Automatisierung kritisch eingestellt.

Ein wichtiger Baustein ist der Umgang mit Daten bzw. die Verfügbarkeit von Daten. Je umfassender und vollständiger Daten verfügbar sind, desto besser können KI-Systeme aus ihnen lernen. Staatliche Fördermassnahmen spielen ebenso eine bedeutende Rolle. Diese betreffen klare regulatorische Rahmenbedingungen und die Förderung von Bildung und Forschung.

Christian Westermann, Datenexperte und KI-Leiter bei PwC Schweiz, legt den Finger auf einen der zentralen Punkte:

Im Vergleich zu anderen Ländern hat die Schweiz noch keine KI-Strategie auf Bundesebene – trotz guter Rahmenbedingungen, denn die Schweiz besitzt ein exzellentes Bildungssystem, ein grosses Innovationsvermögen und talentierte Fachkräfte

Nach Meinung von Westermann liegt es nun am Bund, die nötigen Rahmenbedingungen für KI in der Schweiz zu schaffen und Unternehmen sowie Forschungs- und Bildungsinstitutionen in der Einleitung konkreter Massnahmen zu unterstützen. Nur so, meint Westermann, werden sie nicht abgehängt und erlangen zukünftig einen Geschäftsvorteil.

Künstliche Intelligenz als Kernstück des globalen digitalen Wandels

Die Autoren von PwC zur Bedeutung der KI mit Blick auf globale Initiativen: Zahlreiche Länder wie China, Frankreich, Singapur oder Japan haben KI als eine Schlüsseltechnologie des digitalen Wandels deklariert und umfassende Pläne angekündigt, um die Forschung und Entwicklung im Bereich KI voranzutreiben. Zudem gibt es zahlreiche internationale Strategien (zum Beispiel von der EU, der UN, der UAE und Indien), die KI-Partnerschaften regeln.

Die Investitionen sind mit Beträgen in Milliardenhöhe beträchtlich. Lediglich in der strategischen Ausrichtung unterscheiden sich die Initiativen. Gesamthaft decken sie die Themenbereiche wissenschaftliche Forschung, Talententwicklung, Qualifikation und Bildung, Übernahme des öffentlichen und privaten Sektors, Ethik und Einbeziehung, Normen und Vorschriften sowie Daten und digitale Infrastruktur ab.

Eines haben die nationalen KI-Strategien hingegen gemeinsam. Sie versuchen, ein umfassendes Ökosystem zu kreieren. Dazu Westermann:

«Ein starkes KI-Ökosystem zeichnet sich durch ein starkes Netzwerk zwischen Wissenschaft, Wirtschaft mit Unternehmen und Startups sowie der Gesellschaft aus. Damit ein solches Umfeld entstehen kann, braucht es wegbereitende politische Massnahmen und eine übergreifende Strategie. Der Bund hat 2018 eine Arbeitsgruppe für Künstliche Intelligenz ins Leben gerufen, die dem Bundesrat bis Herbst 2019 bestehende und neue Massnahmen aufzeigen soll. Ich hoffe, dass damit eine Grundlage geschaffen wird, welche die Schweiz auch weiterhin darin unterstützt, im Bereich der Technologie und der Innovation eine führende Rolle zu übernehmen.»

Ein Klassiker zum Schluss: Schafft oder vernichtet Künstliche Intelligenz Jobs?

Überraschend sind noch weniger die einzelnen Resultate, interessant sind die ziemlich beträchtlichen Unterschiede in der Haltung der befragten CEOs im Vergleich der Regionen.

Künstliche Intelligenz und Auswirkungen auf Jobs
Quelle: PwC | 22nd Annual Global CEO Survey

22nd Annual Global CEO Survey

Ein vertiefter Blick in die Resultate der aktuellen Umfrage lohnt sich. Eine kurze Zusammenfassung von Schlüssel-Ergebnissen der Schweizer CEOs sowie der komplette 46-seitige Studienbericht stehen kostenlos als PDFs zum Runterladen zur Verfügung, über die Links gleich unten.