Iran-Konflikt: Vier Szenarien und ihre Folgen für Devisenmärkte und Unternehmen

Satellitenaufnahmen des Iran und der umgebenden Staaten
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Der Alleingang des US-Präsidenten hat seit Kriegsbeginn deutliche Spuren hinterlassen und die Märkte durcheinandergewirbelt. Wie kann es weitergehen?

Der US-Präsident bringt die Welt, die Wirtschaft und die Börsen einmal mehr zum Stolpern. Donald Trump schwankt zwischen Ultimaten, Verhandlungen, Drohungen, Waffenruhe oder verschärftem Bombardement des Irans und Kooperation mit den Mullahs hin und her.

Welche Strategie, sofern es denn eine gibt, den Angriffskrieg beenden und die Strasse von Hormus wieder öffnen soll, steht noch in den Sternen. 

Der Alleingang und das chaotische Vorgehen des US-Präsidenten hat seit Kriegsbeginn bereits deutliche Spuren hinterlassen und die Märkte durcheinandergewirbelt. Wie kann es weitergehen?

Matthew Ryan, Head of Market Strategy bei Ebury, bewertet die möglichen Entwicklungen im Iran-Konflikt und deren Auswirkungen auf Devisenmärkte, Energiepreise und die globale Wirtschaft.

1. Schnelle Entspannung würde den US-Dollar unter Druck setzen

Im Falle eines kurzfristigen Waffenstillstands und einer raschen Wiederöffnung der Strasse von Hormus erwartet Ryan eine deutliche "Risk-on"-Bewegung an den Märkten. Der US-Dollar dürfte nachgeben, während der Euro gegenüber dem Dollar wieder in Richtung der Vorkriegsniveaus steigen könnte. Zudem könnten die Ölpreise innerhalb weniger Tage um 30 Prozent oder mehr fallen. Die Energiepreise würden sich spürbar entspannen, was die Inflationsrisiken begrenzen und die Belastung für die Weltwirtschaft gering halten würde.

Die Wahrscheinlichkeit des Szenarios ist sehr gering und liegt bei unter 10 Prozent.

Gewinner & Verlierer: In diesem Szenario gibt es keine eindeutigen Gewinner und Verlierer. Denn die Energie- und Verteidigungsbranche erfährt nur einen bescheidenen Aufschwung. Die Reisebranche (Fluggesellschaften, Automobilindustrie und so weiter) verzeichnet nur geringfügige Einbussen und erholt sich schnell.

2. Kurzfristiger Konflikt sorgt für temporäre Volatilität

Sollte der Krieg nur wenige Wochen andauern, rechnet Ryan zunächst mit anhaltender Unsicherheit und einem stärkeren US-Dollar. Europäische Währungen würden durch steigende Energiepreise unter Druck geraten, während ölabhängige Währungen wie der kanadische Dollar und die norwegische Krone profitieren könnten. Nach einer Deeskalation dürfte sich dieses Muster jedoch rasch umkehren, da sich Angebotsschocks am Ölmarkt historisch schnell auflösen.

Die Wahrscheinlichkeit des Szenarios liegt bei 30-35 Prozent – beinhaltet eine Wahrscheinlichkeit von <10 Prozent für Szenario 1.

Gewinner & Verlierer: In diesem Szenario gibt es keine eindeutigen Gewinner und Verlierer. Die Energie- und Verteidigungsbranche erhält einen bescheidenen und vorübergehenden Aufschwung. Die Reisebranche verzeichnet leichte Einbussen.

3. Längerer Konflikt verstärkt Druck auf Europa und globale Märkte

Ein anhaltender Krieg mit blockierter Strasse von Hormus würde laut Ryan zu deutlich höherer Volatilität führen. Der US-Dollar dürfte als sicherer Hafen aufwerten, während der Euro weiter unter Druck geraten könnte. Gleichzeitig würden steigende Energiepreise die Inflation erhöhen und das globale Wachstum dämpfen, insbesondere in Europa und Asien, die stark von Energieimporten abhängig sind. Ölpreise könnten demnach auf 120 bis 150 US-Dollar pro Barrel steigen, was die globale Inflation um 0.5 bis 1 Prozentpunkt erhöhen und das Wachstum um 0.2 bis 0.5 Prozentpunkte dämpfen würde.

Die Wahrscheinlichkeit des Szenarios liegt bei 30-35 Prozent.

Gewinner & Verlierer: Die Gewinner dieses Szenarios sind die Sektoren Energie, Verteidigung und Schifffahrt. Die Verlierer sind hingegen die Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion (Iran und seine Nachbarregionen sind bedeutende Exporteure von Düngemitteln auf Ammoniakbasis) sowie die Reisebranche (insbesondere Flugverkehr).

4. Worst-Case-Szenario birgt Risiko von Stagflation und massiven Marktverwerfungen

Bei einer längerfristigen Eskalation mit weitgehender Schliessung der Strasse von Hormus drohen laut Ryan extreme Marktreaktionen. Ölpreise könnten auf über 150 US-Dollar oder mehr pro Barrel steigen, während die Weltwirtschaft mit einer Kombination aus schwachem Wachstum und hoher Inflation konfrontiert wäre. Der US-Dollar würde dominieren, während energieabhängige Volkswirtschaften besonders stark unter Druck geraten könnten.

Die Wahrscheinlichkeit des Szenarios liegt bei 30-35 Prozent.

Gewinner & Verlierer: Die Gewinner dieses Szenarios sind neben der Energiewirtschaft (ausserhalb der Golfregion) und Verteidigung die erneuerbaren Energien und die Schifffahrt (ausserhalb der Strasse von Hormus). Zu den Verlierern gehören die energieabhängigen Sektoren (Luftfahrt, Automobil und Versorgungsunternehmen). Wobei die asiatische Fertigungsindustrie und Petrochemie hart getroffen würden. Zudem würden Logistik, Reise- und Luxusgüter sowie der Halbleiter- und KI-Hardware-Sektor (Katar produziert ein Drittel des weltweiten Heliums, das unverzichtbar für die Kühlung von Chips ist) darunter leiden.