Eine Serie über Gold

Es begann mit einem Knall: Nach der Supernova kam das Gold auf die Erde

Meteroiten im All auf dem Weg zur Erde
Bild: ratpack223 | Getty Images

Gold hat die Geschichte von Ländern, Menschen und Völkern massgeblich geprägt – ein vertiefter Blick auf den Mythos Gold.

Gold ist ein Edelmetall mit fasziniernden Eigenschaften und unterschiedlichen Funktionen. Deshalb ist das schwere Metall seit Jahrtausenden schon ein wichtiger Teil der Menschheitsgeschichte. Die Wurzeln und Geschichten rund um das faszinierende gelbe Metall reichen sehr weit zurück.

Der Mythos der Unvergänglichkeit hat sich nun schon mehrere Jahrtausende lang bewahrheitet – Gold ist bis heute allgegenwärtig, die Faszination ist ungebrochen.

In unserer "Serie über Gold" beleuchten wir in mehreren Artikeln die Herkunft, Entwicklung, einige Aussergewöhnlichkeiten und die Funktionen eines wertvollen Schwermetalls, das die Geschichte von Ländern, Menschen und Gesellschaften massgeblich und teilweise auch einschneidend geprägt hat.

Die bewegte Geschichte des Goldes

Gold gibt es seit Anbeginn der Zeit, aber: es stammt nicht von unserer Erde, Gold ist von seiner Herkunft ausserirdisch. Es brauchte einen gewaltigen Knall, um Gold auf die Erde zu bringen.

Wie das Gold auf die Erde kam

Um Gold entstehen zu lassen, sind gewaltige Mengen an Energie notwendig. Die Wissenschaft ist sich noch nicht ganz einig, ob eine Supernova in den Weiten des Alls genügt hat oder ob zwei Neutronensterne auf Kollisionskurs zur Explosion geführt haben, die letztlich das Gold auf die Erde gebracht hat. 

Notwendig war im einen wie im anderen Fall ein gigantischer Knall. Was von der Supernova oder von den explodierenden Sternen übrig war, schlug in Form eines Meteoriten-Schwarms auf der Erde ein. Das war vor Milliarden von Jahren – zu einer Zeit, in der sich noch niemand für Gold interessiert hat. Deshalb hatte das Schwermetall genügend Zeit, sich durch tektonische Verschiebungen und auch durch Vulkanausbrüche den Weg zurück an die Erdoberfläche zu bahnen. Oder zumindest in die für Menschen erreichbare Nähe der Oberfläche.

Der Mythos Gold in Kulturen, Völkern und Religionen

Zahlreiche Vöker und Kulturen haben sich von dem gelb glänzenden Metall faszinieren lassen. Im Vordergrund stand noch nicht der Wert von Gold, vielmehr die Schönheit und auch die symbolische Kraft – Gold wurde als göttlich betrachtet und auch als Symbol für Unsterblichkeit. Deshalb spielte in Hochkulturen Gold zu Lebzeiten der Herrscher und auch nach ihrem Tod eine Rolle.

Funde belegen, dass die Sumerer im südlichen Mesopotamien (heute Irak) bereits vor 5000 Jahren Gold in Leben und Rituale einbezogen haben. Über Jahrtausende und Jahrhunderte war Gold rund um den Globus in prakisch allen Hochkulturen, Imperien, Religionen und Tempeln ein Symbol für Macht, Geltung und göttliche Nähe. Das alte Ägypten, das römische Imperium, Azteken, Inkas, Mayas und asiatische Kulturen – zahlreiche Völker, Herrscher und Imperien haben ihren Aufstieg mit Gold ausgekleidet. Und einige sind gerade wegen ihres Goldes auch untergegangen.

Bei den altägyptischen Pharaonen war die Liebe zum Gold besonders ausgeprägt. Sie hielten sich für Abkömmlinge des Himmelsgottes Horus, deshalb waren alle Lebensbereiche sowie auch Kriege, Mythos und Glauben eng mit Gold verknüpft. So hat es sich Pharao Thutmosis III. nicht nehmen lassen, im 15 Jahrhundert v. Chr. Babylon in einem goldenen Streitwagen zu erobern. Ein gutes Jahrhundert später ist die Grabkammer von Pharao Tutanchamun im Tal der Könige mit mehr als einer Tonne Gold ausgestattet worden – in Form von Möbelstücken, Tieren, Statuen, Behältnissen, Sarkophag und Masken. Gold galt als Symbol, um die enge und heilige Beziehung von Pharaonen zu den Göttern auszudrücken, im Leben und im Sterben.

In zahlreichen anderen Kulturen war Gold in herrschenden und religiösen Kreisen ebenfalls das bevorzugte Material für Kronen, Zepter, Schmuck, Gewänder sowie für Statuen, religiöse Artefakte und weitere Objekte. Goldverarbeiter und insbesondere Goldschmiede, die Schmuckstücke aus Gold herstellten, hatten über Jahrhunderte und haben teilweise bis heute Hochkonjunktur.

Im Laufe der Zeit begann in den meisten Ländern und Kulturen, neben ästhetischen, spirituellen und göttlichen Aspekten des Goldes, zunehmend auch die weltliche Darstellung von Macht, Einfluss und Reichtum eine Rolle zu spielen.

Der Wert des Goldes

Gold war ursprünglich von sich aus nicht wertvoll, es war einfach ein gelbes Metall. Erst Menschen haben im Laufe der Jahrtausende Gold wertvoll gemacht, indem sie aus unterschiedlichen Gründen dem schweren Metall Bedeutung, Nutzen und damit Wert zugemessen haben.

Das gelbe Metall aus der Erde hatte lange Zeit vor allem einen symbolischen, religiösen, rituellen oder teilweise auch einen konkreten Nutzwert. Wurde Gold über die Jahrhunderte zum Symbol für Macht, Prestige oder sogar Unsterblichkeit, kamen später praktische und durch die Prägung von Münzen auch monetäre Aspekte dazu. Den symbolischen und emotionalen Wert sowie seine Faszination und Magie hat Gold dadurch allerdings nicht verloren.

Der Kampf um das Gold und die Weltherrschaft

Gold war zu jeder Zeit eine beschränkte Ressource. Und wer schon viel davon hatte, wollte mehr. Grosse Goldreserven öffneten schon sehr früh den Weg zur möglichen Weltherrschaft, zumal sich mit Gold weitere Kriege finanzieren liessen. Deshalb sind immer wieder Kriege um das begehrte Edelmetall und um Länder mit grossen Goldvorkommen geführt worden. Im 4. Jahrhundert vor Christus führte Alexander der Grosse, König von Makedonien, Feldzüge gegen Persien (Iran), Baktrien (Afghanistan) und Ägypten, um mit den Goldschätzen dieser Länder an Macht und Einfluss zu gewinnen.

Auch das Römische Imperium strebte nach Expansion und brachte innerhalb weniger Jahrhunderte die Goldvorkommen von Spanien, Britannien und weiterer Länder bis Kleinasien unter römische Kontrolle.

Auf der Suche nach Gold und Reichtum spielten später auch die spanischen Konquistadoren eine grosse Rolle. Nach Christoph Kolumbus hinterliessen im 15. und 16. Jahrhundert weitere Eroberer zwischen Mexico und Peru eine Spur der Verwüstung, dezimierten das Volk der Azteken, der Mayas und der Inkas. Die Beutezüge löschten andere Kulturen nahezu aus, machten jedoch Spanien zur reichen und einflussreichen Nation.

Gold als historische Leitwährung

Eine Leitwährung nach heutiger Definition gab's in früheren Jahrhundert noch nicht. Vorherrschende Währungen jedoch schon. Verschiedene Nationen lagen in Konkurrenz und trachteten danach, ihre Goldbestände laufend zu vergrössern.

Das Land, das am meisten Gold besass und deshalb Anspruch auf die Weltherrschaft stellte, machte damit auch seinen Reichtum zur historischen Leitwährung. Gold wurde im Zeitraum von jeweils rund 100 Jahren zur wechselnden historischen Leitwährung – unter der Führung von verschiedenen Ländern. 

Der Goldrausch in Kalifornien

Nicht nur Nationen füllten ihre Staats- und Kriegskassen mit Gold, auch Abenteurer und Goldsucher wollten ihren Teil haben. Ein Goldfund auf der Ranch des Schweizers Johann August Sutter, in der kalifornischen Privatkolonie Neu-Helvetien, löste 1848  den ersten und grössten Goldrausch mit den bekannten Folgen aus. Sutters Ranch wurde überrannt und Kalifornien war damit über Nacht zum Goldgräber-Staat geworden. Wirklich reich geworden sind nur sehr wenige, aber die Goldfunde im ganzen Staat waren beträchtlich.

Einige Jahre nach Kalifornien wurde Colorado zum Eldorado der Goldsucher und mit dem Klondike River und dem Yukon River wurden 1896 weitere Territorien entdeckt, die Hunderttausende in den Bann des Goldes zogen.

Geprägtes Gold als Geld und Währung

Getauscht wurden Gold-Objekte schon länger, deshalb war Gold inzwischen ein Wert, aber Geld war es noch nicht. Vermutet wird, dass im 8. Jahrhundert v. Chr. in Kleinasien Gold bereits als Münzgeld verwendet worden ist.

Die ersten "richtigen" Geldstücke aus Gold, die als Zahlungsmittel verwendet werden konnten, werden Krösus zugeschrieben, dem König des Küstenstaates Lydien (heute Region Izmir in der Türkei). Um 650 v. Chr. soll König Krösus die erste Auflage seiner geprägten Goldmünzen herausgegeben haben.

Goldmünzen wurden in der Folge von praktisch allen Kulturen und Ländern geprägt und spielten als Wertspeicher und als Zahlungsmittel eine Rolle.

Durch die Akzeptanz von Gold als Zahlungsmittel und mit den inzwischen stark angewachsenen Goldreserven verschiedener Länder wurde um 1900 der Goldstandard eingeführt, die Anbindung der Währung an den Goldbestand eines Landes. Die Bindung der Leitwährung des US-Dollars an Gold hatte sieben Jahrzehnte Bestand und wurde 1973 aufgehoben. 

Gold als Wertspeicher

Im Gegensatz zu Fiatgeld und Währungen, die verschiedensten Einflüssen unterliegen, gehört Gold zu den relativ stabilen Wertspeichern. Das bestätigt sich auch durch die Goldpreisentwicklung seit der Preisfreigabe 1973. 

Gold ist eine stark gehandelte Anlageklasse, die oftmals in Zeiten von Inflation oder unsicheren Börsenentwicklungen zusätzliche positive Kursentwicklungen verzeichnen kann.


Wie viel Gold ist bis heute weltweit gefördert worden?

Diese Frage wird vom World Gold Council in Form eines Würfels beantwortet. Dieser Würfel beinhaltet die gesamte Menge an Gold, die jemals auf unserem Planeten gefördert worden ist und heute als Münzen, Goldbarren, Schmuck, als Werkstoff in industriellen Anwendungen oder in einer ganz anderen Form vorhanden sind.

Das zusammengezählte und nachgeführte Ergebnis lässt den exemplarisch dargestellten Würfel jedes Jahr ein bisschen grösser werden. Welche Dimensionen hat der Würfel heute? Wer an den Kölner Dom oder an den Pariser Eiffelturm denkt, greift zu hoch – Gold ist ein Schwermetall mit hoher Dichte.

Ende 2021 hat der Würfel in seinen Kantenlängen eine Dimension von nur gerade knapp 22 Meter in der Breite, Tiefe und Höhe. Ein überschaubares Format – und mehr braucht's nicht, um das gesamte Gold dieser Welt einzupacken.


Gold als Werkstoff

Seit Jahrtausenden wird Gold zur Herstellung von Ziergegenständen und edlem Schmuck verwendet. Weitere Bereiche kamen später aufgrund herausragender Eigenschaften des gelben Metalls dazu. Zu diesen Eigenschaften gehören zum Beispiel hohe Dichte, Korrosionsbeständigkeit, Formbarkeit, Dehnbarkeit oder auch Leitfähigkeit. Das heisst konkret, Gold kann für zahlreiche Anwendungen eingesetzt werden.

Gold ist ein Schwermetall, das grosse Masse mit kleinem Volumen verbindet. Diese hohe Dichte bringt Vorteile. So ist zum Beispiel der grösste Goldbarren der Welt 250 Kilo schwer. Dieses Schwergewicht mit einem aktuellen Wert von mehr als 13 Millionen Schweizer Franken beansprucht sehr wenig Raum. Der Goldbarren mit den Massen 45.5 x 22.5 x 17 cm hat in einem Schuhkarton für Übergrössen Platz.

Mit zu den markanten Eigenschaften von Gold gehört die grosse Geschmeidigkeit und dadurch die Dehnbarkeit. Aus einem Gramm Gold lässt sich ein superdünner Draht mit einer Länge von mehr als drei Kilometer ziehen. Möchte man die Erdkugel mit einem Goldfaden umspannen, wäre das mit rund 13 Kilo Gold zu schaffen. Diese extreme Dehnbarkeit macht Gold zum idealen Werkstoff für elektronische Geräte mit ihren hauchdünnen Verbindungen und Kontakten.

Gold als Werkstoff wird heute unter anderem in der Medizin eingesetzt oder in elektronischen Geräten verwendet und spielt auch in der Luft- und Raumfahrt eine wichtige Rolle.

Wer fördert heute das meiste Gold?

Die Mengen an gefördertem Gold variieren von Jahr zu Jahr. Nach Angaben des World Gold Council lag die Goldförderung sämtlicher Goldminen weltweit 2021 bei rund 3'500 Tonnen. Davon werden 46 Prozent zu Schmuck verarbeitet, 22 Prozent werden zu Anlageprodukten für private Investments, 17 Prozent beanspruchen Zentralbanken und 15 Prozent werden im Bereich Industrie und Technik verwendet.

An der Spitze der Goldförder-Staaten liegt China mit 370 Tonnen, gefolgt von Australien mit 330 Tonnen, Russland mit 300 Tonnen und den USA mit 180 Tonnen. Europa spielt praktisch keine Rolle bei der Goldförderung. China könnte den Spitzenplatz im Laufe der Zeit an Australien verlieren, das mit 11'000 Tonnen über die grössten vermuteten Goldvorkommen verfügt, im Gegensatz zu China mit lediglich 2'000 Tonnen.

Die Förderung von Gold wird zunehmend anspruchsvoller, aufwendiger und kostspieliger. War Gold in den Anfängen auch auf der Erdoberfläche zu finden, liegen die heute noch nutzbaren Vorkommen zunehmend tiefer in der Erde.

Ein König unternimmt eine Pilgerreise und provoziert eine Hyperinflation

Zum Schluss des ersten Kapitels unserer Serie über Gold, die Schilderung einer bemerkenswerten Reise, die zu einem überraschenden Ergebnis geführt hat.

Mansa Musa, Herrscher des westafrikanischen Mali, war der reichste Mensch der Welt. Dazu hatten ihn die riesigen Bodenschätze seines Landes gemacht, insbesondere Gold. Musas Vermögen entspricht nach einer Schätzung dem heutigen Wert von rund 400 Milliarden Dollar. 

Der König pilgerte 1323 mit einem Tross von einigen tausend Soldaten, Sklaven und Begleitern nach Mekka. In den Taschen seiner Kamele führte der Monarch 17 Tonnen Gold mit. Auf seiner Reise verschenkte der Herrscher mit vollen Händen tonnenweise Gold an Arme, an Offiziere, Emire und Würdenträger. Er flutete unterwegs die Städte geradezu mit seinem unermesslichen Reichtum.

Weil plötzlich dermassen viel Edelmetall im Umlauf war, kam es zu einer Hyperinflation. Der Tauschkurs des Golddinars stürzte ab – er konnte über ein Jahrzehnt nicht mehr den alten Stand erreichen. Die Sage geht, dass Mansa Musa sich auf dem Rückweg Geld leihen musste, weil alles, was er unterwegs für seinen gewaltigen Tross brauchte, inzwischen viel zu teuer geworden war.


Eine Serie über Gold

Kapitel 1 – Die bewegte Geschichte des Goldes
Es begann mit einem Knall: Nach der Supernova kam das Gold auf die Erde

Kapitel 2 – Wird der Weltspartag zum Goldspartag?
Zum Weltspartag: Ist Gold auch eine Alternative für Kleinsparer?

Kapitel 3 – Goldvorkommen und Goldförderung
Wo liegen die grössten Goldvorkommen – und wie wird Gold heute gefördert?


Co-Autor: Christian Brenner

Um eine Serie über Gold zu produzieren, haben wir uns mit einem Experten zusammengesetzt, der alles über Edelmetalle weiss, insbesondere über Gold.

Christian Brenner ist ein ausgewiesener Profi und Goldhändler aus Leidenschaft. Er weiss um die Wege des Goldes – von der Förderung aus den Tiefen der Erde bis zum Barren im Tresor. Als Präsident des Verwaltungsrates der Philoro Schweiz kennt er die Märkte – und vor allem auch Historisches und Gegenwärtiges ausserhalb der Märkte.

Christian Brenner hat unsere Redaktion aktiv dabei unterstützt, die relevanten Aspekte rund um Gold aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und auszuleuchten.