Das FinTech Findependent ist mit seiner Anlage-App in mehrfacher HInsicht ein bemerkenswertes Unternehmen. Der Markteintritt 2021 war insofern kein donnernder Paukenschlag, als das FinTech mit drei Anlage-Strategien und einer überschaubare Anzahl ETFs gestartet ist. Also nicht ganz anders als jene Anlage-Apps, die zu dieser Zeit bereits im Markt unterwegs waren.
Anders war, dass der Gründer Matthias Bryner nahezu mantrisch das unkomplizierte, sorglose und "einfache Anlegen" über seine App in den Vordergrund gestellt hat. Kostengünstig dazu. Dieses Mantra hat offenbar verfangen, bis heute haben sich mehr als 25'000 Anlegerinnen und Anleger mit einem verwalteten Vermögen von 400 Millionen Franken nicht für die Konkurrenz, sondern für Findependent entschieden.
Die Strategie der kleinen Schritte
Das FinTech ist mit Investorenkapital in überschaubarer Grössenordnung sehr haushälterisch umgegangen. Mit 150'000 Franken von Investor Roland Brack aus der "Höhle der Löwen" 2021 und dazu 1.2 Millionen Franken aus einer Seed-Finanzierungsrunde 2022 hat Bryner sein Startup in zahlreichen kleinen Schritten aufgebaut und das Geschäft laufend erweitert.
Zu diesen Erweiterungen gehörten neue Produkte, das Erschliessen neuer Kundengruppen, optimiertes und schnelles Onboarding, persönliche Kundenbetreuung, erneutes Senken der ohnehin schon tiefen Gebühren und mehr. All das führte dazu, dass Findependent in Vergleichen und Analysen unabhängiger Vergleichsdienste regelmässig in der Spitzengruppe der gut benoteten und günstigsten Anlage-Apps rangiert.
Grosse Finanzierungsrunde, ohne die Schrittlänge zu vergrössern
Im Junli 2024 hat Findependent von seinen bestehenden Investoren eine Wachstumsfinanzierung von 1.5 Millionen Franken erhalten. Parallel dazu hat das FinTech eine Crowdinvesting-Kampagne gestartet. Das ursprüngliche Finanzierungsziel von 2 Millionen Franken konnte bereits nach wenigen Stunden auf 3 Millionen angehoben werden und kurz darauf auf 5 Millionen Franken.
Bei dieser Finanzierung ist die geplante öffentliche Finanzierungsrunde mit Beteiligung von Nicht-Kunden gestrichen worden, weil die Partizipationsscheine über 5 Millionen Franken ausschliesslich von mehr als 1'500 bestehenden Kundinnen und Kunden gezeichnet worden sind, die in ihre Anlage-App investieren wollten.
Bryner kommentierte diesen Erfolg mit der Bemerkung, dass sein FinTech sich in den nächsten Jahren nicht mehr mit dem Thema Fundraising beschäftigen müsste, sondern sich voll auf die Weiterentwicklung des Unternehmens und der App konzentrieren könnte. Und das, ebenfalls bemerkenswert, mit einem nach wie vor kleinen Team von zehn Personen.
Bewilligung als kontoführendes Wertpapierhaus
Ausnahmsweise ein grosser Schritt: Findependent hat von der FINMA in diesen Tagen die Bewilligung als kontoführendes Wertpapierhaus erhalten. Damit wird Anlegen für Kundinnen und Kunden noch einfacher, um auf das Mantra zurückzukommen, sie erhalten ein Konto und ihr Depot in Zukunft direkt bei Findependent.
Ohne externe Depotbank werden die Wege kürzer und Findependent tritt neu nicht nur als Vermögensverwalter auf, sondern auch als kontoführendes Institut, das Konten und Wertschriftendepots eigenverantwortlich führt. Das FinTech verweist nicht ohne Stolz darauf, dass Findependent nun als kontoführendes Wertpapierhaus dieselben Bedingungen an Eigenmittel, Liquidität und Cyber-Security erfüllt wie eine Bank.
Mit der Hypothekarbank Lenzburg, die als zuverlässige Bank-Partnerin das FinTech vom Start weg begleitet hat, will Findependent im Hintergrund auch weiterhin zusammenarbeiten.
Kleine Schritte zu gehen bedeutet nicht kleine Brötchen zu backen
Lange Distanzen sind offensichtlich auch mit kleinen Schritten zu schaffen. Die Ziele bleiben ehrgeizig, sie werden jedoch kapital- und ressourcenschonend angepeilt und realisiert. Das heisst im Klartext: Investorenkapital wird nicht verschleudert, sondern umsichtig und verantwortungsvoll eingesetzt, um kontinuierlich zu wachsen.
Teil dieser Wachstumsziele ist eine Säule-3a-Anlagelösung, die in der zweiten Jahreshälfte 2026 lanciert werden soll.
Findependent ist kein FinTech, das sich mit dem Backen kleiner Brötchen begnügt. Das Unternehmen erreicht seine Ziele jedoch ohne überdimensionierte Backstube mit grossem Personalbestand. Zu kostspielig und deshalb für Startups potenziell gefährlich.
Eine Strategie, die zu funktionieren scheint und die Spielräume des FinTechs durch eine schlanke Kostenrechnung vergrössert.