FinTechs

Bewegung in der FinTech-Branche: Wegzug bei Alpian, Umzug von Moneypark und volle Kassen bei Gentwo

Windfahne zeigt Windrichtung an
Bild: Getty Images | sharply_done

Der Wind bläst in der FinTech-Szene in alle möglichen Richtungen – einige teilweise überraschende Böen im Überblick.


Alpian-CEO Schuyler Weiss tritt überraschend zurück

Der Mitgründer und CEO der Neo-Bank AlpianSchuyler Weiss, tritt nicht einfach zurück, er hat sein Amt bereits niedergelegt, wie die digitale Privatbank bekanntgibt. Der genannte Grund: Weiss wird in den öffentlichen Dienst in den Vereinigten Staaten wechseln.

Der abrupte Abgang kommt unerwartet, auch die neue berufliche Destination des CEOs ist überraschend. Alpian ist nach längerer Vorbereitungszeit letzten Oktober an den Start gegangen, MoneyToday.ch hat berichtet, hier. Weiss war überzeugt, dass die Masse der schlecht betreuten oder unzufriedenen und wechselwilligen Affluent-Kunden gross genug wäre, um der Neo-Bank mittelfristig eine gute Position in der Schweizer Banken-Szene zu sichern. 

Nun kommt's anders – oder zumindest ohne die prägende Leitfigur, der die Neo-Bank fast fünf Jahre lang entworfen, gestaltet und ausgerüstet mit Schweizer Bankenlizenz in den Markt gepusht hat.

Nachtrag vom 8. September 2023: Alpian legt Wert auf die Feststellung, dass Schuyler Weiss sein Amt wohl niedergelegt habe – was wir in unserem Artikel auch wörtlich so zitiert haben – Weiss hätte sein Amt jedoch "nicht per sofort niedergelegt", unsere Darstellung wäre falsch. Er würde in einer beratenden Funktion bis zum 31. Dezember bei Alpian bleiben, um die Übergabe seiner Aufgaben an seinen Nachfolger Gianmarco Bonaita ohne Zeitdruck zu begleiten.

Diesen Nachtrag bringen wir gerne, obschon wir darin keinen Widerspruch und auch keine falsche Darstellung erkennen können, lediglich eine Ergänzung. Zumal Bonaita per sofort auf der Website als Ad interim CEO figuriert und Weiss ebenfalls per sofort als Gründer und CEO nicht mehr aufgeführt ist. 

Kränkelnde Moneypark wird in die Helvetia integriert

Die gemeinsame Mitteilung von Helvetia und ihrer Hypo-Vermittlungs-Tochter Moneypark liest sich extrem positiv. Von gebündelter Vertriebskraft ist die Rede und vom markanten Ausbau der führenden Stellung – aber die schlechten Nachrichten kommen nach der Headline. Die vor sieben Jahren mit über 100 Millionen Franken teuer bezahlte Beteiligung der Helvetia an Moneypark scheint sich nicht auszuzahlen. 

Dem in den letzten Jahren expansiv agierenden Hypo-Vermittler Moneypark ist im Umfeld der steigenden Zinsen offenbar die Luft ausgegangen, das Unternehmen ist in Not. Moneypark wird nun vollständig in die Helvetia integriert, Kosten zwischen 6 und 8 Millionen Franken sollen eingespart werden, was zu einem Abbau von voraussichtlich 25 bis 30 Stellen führen wird. Die beiden Endkundenplattformen Helvetia Immoworld und Moneypark werden zusammengeführt. Helvetia wird auf der Beteiligung an Moneypark rund 27 Millionen Franken abschreiben.

Helvetia übernimmt das Ruder und integriert das bisherige Moneypark-Vertriebsnetz in den Helvetia-Vertrieb, einzig die Marke Moneypark bleibt. Ob die Synergie-Effekte zu neuem markantem Wachstum führen können, wird sich erst zeigen.

Gentwo finanziert sich mit 15 Millionen US-Dollar

Das Schweizer FinTech-Unternehmen Gentwo erhält innerhalb einer Serie A-Finanzierung 15 Millionen US-Dollar vom US-amerikanischen Investor Point72 Ventures. Die B2B-FinTech-Plattform ist auf die Verbriefung von bankfähigen und nicht bankfähigen Vermögenswerten spezialisiert. Pete Casella, Senior Partner und Co-Head of FinTech Investments bei Point72 Ventures, wird neu Mitglied des Verwaltungsrats von Gentwo.

Gentwo wurde 2018 in Zürich gegründet und hat seitdem ein innovatives Finanz-Engineering-Netzwerk aufgebaut, das auf einer eigenen Plattform basiert. Diese ermöglicht es Anlage-Experten, schnell und einfach beliebige Vermögenswerte oder Anlagestrategien in Form eines bankfähigen Wertpapiers zu verbriefen und auf den Markt zu bringen.

Über Gentwo erhalten Anleger Zugang zu alternativen und nicht bankfähigen Vermögenswerten wie Immobilien, Kunst oder digitalen Vermögenswerten – ein globaler Markt mit einem geschätzten Wert von über 78 Billionen US-Dollar. Die Produkte des Unternehmens entsprechen dem wachsenden Bedarf von Vermögensverwaltern und deren Kunden an innovativen Finanzprodukten, die neue Möglichkeiten zur Diversifizierung und zum aktiven Portfoliomanagement bieten.

Bis heute hat Gentwo nach eigenen Angaben für mehr als 250 Kunden in 26 Ländern über 1'200 Anlageprodukte auf den Markt gebracht und weist aktuell mehr als 3 Milliarden US-Dollar Assets under Service aus.

Das FinTech will das frische Kapital für die weitere internationale Expansion verwenden sowie für die Weiterentwicklung der Financial-Engineering-Plattform des Unternehmens.