KI: Die neue Insider-Bedrohung für Organisationen

Würfel mit Silhouetten von Personen, ein Würfel ist anders
Bild: Andrii Yalanskyi | Shutterstock

Thales 2026 Data Threat Report: KI stellt nach Aussagen von 70 Prozent der befragten Unternehmen das grösste Risiko für die Datensicherheit dar.

Eines der zentralen Resultate des Thales 2026 Data Threat Reports: Organisationen aus verschiedenen Branchen erklären, dass das rasante Tempo der KI-getriebenen Transformation derzeit ihre grösste Herausforderung im Bereich Sicherheit darstellen würde. Zu diesen Branchen gehören unter anderen die Automobilindustrie, der Energie- und der Finanzensektor sowie der Einzelhandel.

Basierend auf der von S&P Global 451 Research durchgeführten Studie nennen 71 Prozent KI als ihr grösstes Datensicherheitsrisiko. Die Sorge gilt nicht nur bösartiger KI, sondern auch dem Zugriff, der ihr gewährt wird, wenn sie sich von einem reinen Werkzeug zu einem vertrauenswürdigen "Insider" wandelt.

Während Unternehmen die Einführung von KI beschleunigen, fällt es der Governance in Bezug auf Datentransparenz, Identität und Sicherheitskontrollen schwer, Schritt zu halten. Die Ergebnisse des Berichts für 2026 zeigen, dass KI-Systeme zunehmend wie vertrauenswürdige Insider agieren. Dies geschieht oft mit umfassendem, automatisiertem Zugriff auf Unternehmensdaten, jedoch ohne die Überwachung oder Kontrollen, die traditionell für menschliche Benutzer gelten.

«Insider-Risiken betreffen nicht mehr nur Menschen. Sie betreffen auch automatisierte Systeme, denen zu schnell Vertrauen geschenkt wurde», sagt Sebastien Cano, Senior Vice President für Cybersicherheitsprodukte bei Thales. «Selbst wenn KI innerhalb von Sicherheitskontrollen arbeitet, beschleunigt KI bei schwachen Zugriffsrichtlinien, Identitätsverwaltung oder Datenschutz diese Schwächen in Umgebungen weitaus schneller, als menschliche Benutzer dies jemals könnten».

Sichtbarkeitslücken vergrössern sich, während KI die Reichweite von Daten erhöht

Der Bericht offenbart eine beunruhigende Diskrepanz zwischen der KI-Einführung und der Datenkontrolle. Nur 34 Prozent der Unternehmen wissen, wo alle ihre Daten gespeichert sind. Lediglich 39 Prozent können ihre Daten vollständig klassifizieren. Gleichzeitig bleiben 47 Prozent der sensiblen Cloud-Daten unverschlüsselt.

KI-Systeme erfassen und verarbeiten Daten aus Cloud- und SaaS-Umgebungen. Dabei erschwert die eingeschränkte Transparenz die Durchsetzung des Prinzips der geringsten Berechtigungen und erhöht das Risiko, wenn Anmeldedaten kompromittiert werden.

Die Identitätsinfrastruktur ist heute die primäre Angriffsfläche. Der Diebstahl von Anmeldedaten ist nach wie vor die häufigste Angriffstechnik gegen Cloud-Management-Infrastrukturen und wird von 67 Prozent der Unternehmen genannt, die Cloud-Angriffe erlebt haben.

Gleichzeitig stufen 50 Prozent das Geheimnismanagement als eine ihrer grössten Herausforderungen im Bereich der Anwendungssicherheit ein. Dies spiegelt die zunehmende Komplexität der Verwaltung von Maschinenidentitäten, API-Schlüsseln und Tokens in grossem Massstab wider.

KI ermöglicht schlagkräftigere Angriffe

Während Unternehmen sich beeilen, KI einzuführen, tun Angreifer dasselbe. Fast 60 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie Deepfake-basierte Angriffe erlebt haben. 48 Prozent berichten von Reputationsschäden im Zusammenhang mit KI-generierten Falschinformationen oder Identitäts-Diebstahlkampagnen.

KI bringt nicht nur neue Risiken mit sich, sondern verstärkt auch bereits bestehende. Menschliches Versagen ist bereits für 28 Prozent (32% in Deutschland) aller Sicherheitsverletzungen verantwortlich. Durch die zusätzliche Automatisierung können sich kleine Fehler schneller ausweiten und weiterverbreiten.


Stefan Suter, Country Director Schweiz bei Thales, ordnet die Ergebnisse für die Schweiz ein: 

«Unser Report stellt unter anderem fest, dass es Cyberkriminelle vor allem auf den Diebstahl von Anmeldedaten abgesehen haben. Mit 67 Prozent ist dies die häufigste Angriffstechnik gegen Cloud-Infrastrukturen. Daraus folgt, dass die Sicherheit der Daten durch eine Verschlüsselung unabdingbar wird und darüber hinaus die Schlüssel zur Entschlüsselung nicht in Cloud-Infrastrukturen gespeichert, sondern einzig und allein bei den Unternehmen selbst liegen sollten. Organisationen müssen vor allem unter dem Gesichtspunkt der Datensouveränitätsdebatte in der Schweiz die volle Kontrolle über ihre Daten und ihre Schlüssel behalten, ganz gleich wo diese liegen.»


Sicherheitsinvestitionen verschieben sich, jedoch nicht im gleichen Tempo wie die neuen Risiken

Unternehmen beginnen, ihre Sicherheitsausgaben anzupassen, um gegen KI-bezogene Bedrohungen zu bestehen. 30 Prozent stellen nun spezielle Budgets für KI-Sicherheit bereit, gegenüber 20 Prozent im Vorjahr. Allerdings verlassen sich 53 Prozent weiterhin auf bestehende Sicherheitsinvestitionen, die nicht für maschinengesteuerte oder autonome Risikomodelle ausgelegt sind.

«KI wird zunehmend in Unternehmensabläufe integriert, deshalb ist das Management der Datensicherheit nicht mehr nur ein Randthema, sondern eine strategische Notwendigkeit», sagt Eric Hanselman, Chefanalyst bei S&P Global Market Intelligence 451 Research. «Unternehmen müssen Datensicherheit als Grundlage für Innovation betrachten und nicht als davon getrenntes Thema».

Vertrauen muss sich weiterentwickeln, wenn Maschinen Zugang erhalten

KI ersetzt traditionelle Bedrohungen nicht, sondern verstärkt sie vielmehr, indem sie deren Geschwindigkeit, Umfang und Reichweite erhöht. Da automatisierte Systeme einen immer umfassenderen Zugang zu Unternehmensdaten erhalten, müssen Organisationen Identität, Verschlüsselung und Datentransparenz als Kerninfrastruktur neu überdenken.

Diejenigen, die eine starke Governance in ihre KI-Strategien integrieren, sind besser in der Lage, sich sicher weiterzuentwickeln und zu vermeiden, dass KI zu ihrer neuesten Insider-Bedrohung wird.

Den vollständigen Bericht von Thales gibt's als PDF zum Runterladen, hier