PSD2: Payment-Branche ist schlecht vorbereitet auf den Start

Bild: Getty Images | Wildpixel

Am Beispiel von Deutschland zeigt sich, dass die Branche in Sachen PSD2-Readiness sehr unterschiedlich unterwegs ist.


Readiness PSD2 in Deutschland

Ping Identity, einer der grossen unabhängigen Anbieter von Identity-Security-Lösungen, hat sich im deutschen Markt umgehört. Konkret sind im Rahmen einer Studie 188 Manager von Finanzdienstleistern in Deutschland mit mehr als 250 Mitarbeitern zum Thema Readiness befragt worden.

Zur Erinnerung: Die PSD2 tritt am 13. Januar 2018 in der EU in Kraft. Danach verbleiben nur noch wenige Monate, um Branchenstandards und technologische Anforderungen in Form von Lösungen umzusetzen, welche den Regeln der PSD2 folgen. Nach aktuell gültigem Fahrplan sollten Banken und Finanzdienstleister ab 4. Quartal 2018 bereit sein, unter der PDS2 im Markt zu arbeiten.

Zentrale Resultate der Studie

Die wesentliche Ergebnisse aus der Studie, zwischen ernüchternd und alarmierend, lesen sich so:

Weniger als ein Viertel der Befragten ist auf die PSD2 genügend vorbereitet.

Nur gerade 18 Prozent sehen und erwarten keine Problem bei der Umsetzung der Richtlinie. Mehr als die Hälfte setzt bereits heute ein Fragezeichen, ob die Umsetzung termingerecht schaffbar ist. Das erstaunt nicht, wenn man einen Blick auf die bestehenden Informations-Defizite wirft:

45 Prozent der Befragen verfügen über genügend Informationen zur neuen Richtlinie. Weit mehr als die Hälfte hat jedoch aktuell immer noch Informations-Defizite oder ist unsicher, ob genügend Informationen vorhanden sind. Die Unsicheren darf man der Gruppe der schlecht Informierten zurechnen – wer nicht weiss, was er nicht weiss, hat klare Defizite in der Information.

Ebenfalls alarmierend: Ein Viertel der Befragten ist sich heute immer noch nicht im Klaren, welche Veränderung im eigenen Hause überhaupt notwendig sind, um die Anforderungen der PSD2 zu erfüllen.

Eine weitere Lücke klafft beim Bewusstsein für die Roadmap und für Termine: Nur gerade 16 Prozent der Befragten sind sich bewusst, dass die PSD2 am 13. Januar 2018 in Kraft tritt.

Phil Allen, Vice President EMEA bei Ping Identity, zum Thema:

«Die Studie zeigt, wie beunruhigend unvorbereitet die Branche auf die in Kürze in Kraft tretende PSD2-Richtlinie ist. In knapp sieben Monaten gibt es hier eindeutig noch viel zu tun, sowohl bei Schulungen als auch bei der Umsetzung.»

Neben der sachlichen Bewertung, hebt Phil Allen auch noch kurz den Mahn- und Warnfinger:

«Organisationen sollten die neue Richtlinie nicht einfach als weitere zu erfüllende Vorschrift sehen. Sie sollten sie vielmehr als Gelegenheit begreifen, um sich von der Konkurrenz abzuheben und den Kunden die bestmögliche Erfahrung zu bieten – denn solche Lösungen existieren bereits.»

Die Resultate der Studie sind beunruhignd. Wird an der Roadmap von offizieller Seite nicht gerüttelt, dürften die nächsten Monate für zahlreiche Institute zu einer Mischung aus Marathonlauf und Herkulesaufgabe mit ungewissem Ausgang werden.

Eine Frage der Motivation?

Die Haltung der Befragten könnte zum Teil auch durch Motivationsbremsen beeinflusst sein. Zahlreiche Finanzinstitute sehen in der neuen Richtlinie klare Vorteile und Chancen, schmieden neue Geschäftsmodelle und spielen seit längerer Zeit schon an vorderster Front mit, um Open Banking in Europa zu forcieren.

Andere Institute stehen auf entgegengesetzten Positionen, was auch die aktuelle Studie bestätigt:

Nur knapp 20 Prozent der Befragen erwarten von der PSD2 einen positiven Effekt für ihr Geschäft. Fast die Hälfte sieht in der neuen Richtlinie eine negative Auflage und Forderung. So geht jeder Zweite davon aus, dass die PSD2 in der Anwendung die Kundenerfahrung eher negativ beeinflussen wird.

Fazit

Begeisterung auf der einen Seite ist so verständlich wie Widerstand auf der anderen. Immerhin greift die neue Richtlinie massiv ins Bankgeschäft ein. Mit APIs und Open Banking ist jede Bank verpflichtet, ihre Kundenschnittstelle zu öffnen und mit Drittanbietern zu teilen. Darum hat die Branche nicht gebeten, die PSD2 ist ihr einfach widerfahren und durch das Europäische Parlament verordnet worden.

Je nach Management, Dynamik, Haltung, Ausrichtung und Möglichkeiten eines Finanzinstituts, werden die grossen Chancen der PSD2 gesehen und realisiert – oder eben auch nicht. Dennoch ist die neue Richtlinie eine Realität, wird Märkte verändern und damit vor allem auch die Ansprüche und Verhaltensweisen von Kunden. Deshalb wird die PSD2 nicht nur neue Finanzdienstleistungen und tolle Services bringen, sie wird auf dem Spielfeld der Anbieter auch die Karten neu verteilen.

Stichworte zum Thema im Lexikon: PSD2 | API | Open Banking | Screen Scraping | Access to Account

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