Startups

Schweizerinnen und Schweizer gründen Firmen wie noch nie

Ein Firmengründer renoviert seinen Shop
Bild: Westend61 | Getty Images

In der Schweiz sind im ersten Quartal des laufenden Jahres jeden Tag 151 Firmen und Startups gegründet worden.

Immer mehr Menschen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Mit 13'599 Neugründungen im ersten Quartal 2023 setzt die Schweizer Gründerszene eine neue Rekordmarke.

151 Firmengründungen pro Tag

Mehr Menschen als je zuvor gehen in die Selbständigkeit. Im ersten Quartal des Jahres wurden gemäss dem IFJ Institut für Jungunternehmen 13'599 neue Firmen gegründet. Das sind täglich um die 151 Firmengründungen und ein Wachstum von 7.1 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode.

Dieser Anstieg überrascht Simon May, den Co-CEO des IFJ nicht: «Viele Menschen haben in der heutigen Zeit das Bedürfnis nach mehr Freiheiten im Beruf und ermöglichen sich den Traum der eigenen Firma.»

Einige überraschende Einsichten gibt's dennoch. Wir bringen eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Analyse des IFJ.

Bei den Grossregionen schwingt das Tessin obenauf

Im Vergleich der Grossregionen beeindruckt das Tessin mit einem Wachstum von +26.5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Grossregionen Espace Mittelland (+12.6%), Nordwestschweiz (+11.9%) und die Ostschweiz (+8.3%) verzeichnen im ersten Quartal 2023 ebenfalls einen Zuwachs gegenüber dem ersten Quartal 2022.

Die Grossregionen Zürich (+3.8%), Südwestschweiz (+2.5%) und Zentralschweiz (+1.9%) legen ebenfalls zu, verzeichnen jedoch ein deutlich geringeres Wachstum.

Personengesellschaften liegen im Trend

Im ersten Quartal des laufenden Jahres war bei der Wahl der Rechtsform die Personengesellschaft populärer als noch im Vorjahresquartal. Die Kollektivgesellschaft (+22.2%) und die Einzelfirma (+16.1%) verzeichnen eine deutliche Steigerung gegenüber dem ersten Quartal 2022. Hingegen verzeichnet die Aktiengessellschaft mit -3.2 Prozent einen Rückgang an Neugründungen.

Absolut gesehen bleibt die GmbH mit 39.6 Prozent die am häufigsten gewählte Rechtsform bei Neugründungen. Das ist insbesondere auf ihre Vorteile zurückzuführen, zu Beispiel das geringe Haftungsrisiko und das niedrige Stammkapital.

In welchen Branchen werden die meisten Startups gegründet?

Zu den top Wachstumsbranchen im laufenden Jahr 2023 gehören B2B & B2C Dienstleistungen mit +35.2 Prozent. Zu diesem Bereich gehören unter anderem Videoproduktion, Fotografie, Facility Management und Gartenbau. Ebenfalls mit an der Spitze stehen Coiffeur & Kosmetik mit +24.4 Prozent sowie Transport & Logistik mit +19 Prozent.

Das Handwerk bestätigt seinen goldenen Boden mit +12.1 Prozent – in absoluten Zahlen liegt der Bereich Handwerk mit 2'036 Neugründungen mit grossem Vorsprung an der Spitze der Rangliste. Das dürfte all jene beruhigen, die heute zum Teil sehr lange warten, bis der angeforderte Handwerker an der Türe klingelt.

Um bei den absoluten Zahlen zu bleiben: am meisten gegründet wird in den Branchen Handwerk, Beratung, Detailhandel und Immobilien.

Absteiger-Branchen gibt's ebenfalls

Die höchsten prozentualen Rückgänge verzeichnen die Branchen Hightech (-44.8%), Land- & Forstwirtschaft (-16.9%) sowie Ausbildung (-12.1%). Diese drei Branchen gehören allerdings numerisch zu den kleinsten Branchen, weshalb sich hier auch eher geringe Rückgänge in absoluten Zahlen prozentual sehr dynamisch auswirken können.

Gründungsmässig ebenfalls auf dem absteigenden Ast sind im ersten Quartal die Branchen Finanzen & Versicherung mit -8.4 Prozent sowie IT & ICT mit -9.5 Prozent unterwegs.

Welche Schlüsse lassen sich aus dieser Gründungswelle ziehen?

Die wachsende Zahl der Neugründungen zeigt, dass sich die Schweizer Wirtschaft trotz der aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheiten und Herausforderungen weiterhin positiv entwickelt und offenbar ein funktionierendes Ökosystem für Startups und Jungunternehmen bietet. Der Mut zu Neugründungen und die neuen Firmen schaffen eine Wechselwirkung, weil erfolgreiche Startups wiederum dazu beitragen werden, die Wirtschaft zu stärken.

Vor allem aber: zahlreiche Menschen sind bereit, ihren Traum von der Selbstständigkeit nicht nur zu träumen, sie realisieren ihn. Dahinter stehen verschiedene Motive, die mit Selbstbestimmung, Freiheit, Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit und anderen Aspekten zusammenhängen. Diese und andere Motive sind offensichtlich stark genug, um auch vorübergehenden Verzicht, einen gewissen Verlust an Sicherheit und damit auch ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. 

Die neuen Generationen von Unternehmerinnen und Unternehmern beeinflussen mit ihrer Haltung bereits heute die Verfassung der Wirtschaft von morgen. Das ist von zentraler Bedeutung für ein Land, das ohne Bodenschätze oder sonstige Ressourcen in erster Linie durch die Tatkraft und auch die Innovationsbereitschaft seiner Bevölkerung prosperiert.

Die hohe Bereitschaft zur Selbstständigkeit ist auch ein Indikator für das Vertrauen und die Zuversicht in die Schweizer Wirtschaft und deren Zukunftspotenzial. Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Ereignisse und geopolitischen Herausforderungen ist es jedoch wichtig, mahnt das Institut für Jungunternehmen, dass die Schweizer Regierung und die Wirtschaftsakteure weiterhin proaktiv agieren und mit gezielten Massnahmen zur Unterstützung des Unternehmertums in der Schweiz beitragen.

Trotz des prognostizierten unterdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums beurteilt das IFJ die Aussichten für das Gründungsgeschehen positiv. Denn die Schweiz gilt nach wie vor als das innovativste Land der Welt (Quelle: Global Innovation Index) und Unternehmensgründungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. Das IFJ davon aus, dass sich die Zahl der Unternehmensgründungen in der Schweiz in diesem Jahr auf hohem Niveau halten wird.