Die Schweiz hat ihren beachtlichen Vorsprung in Sachen Blockchain und Kryptos in den letzten Jahren regulatorisch etwas verbummelt, andere Länder sind inzwischen an der Schweiz vorbeigezogen.
Der Bundesrat hat spät reagiert und letzten Oktober seine Vorlage zur Anpassung des Schweizer Regulierungsrahmens und konkret zu Änderungen des Finanzinstitutsgesetzes (FINIG) in die Vernehmlassung geschickt. Unter anderem schlägt der Bundesrat zwei neue Bewilligungskategorien vor.
Die Kategorie "Zahlungsmittelinstitute" soll die bestehende FinTech-Bewilligung ablösen. Und Zahlungsmittelinstitute sollen dann auch Stablecoins ausgeben dürfen. Krypto-Institute, die zweite Kategorie, sollen unterschiedliche Dienstleistungen mit Kryptowährungen erbringen können. Alle Details zur neuen Regulierung gibt's hier.
Die Swiss Blockchain Federation (SBF) und mehrere andere Branchenverbände bezeichnen die vorgeschlagenen Anpassungen des Regulierungsrahmen als guten Anfang, vermissen jedoch "eine klare Vision" für den Finanzplatz der Zukunft. Zudem verlangen die Verbände mehr Klarheit in zahlreichen Punkten und weniger Restriktionen, durch welche die Schweiz im internationalen Wettbewerb noch weiter zurückzufallen könnte.
Die Liste der Einwände und Verbesserungsvorschläge der SBF-Arbeitsgruppe ist umfassend, der Katalog in 14 Punkten kann hier studiert werden.
Die Vernehmlassungs-Periode läuft am 6. Februar ab, das bedeutet: die Würdigung der Einwände von verschiedenen Seiten, Anpassungen und Ausarbeitung der finalen Version des Finanzinstitutsgesetzes werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
In der Zwischenzeit bleiben verschiedene Initiativen weiterhin in den Warteräumen, zum Beispiel jene von Swiss Stablecoin, welche seit 2022 die Vision des regulierten CH-Stablecoins verfolgt. Nägel mit Köpfen sind erst möglich, wenn das neue FINIG mit verbindlichen Krypto-Regulierungen steht.
Der nächste CHF-gedeckte Stablecoin kommt aus Deutschland
AllUnity, ein Joint Venture der Deutsche-Bank-Tochter DWS, von Flow Traders und von Galaxy, nutzt die freie Spielwiese und will einen auf Schweizer Franken lautenden Stablecoin namens CHFAU einführen. Das umtriebige FinTech ist seit letztem Sommer bereits mit dem Euro-Stablecoin EURAU im Markt.
Seit Ende 2025 partnert AllUnity auch mit der Deutschen Börse, mit dem Ziel, das regulierte Euro-basierte Stablecoin-Angebot von AllUnity in die Infrastruktur der Deutsche Börse Group zu integrieren und damit neue Möglichkeiten für digitale Finanzmärkte in Europa zu erschliessen. Gemeinsam wollen die beiden Partner Stablecoins in Europa forcieren. Details zur Kooperation und den hochgesteckten Zielen gibt's hier.
AllUnity hat nach eigenen Aussagen den CHF-gedeckten CHFAU in kurzen zwei Monaten vom Konzept zur Marktreife gebracht. Nach Abschluss der regulatorischen Prüfungen und der operativen Vorbereitungen ist die Einführung derzeit bereits für Februar 2026 geplant.
Der auf Schweizer Franken lautende Stablecoin soll gemäss den Stablecoin-Standards von AllUnity in Bezug auf Vertrauen, Transparenz und regulatorische Konformität ausgegeben werden.
Das FinTech will damit nach eigenen Aussagen den Schweizer Franken, eine der stabilsten und vertrauenswürdigsten Währungen der Welt, auf digitale Märkte erweitern. Das klingt nach einer Zielsetzung, die auch gut zu einem Schweizer Unternehmen mit einem Schweizer Stablecoin gepasst hätte.
Der CHFAU-Stablecoin ist als regulierter E-Geld-Token gemäss der EU-Verordnung über Märkte für Krypto-Assets (MiCAR) konzipiert und ermöglicht eine konforme Ausgabe in der gesamten Europäischen Union.
Mit seiner bevorstehenden Einführung wird der Stablecoin vollständig durch zulässige, auf Schweizer Franken lautende Reserven gedeckt sein und durch Nachweise über die Reserven und regulatorische Berichterstattung Transparenz auf institutionellem Niveau bieten.
Der CHFAU-Stablecoin ist so konzipiert, dass er rund um die Uhr sofortige grenzüberschreitende Abrechnungen und eine nahtlose Integration für regulierte Finanzinstitute, Finanzministerien, FinTechs und Unternehmenskunden in ganz Europa und darüber hinaus ermöglichen soll.
«Banken, Unternehmen und Firmenkunden verlangen zunehmend nach stabilem, programmierbarem Geld, das sofort, sicher und transparent transferiert werden kann und gleichzeitig innerhalb der bestehenden regulatorischen Rahmenbedingungen funktioniert. Der Schweizer-Franken-Stablecoin von AllUnity wurde entwickelt, um dieser Nachfrage gerecht zu werden und eine zuverlässige Grundlage für institutionelle Abrechnungen, Treasury-Operationen und On-Chain-Liquidität zu bieten», sagt Alexander Höptner, CEO von AllUnity.
Mit der Einführung des Schweizer-Franken-Stablecoins will AllUnity neben EURAU, dem Euro-gestützten Stablecoin, das Stablecoin-Portfolio des FinTechs erweitern. Damit folgt das Unternehmens seiner Strategie, ein multivalutarisches, stets verfügbares digitales Geldsystem aufzubauen, das auf einer soliden Grundlage der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften basiert.