Neo-Banken

Was macht eigentlich die Neo-Bank Yapeal?

Smartphone-App und Debitkarte der Neo-Bank Yapeal
Bild: Yapeal

Um die Neo-Bank Yapeal ist es seit längerem schon eher ruhig. Um andere Schweizer Neo-Banken auch. Das hat unterschiedliche Gründe.

Haben sich zuzeiten die News um Schweizer Neo-Banken in Takt und Häufigkeit überboten, bleibt es in den letzten Monaten um die neuen Banken ziemlich still. Abgesehen von den Neueinsteigern mit Spezialisierungen, die sich ab und an zu Wort melden, zum Beispiel Relio, Alpian oder Radicant.

Ebenfalls ausgenommen sind die ausländischen Neo-Banken, die auch in der Schweiz aktiv sind, die operieren weiterhin am Puls der Medien, zum Beispiel N26 (aktuell 8 Millionen Kunden), Revolut (aktuell 30 Millionen Kunden, davon 600'000 in der Schweiz) und Wise (aktuell 16 Millionen Kunden). 

Warum sind die Schweizer Neo-Banken so schweigsam?

Yuh und FlowBank gehören zu den noch hörbaren Neo-Banken, bleiben jedoch im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Takt von 2022 in Sachen News ebenfalls tendenziell untertemperiert.

Die kommunikative Windstille hat unterschiedliche Gründe. Yuh (aktuell 130'000 Kunden), Zak (aktuell 60'000 Kunden) und FlowBank sind einfach am Werkeln und erweitern ihre Apps. Neon (aktuell 150'000 Kunden) ist bemüht, den Weg in die Profitabilität zu schaffen. CSX von Credit Suisse und Key4 von UBS haben derzeit andere Schwerpunkte und Baustellen.

Bleibt noch Yapeal, die Neo-Bank mit FinTech-Lizenz, die seit längerem und am konsequentesten schweigt. Wiederum aus anderen Gründen.

Der Strategie-Wechsel von Yapeal

Die Neo-Bank Yapeal hat seit ihrem Markteintritt im Juli 2020 die besten Entwickler an Bord – und deshalb auch beste Software entwickelt. Technologie, die zu gut ist für ein einziges FinTech. Yapeal hat nach dem Deal und der strategischen Partnerschaft mit Abacus Anfang 2021 zuerst inoffiziell, später auch offen kommuniziert, einen markanten Strategiewechsel vollzogen – vom reinen B2C- zum B2B4C-Geschäft.

Bestehende Nutzerinnen und Nutzer sollen nicht vernachlässigt werden, aber Marketing fürs B2C-Neukundengeschäft ist komplett gestrichen worden. Yapeal mischt im kostenintensiven Kampf um weitere Kunden nicht mehr mit. Neue Nutzerinnen und Nutzer finden den Weg über Kooperationen und Drittpartner zu Yapeal. Deshalb ist die Neo-Bank in Sachen Werbung, Marketing und Medienarbeit praktisch nicht mehr sichtbar.

Seit etwa zwei Jahren stehen Kooperationen, Partnerschaften, Banking as a Service (BaaS) und Embedded Finance im Vordergrund. Diese Entwicklung wird stark getrieben durch Claudio Hintermann von Abacus, der unter anderem die Deep-Tech- und Deep-Box-Produktelinie forciert, Spesenmanagement und Buchhaltung inklusive, und damit Finanzen in Unternehmen mit Banking verbindet.

Abacus hat sich Anfang 2021 mit mehreren Millionen Franken an Yapeal beteiligt. Im Februar 2022 hat Abacus seine Beteiligung an der Neo-Bank signifikant erhöht, im Mai des laufenden Jahres ist das finanzielle Engagement nochmals ausgebaut worden. Diese Investitionen dürfen als Bestätigung der neuen Strategie verstanden werden, die auf verschiedenen Ebenen Früchte trägt.

Direkte und bestehende B2C-Nutzer bleiben wichtig, sie dienen auch als Test-Community für neue Funktionen. Der Fokus auf B2B und der Weg von B2B4C dürfte sich langfristig als kluge Strategie erweisen, weil sie über zwei Kanäle Erträge generiert. Der Kanal B2B mit BaaS und Embedded Finance Services dürfte zudem monetär wesentlich mehr Potenzial haben im Vergleich zum reinen B2C-Geschäft, in dem sich auch zahlreiche andere Neo-Banken engagieren.

Wo steht Yapeal heute?

Die Neo-Bank ist heute breit aufgestellt und bietet nicht ein Konto für alle, vielmehr unterschiedliche Leistungspakete für verschiedene Kundengruppen.

Für Private
Neben Konto, Karte und den gewohnten Banking-Funktionen hat Yapeal auch verschiedene Spezialitäten im Programm. Für Private zum Beispiel ein Kinder- und Jugendkonto. Für junge Leute und Sprachreisende ein Konto für Auslandaufenthalte. Für Auslandschweizer das Konto für die fünfte Schweiz. Für Grenzgänger und Saisonniers das Crossborder-Konto. Diese Kontotypen unterscheiden sich nicht grundlegend, die Positionierung und die Zielgruppenansprache schaffen die eigentliche Differenzierung.

Für Firmen
Für KMU und Startups gibt's ein Firmenkonto mit speziellem Business Card-Programm, Integration von Loyalty-Programmen für die Kunden der Firma, Spesenmanagement, Buchhaltungsanbindung und zahlreichen Leistungen, die für Unternehmen wichtig sind. Das volldigitale Onboarding für Firmen gehört mit dazu, ebenso die vollständig digitale Firmengründung in wenigen Stunden für neue Firmen und Startups, Kapitalkonto inklusive. Rund um Startups und Firmen ist ein Business-Konto geschaffen worden, das in Leistungen und Erweiterungsmöglichkeiten sehr viel anbietet.

Für FinTechs, Banken und Unternehmen
Yapeal operiert inzwischen auch offensiv im Bereich Banking as a Service und Embedded Finance. Technologie, IT- und Finanzlösungen der Neo-Bank stehen FinTechs, Banken und Unternehmen zur Verfügung. Ob die unterschiedlichen Kundengruppen integrierte Lösungen im Zusammenhang mit Konto, Karte, Zahlungen, Onboarding, Kunden-Identifikation und KYC benötigen – was Yapeal an Technologie, Know-how, Plattform und Services zu bieten hat, kann auch von Dritten gebucht und in der eigenen Software-Umgebung integriert und eingesetzt werden. 

Der Strategiewechsel und seine Auswirkungen

Die neue Ausrichtung auf das B2B4C-Geschäft ist von einem Teil der Community nahezu schon als Liebesentzug empfunden worden. Das ist verständlich, weil der Eindruck entstanden ist, Yapeal würde die App nicht mehr weiterentwickeln und laufend ausbauen. Dieser Phantomschmerz ist inzwischen weitgehend verschwunden.

Bestehende Nutzerinnen und Nutzer profitieren von allen Neuerungen in der App, einzig das direkte Marketing und die Neukundengewinnung sind weggefallen. Dieser Job wird innerhalb verschiedener Kooperationen neu von Drittpartnern übernommen. Um Yapeal ist es nicht wirklich ruhig geworden, die Musik spielt inzwischen einfach auf anderen Kanälen, verstärkt hörbar in BaaS und Embedded Finance.

Dadurch hat Yapeal "die Hände frei" und kann das tun, was die Neo-Bank am besten kann: entwickeln sowie Technologien verbinden und optimieren. In der Schweiz hat Yapeal damit eine Sonderstellung als Neo-Bank, gehört zu den Protagonisten von Open Finance und ist die einzige Neo-Bank, die BaaS und Embedded Finance Services anbietet. Yapeal tanzt mit ein- und denselben Produkten auf zwei Hochzeiten und öffnet sich damit auch zwei Erträgskanäle – ohne den Druck, im B2C-Bereich auf Gedeih und Verderb skalieren zu müssen. Eine Positionierung und Alleinstellung, die sich mittel- und langfristig auszahlen könnte.