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Vom Internetgeschäft im Libanon zur globalen Travel-Tech-Marke aus Rumänien

Ahmad Khodr, Gründer und CEO des Startups AloFor
Ahmad Khodr, Gründer und CEO des Startups AloFor

Gründer Ahmad Khodr erzählt seine Startup-Geschichte und teilt dabei Erfahrungen, Betrachtungen und Einsichten.

Vor mehr als zehn Jahren begann meine berufliche Geschichte nicht mit einer Startup-Präsentation, sondern ganz praktisch mit Internet und Netzwerken im Libanon. Ich betrieb Internetstationen, arbeitete direkt mit Konnektivität, Routing und Netzwerktechnik und erlebte täglich, wie abhängig Menschen von einer Verbindung sind, die im Idealfall einfach funktioniert. In dieser Zeit absolvierte ich auch zwei professionelle MikroTik-Zertifizierungen.

Diese Jahre haben meine Sicht auf Technologie stärker geprägt als jede theoretische Marktanalyse. Für einen Kunden ist Konnektivität kein technisches System. Sie ist entweder da oder nicht da. Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Support werden nicht als einzelne Abteilungen wahrgenommen, sondern als ein einziges Erlebnis.

Für einen Kunden ist Konnektivität kein technisches System – sie ist entweder da oder sie ist nicht da

Irgendwann stellte sich für mich deshalb eine grössere Frage: Wie lässt sich Erfahrung aus einem lokal begrenzten Internetgeschäft in ein Produkt übersetzen, das nicht mehr durch ein Land, eine Stadt oder eine physische Infrastruktur vor Ort begrenzt ist?

Die Antwort führte mich zu Travel Connectivity und eSIM.

Warum eSIM für mich mehr als ein Telekomprodukt ist

Reisen wurden in den vergangenen Jahren fast vollständig digitalisiert. Flug, Hotel, Transfer, Versicherung und Bordkarte befinden sich längst auf dem Smartphone. Ausgerechnet die mobile Internetverbindung im Zielland wird aber noch oft erst nach der Landung gelöst — mit klassischem Roaming, einer physischen SIM-Karte oder der Suche nach Wi-Fi.

Mit eSIM verschiebt sich dieser Moment. Konnektivität kann vor der Reise ausgewählt, digital gekauft und auf einem kompatiblen Gerät vorbereitet werden. Für mich ist das weniger eine Geschichte über eine neue SIM-Technologie als über die Digitalisierung eines bislang umständlichen Teils der Reise.

Genau an dieser Stelle entstand AloFor

Ich wollte kein lokales Produkt bauen, das vielleicht später internationalisiert wird. AloFor S.R.L. wurde in Rumänien als europäische Basis aufgebaut, aber vom ersten Tag an für einen globalen Markt gedacht. Heute ist AloFor über Web, iOS und Android verfügbar und deckt inzwischen mehr als 200 Destinationen ab. In ausgewählten Märkten beginnen Angebote bei 1 US-Dollar.

Diese Zahlen sind nicht der Kern der Geschichte. Entscheidend ist für mich, dass ein Unternehmen aus Rumänien unmittelbar in einer internationalen Kategorie antreten kann, in der längst bekannte und wesentlich grössere Marken aktiv sind.

Warum Rumänien?

Als libanesischer Unternehmer und Software Engineer war Rumänien für mich kein Marketingargument, sondern eine unternehmerische Basis in Europa. Ich wollte eine Gesellschaft innerhalb der Europäischen Union aufbauen und gleichzeitig von Anfang an ausserhalb des rumänischen Marktes denken.

Das hat einen wichtigen Effekt auf die Entscheidungen im Unternehmen. Wenn der erste Markt global ist, kann man Produkt, Sprache, Support, Zahlungsprozesse und Nutzererfahrung nicht auf eine einzige nationale Gewohnheit optimieren. Man muss von Beginn an davon ausgehen, dass der nächste Kunde aus einem anderen Land kommt, ein anderes Gerät nutzt, in einer anderen Währung denkt und zu einer anderen Uhrzeit Hilfe braucht.

Darin liegt auch eine der grössten Herausforderungen. Globalität ist auf einer Website schnell behauptet. Im täglichen Betrieb bedeutet sie jedoch, sehr viele kleine Unterschiede so zu organisieren, dass sie für den Reisenden möglichst unsichtbar bleiben.

Das Geschäftsmodell muss einfach erklärbar bleiben

Das Grundmodell von AloFor ist bewusst leicht verständlich: Ein Reisender wählt für ein Land oder eine Region einen digitalen Datentarif, kauft ihn online oder über die App und erhält die eSIM digital. AloFor verdient am Verkauf dieser Reise-Datentarife.

Ich halte es für wichtig, ein Geschäftsmodell auch ohne technische oder finanzielle Nebelkerzen erklären zu können. Die eigentliche unternehmerische Aufgabe liegt nicht darin, den Vorgang komplizierter darzustellen, als er ist. Sie liegt darin, aus einem internationalen Produkt einen verlässlichen Service und langfristig eine Marke zu machen.

Ich halte es für wichtig, ein Geschäftsmodell auch ohne technische oder finanzielle Nebelkerzen erklären zu können

Preis spielt dabei eine Rolle, aber Preis allein ist keine Strategie

Ein günstiges Angebot kann einen Kunden zum ersten Kauf bewegen. Ob er einer Marke erneut vertraut, entscheidet sich an anderen Dingen: War die Auswahl verständlich? Wusste er, was er kauft? War die digitale Bereitstellung klar? Konnte er die eSIM ohne unnötige Hürden verwenden? Gab es erreichbaren Support, wenn etwas nicht wie erwartet funktionierte?

Gegen die Grossen anzutreten ist Teil des Plans

Der Travel-eSIM-Markt ist kein leerer Markt. Internationale Marken wie Airalo, Holafly, Saily, Nomad und andere haben bereits Bekanntheit, Reichweite und erhebliche Ressourcen aufgebaut. Für einen neuen europäischen Anbieter wäre es unrealistisch, diese Fakten auszublenden.

Ich sehe sie aber nicht als Grund, den Markt nicht zu betreten. Im Gegenteil: Wenn eine Kategorie bereits globale Unternehmen hervorgebracht hat, zeigt das auch, dass das Kundenproblem real und international ist.

Die relevante Frage lautet deshalb nicht: Wie wird ein junges Unternehmen über Nacht grösser als alle etablierten Anbieter? Die Frage lautet: Wo kann es schneller, klarer und näher am Kunden arbeiten?

Ein Founder-led Unternehmen kann Entscheidungen ohne mehrere Managementebenen treffen. Probleme landen schneller bei den Menschen, die das Produkt verändern können. Neue Märkte, Inhalte, Preisstrukturen und Supportabläufe können schneller angepasst werden. Diese Geschwindigkeit ist kein Ersatz für Grösse, aber sie ist ein echter Wettbewerbsvorteil, solange das Unternehmen jung und fokussiert bleibt.

AloFor tritt bewusst in derselben globalen Arena an wie die bekanntesten internationalen eSIM- und Travel-Connectivity-Marken. Unser Anspruch ist nicht, als kleiner regionaler Anbieter wahrgenommen zu werden, sondern eine eigenständige globale Marke aufzubauen, die um denselben internationalen Reisenden konkurriert.

Der schwierigste Teil ist Vertrauen

Bei vielen digitalen Produkten kann ein Kunde einen Fehler später korrigieren. Bei Reise-Konnektivität entsteht das Problem häufig genau dann, wenn der Kunde sie braucht: nach der Landung, in einem fremden Land, vielleicht ohne zuverlässiges Wi-Fi.

Deshalb halte ich Vertrauen für wichtiger als jede einzelne Funktion.

Eine junge Marke kann nicht behaupten, dieselbe Historie zu besitzen wie ein Unternehmen, das seit Jahren am Markt ist. Sie muss Vertrauen anders aufbauen: durch klare Informationen, nachvollziehbare Preise, einen professionellen Web- und App-Auftritt, erreichbaren Support und einen Umgang mit Problemen, der den Kunden nicht allein lässt.

Die Distanz hat sich verändert, die Erwartung nicht: Der Kunde will, dass jemand Verantwortung übernimmt

Gerade hier hilft mir meine Vergangenheit im Internetgeschäft. Früher sass der Kunde vielleicht nur wenige Kilometer entfernt und meldete sich, wenn eine Verbindung ausfiel. Heute kann er auf einem anderen Kontinent sein. Die Distanz hat sich verändert, die Erwartung nicht: Er will, dass jemand Verantwortung übernimmt.

Von einem eSIM-Angebot zu einer Travel-Connectivity-Marke

Mein langfristiges Ziel mit AloFor ist deshalb grösser als ein Katalog von Datentarifen.

Ich möchte eine Marke aufbauen, an die ein Reisender bereits vor dem Abflug denkt. So wie Menschen bestimmte Plattformen mit Hotels, Flügen oder Mobilität verbinden, soll AloFor langfristig mit internationaler Konnektivität verbunden werden.

Dazu gehört, dass Web, iOS und Android nicht als getrennte Produkte wirken. Dazu gehören Internationalisierung, Support, eine verständliche Benutzererfahrung und die Fähigkeit, in sehr unterschiedlichen Reisemärkten relevant zu sein.

Und dazu gehört die Bereitschaft, gegen Unternehmen anzutreten, die heute deutlich bekannter sind.

Ich halte die Vorstellung für falsch, dass ein globales Technologieunternehmen zwingend in einem der klassischen Startup-Zentren entstehen muss. Meine eigene Laufbahn begann im Libanon mit sehr praktischer Internet- und Netzwerkarbeit. Heute baue ich aus Rumänien ein europäisches Unternehmen für internationale Reisende auf.

Für mich ist AloFor deshalb kein Bruch mit meiner Vergangenheit. Es ist ihre logische internationale Weiterentwicklung.

Die wichtigste Lektion bisher

Wenn ich aus dem Aufbau von AloFor eine Lektion herausgreifen müsste, wäre es diese: Global denken bedeutet nicht, möglichst viele Dinge gleichzeitig zu tun. Es bedeutet, ein sehr klares Problem für Menschen in vielen Ländern gleichermassen verständlich zu lösen.

Der Reisende möchte nicht wissen, wie komplex internationale Konnektivität im Hintergrund sein kann. Er möchte vor der Reise eine Entscheidung treffen und nach der Landung online sein.

Global denken bedeutet, ein sehr klares Problem für Menschen in vielen Ländern gleichermassen verständlich zu lösen

Je grösser der Markt und je stärker die Wettbewerber, desto wichtiger wird diese Einfachheit.

AloFor wurde mit genau diesem Anspruch aufgebaut: aus Rumänien, von einem libanesischen Unternehmer mit einem Hintergrund in Software, Internet und Netzwerken, für einen Markt, der keine Landesgrenzen kennt. Die etablierten globalen Marken setzen die Messlatte hoch. Unsere Aufgabe ist nicht, diese Messlatte zu beklagen, sondern sie zu erreichen — und dort, wo wir schneller oder näher am Kunden sein können, sie höher zu legen.

Der Autor: Ahmad Khodr

Ahmad Khodr, Gründer und CEO des Startups AloFor

Ahmad Khodr ist ein libanesischer Unternehmer und Software Engineer sowie Founder & CEO der AloFor S.R.L.

Vor der Gründung von AloFor arbeitete er rund zehn Jahre praktisch im Internet- und Netzwerkbereich im Libanon und betrieb eigene Internetstationen. Er verfügt über zwei professionelle MikroTik-Zertifizierungen. Heute baut er von Rumänien aus AloFor als europäische Travel-Tech- und eSIM-Marke für einen globalen Markt auf.