Der aktuelle Bericht der Finanzaufsicht BaFin ist brisant. Die gute Stimmung an den Märkten blendet nach Meinung der Finanzaufsicht stabilitätsbedrohende Faktoren aus: Handels- und militärische Konflikte, die hohe Verschuldung wichtiger Industrienationen sowie die ungeklärte Frage, ob die Wachstums- und Kurseuphorie bei Künstlicher Intelligenz mittelfristig durch Fakten gerechtfertigt wird.
Hinzu komme, so die BaFin, der beispiellose politische Druck auf Institutionen, der die internationale Reaktionsfähigkeit im Krisenfall gefährden könnte.
Für BaFin-Präsident Mark Branson ist das eine gefährliche Mischung. Er sagte bei der Vorstellung des Berichts: «Das Risiko steigt, dass die Finanzstabilität einen Härtetest bestehen muss. Das Potenzial für plötzliche Markt- und Preiskorrekturen ist hoch.»
Sechs Marktrisiken, drei Trends und drei Verbraucherrisiken
In ihrer Risikobewertung für das deutsche Finanzsystem nehmen die Finanzaufseher im laufenden Jahr sechs Finanzmarktrisiken genauer unter die Lupe. Darüber hinaus analysieren sie drei Trends, die den Finanzsektor tiefgreifend verändern: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und geopolitische Umbrüche. Und zum ersten Mal macht die BaFin in ihrem Bericht auch die wichtigsten Verbraucherrisiken zum Thema:
- Drohende Überschuldung, besonders, wenn man heute kauft und erst später bezahlt
- Durch soziale Medien angeheizte Investitionen von Privatleuten, besonders in Kryptowerte
- Den Abschluss kapitalbildender Lebensversicherungen mit überhöhten Kosten
Statements von BaFin-Präsident Mark Branson
Mark Branson zu den stabilitätsbedrohenden Faktoren, die in in den letzten Jahren eindeutig gewachsen sind:
«Wenn es in so einer unsicheren Welt beim Marktoptimismus, bei der Risikonahme in privaten Märkten und beim Wachstum von leicht regulierten Vehikeln so weiter geht, dann muss es irgendwann knallen.»
Branson zu Stablecoins:
«Wer in Stablecoins investiert, muss sich also auf das Stabilitätsversprechen der Anbieter verlassen können. Aber was passiert, wenn dieses Vertrauen einmal schwindet? Wenn der Preis des Stablecoins von seinem Zielwert abweicht? Wenn es zu einem länger anhaltenden De-Peg-Event kommt? Wenn Investoren massenhaft aus einem Stablecoin aussteigen würden, wäre das ähnlich einem Bankrun.»
Branson zu Kryptowährungen:
«Ich will niemandem verbieten, ins Casino zu gehen. Aber man sollte genau wissen, was man tut, wenn man sich an den Spieltisch setzt.»
Branson zum Bericht "Risiken im Fokus":
«Wir in der Aufsicht können und wollen den Seegang nicht kontrollieren. Dafür aber die Seetüchtigkeit der Schiffe und, ob es reicht für die vorgesehene Reise. Je vielfältiger die Risiken eines Finanzunternehmens desto höher die Sicherheitsstandards und desto dichter das Kontrollnetz: das ist Proportionalität und Risikoorientierung.
Unsere "Risiken im Fokus" sind Teil der Ausrüstung. Wir zeigen damit dem Markt, wie wir versuchen, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und zu analysieren. Um bei unserer Arbeit die richtigen Prioritäten zu setzen.
Das ist Prävention. Das ist eine risikoorientierte Aufsicht. Sie ist nicht spektakulär. Sie wird meist nicht bemerkt. Aber sie kann entscheidend sein für ein stabiles und resilientes Finanzsystem.»
Die Analysen und Überlegungen der BaFin zu den verschiedenen Themen sind im Detail in den folgenden Berichten zusammengefasst:
Finanzmarktrisiken im Fokus 2026
- 1. Risiken aus signifikanten Korrekturen an den internationalen Finanzmärkten
- 2. Risiken aus dem Ausfall von Unternehmenskrediten
- 3. Risiken aus den Gewerbeimmobilienmärkten
- 4. Risiken aus Cyber-Vorfällen mit gravierenden Auswirkungen
- 5. Risiken aus Konzentrationen bei der Auslagerung von IKT-Dienstleistungen
- 6. Risiken aus unzureichender Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung
Bedeutende Trends
Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher im Fokus 2026
- Konsumfinanzierung auf Kredit
- Investitionen in Kryptowerte und der Einfluss sozialer Medien auf das Anlageverhalten
- Kosten von kapitalbildenden Lebensversicherungen
Die Berichte sind lesenswert, zumal sie in grossen Teilen die Finanzmärkte in einer stark globalisierten Welt beleuchten – eine Welt, die sich jedoch zunehmend deglobalisiert. Das stellt notwendige globale Sicherheitsstandards und globale Zusammenarbeit im Krisenfall in Frage.