Warum sehen Schweizer CEOs schwärzer als der Rest der Welt?

CEOs, die verzweifelt und verzagt in die Kamera schauen

Herausforderungen zum Trotz, die Schweiz ist nach wie vor gut aufgestellt für die Zukunft. Zum Bremsklotz könnte um sich greifender Pessimismus werden.

Geopolitische Unsicherheiten, kriegerische Konflikte, steigende Zölle, eine zunehmend instabile Weltordnung, auseinanderbrechende Bündnisse, ein US-Präsident, der einstige Partner bedroht und andere Länder rücksichtslos unter seine Kontrolle bringen will – all das und mehr ist Gift für die Weltgemeinschaft und wirft Sand ins Getriebe der Weltwirtschaft.

Allen Herausforderungen zum Trotz: Kein Raum für Pessimismus

Pessimismus ist der kleine Bruder von Kapitulation – und deshalb kein guter Gefährte. Steigen die Herausforderungen und Schwierigkeiten, schaffen nüchterne Analysen Klarheit. Und auf dem Boden dieser Analysen führen pragmatische Strategien und zielgerichtete Massnahmen zum Erfolg. Vielleicht in kleineren Schritten als gewünscht, aber die Richtung stimmt. Diese Richtung ist mit Optimismus und dem Glauben ans Gelingen durch eigene Stärke sehr viel leichter zu verfolgen.

Bei der diesjährigen Global CEO Survey von EY fällt auf, dass die Schweizer CEOs in fast allen Bereichen deutlich schwärzer sehen als der Rest der Welt. Dafür gibt's keinen Grund. Die Schweiz ist nach wie vor gut aufgestellt für die Zukunft und kann erfolgreich sein – sofern der Weg in diese Zukunft entschlossen und kraftvoll beschritten wird 

Ja, vieles ist schwieriger geworden. Nein, es ist überhaupt nicht unmöglich, bestehendes Terrain zu verteidigen und wirtschaftlich neues Terrain zu erobern. Niemand behauptet, das wäre leicht. Sicher aber ist: es ist nur schaffbar mit Mut, Kreativität, Innovations- und Risikobereitschaft. Über diesen Eigenschaften weht dann auch die Flagge des Optimismus. Zumal die eigene Haltung Ergebnisse und Erfolge stark beeinflusst und mitbestimmt. Deshalb: Kein Raum für Pessimismus, gerade in schwierigen Zeiten sind andere Einstellungen gefragt.

Die Studie "Global CEO Survey 2026"

Die 29. Global CEO Survey wurde zwischen dem 30. September und 7. November 2025 durchgeführt. Weltweit wurden 4’454 CEOs aus 95 Ländern, darunter 81 aus der Schweiz, online befragt.

Die Schweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer stammen aus verschiedenen Branchen und Unternehmensgrössen, 79 Prozent sind börsenkotiert. Im Folgenden bringen wir einige Resultate mit der Haltung der Schweizer CEOs im Vergleich zu den CEOs weltweit.

Gedämpfte Wachstums-Erwartungen

Nur noch 37 Prozent der Schweizer CEOs erwarten für 2026 ein Wachstum des Schweizer BIP – das sind nur noch halb so viele wie im Vorjahr (68 %). Damit hat sich der Wachstumsausblick dramatisch getrübt. Die Gründe sind vielschichtig: steigende geopolitische Unsicherheiten, makroökonomische Volatilität und regulatorische Hürden auf regionaler Ebene.

Auch in Bezug auf das Wachstum der eigenen Unternehmen sind die Befragten weniger optimistisch: Nur noch rund ein Viertel (26 %) erwarten für die nächsten zwölf Monate einen Umsatzanstieg – ein Tiefststand seit 2020. Etwas optimistischer sind sie für die nächsten drei Jahre (32 %), doch auch hier liegen sie deutlich unter dem globalen Durchschnitt (49 %).

Während knapp ein Drittel (31 %) der befragten CEOs von sinkenden Gewinnmargen infolge der US-Zollpolitik ausgehen, stellen Zölle für die grosse Mehrheit der befragten Schweizer Unternehmen eine überraschend geringe Belastung dar. 59 Prozent erwarten keine Einbussen bei ihren Gewinnmargen aufgrund von Zöllen. Gleichzeitig geben rund zwei Drittel der Befragten (65 %) an, dass geopolitische Risiken, einschliesslich Zölle, kaum Einfluss auf ihre Investitionsentscheidungen im kommenden Jahr haben werden.

«Die Schweiz zeigt sich im Umgang mit Zöllen widerstandsfähig. Viel mehr Sorgen bereiten uns das langsame wirtschaftliche Wachstum und vor allem die grundsätzlichen Fragen, wie wir mit dem technologischen Wandel – insbesondere KI – umgehen», sagt Gustav Baldinger, CEO von PwC Schweiz.

KI kostet Jobs – Berufseinsteiger sind am meisten betroffen

Im Zentrum der Sorgen steht die Künstliche Intelligenz als Treiber technologischer Disruption und Arbeitsmarktveränderungen: 42 Prozent der Schweizer CEOs prognostizieren für die nächsten drei Jahre einen signifikanten Abbau von Arbeitsplätzen, vor allem bei den Nachwuchskräften.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf mittlerer Ebene werden weniger stark betroffen sein (25 %). Im Gegensatz dazu rechnen 76 Prozent mit stabilen Zahlen in höheren Führungsebenen – hier gehen nur 8 Prozent der CEOs von sinkender Beschäftigung aus.

Die wichtigste Frage, die CEOs weltweit – auch im Zusammenhang mit KI – beschäftigt, ist, ob sie die Transformation schnell genug vorantreiben, um mit dem technologischen Wandel Schritt zu halten. Mehr als die Hälfte der CEOs in der Schweiz (54 %) beschäftigt diese Frage. Im globalen Durchschnitt sind es allerdings deutlich weniger (42 %). Auch die Frage, ob die firmeneigene Innovationskraft den Anforderungen der Zukunft genüge, hält in der Schweiz mehr CEOs auf Trab als weltweit.

Im globalen Vergleich fällt auf, dass Schweizer Unternehmen zwar ähnliche Kostensenkungen durch KI erzielen (55 % vs. 49 % weltweit), jedoch deutlich weniger Umsatzsteigerungen generieren (nur 15 % vs. 30 % international). Damit hinken sie bei einer nachhaltigen Monetarisierung von KI noch hinterher.

Zudem verfügen nur 44 Prozent über eine klare KI-Transformations-Strategie (global 51 %) und lediglich 26 Prozent können hochqualifizierte KI-Expertinnen und -Experten gewinnen (global 42 %). KI wird hierzulande häufiger unterstützend eingesetzt, weniger jedoch zur direkten Nachfrage- und Umsatzsteigerung.

Cyberrisiken und globale Unsicherheiten sind die grössten Risiken

Cyberkriminalität bleibt mit 28 Prozent der Nennungen die grösste Bedrohung, ein klares Alarmzeichen in einer zunehmend digitalisierten Welt. Zugenommen in der Risikowahrnehmung der Schweizer CEOs haben geopolitische Konflikte (21 %) und technologische Disruption (17 %) – letztere sogar sprunghaft von 10 Prozent vor einem Jahr.

Dies zeigt deutlich, wie enorm der Druck auf hiesige Unternehmen gestiegen ist. Der Klimawandel hat im Vergleich zu den drei Vorjahren als Risikofaktor zwar wieder zugelegt, liegt mit 10 Prozent aber an zweitletzter Stelle.

Innovation, technologischer Wandel und Mut zum Risiko beeinflussen die Zukunftsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft

Innovation ist für 44 Prozent der Schweizer CEOs ein zentraler Erfolgsfaktor. Unternehmen mit etablierten Innovationsfähigkeiten erzielen nachweislich höhere Umsätze mit neuen Produkten und Dienstleistungen.

Gleichzeitig zeigt sich eine deutlich geringere Toleranz gegenüber Innovationsrisiken in der Schweiz (12 %) im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt (25 %). Diese Vorsicht könnte zur Achillesferse werden: Nur 15 Prozent der Schweizer CEOs stoppen leistungsschwache Innovationsprojekte, weltweit sind es 24 Prozent.

Dennoch ist die Schweiz ein führendes Innovationsland, dessen Unternehmen dank grosser Anpassungsfähigkeit und Resilienz auch in einem volatilen globalen Umfeld bestehen. Um diese Spitzenposition zu halten und weiter zu wachsen, müssen Schweizer Unternehmen jedoch ihre Agilität und Risikobereitschaft verstärken – insbesondere durch eine stärkere Ausrichtung auf die Chancen des technologischen Wandels. 

«Das setzt regulatorische Vereinfachungen voraus, um als Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben», sagt Baldinger. «Die Schweiz steht an einem kritischen Wendepunkt: Nur wer den Sprung in die technologische Zukunft wagt, kann weiter wachsen. Zögern wird zum Risiko, das unseren Standort langfristig schwächt», gibt Baldinger zu bedenken.

Fazit

Wo Schweizer CEOs nach eigenen Aussagen in kurzer Zusammenfassung aktuell hinter den CEOs im Rest der Welt zurückliegen: Zweifel an der Innovationskraft des eigenen Unternehmens, geringe Risikotoleranz, zögerlicher Umgang mit der Transformation, um mit dem technologischen Wandel Schritt zu halten und Defizite im Umgang mit der KI.

Nun gehören diese Zweifel, Zögerlichkeiten und Defizite jedoch nicht in die Kategorie der unveränderbaren Naturgesetze, jeder einzelne dieser Punkte kann angepackt werden und ist veränderbar. Diesen Willen zur Veränderung darf man auch erwarten. Schliesslich sind hochbezahlte CEOs als kreative, entschlossene und optimistische Macherinnen und Macher auf ihre Sessel gehievt worden und nicht als zaudernde und zweifelnde Pessimisten.