Analyse

Apple ist mit seinen Finanzdienstleistungen erfolgreich – die involvierten Banken sind es nicht

Apple Card, die Kreditkarte von Apple
Bild: Apple

Apple ist mit seinem iPhone auf dem Weg zur Finanz-Super-App – der Erfolg des Big Techs geht momentan aber noch auf Kosten der Partner-Banken.

Der Tech-Konzern Apple ist inzwischen bereits ziemlich gut im Spiel mit Finanzdienstleistungen, die das Big Tech in den letzten Jahren ins iPhone gepackt hat. Verschiedene Services und Produkte wie zum Beispiel Apple Pay, Apple Card, Apple Cash oder ein Buy-Now-Pay-Later-Programm kommen nach Aussagen des Konzerns gut an.

Zusätzliche Wellen hat diesen Frühling die Einführung des Sparkontos Apple Savings geschlagen, das Nutzerinnen und Nutzer mit 4.15 Prozent Sparzinsen verwöhnt. Deutlich mehr als andere Banken ihren Kunden einräumen. Die wachsende Service-Palette sowie Angebote mit aggressiven Konditionen und ebenso aggressivem Marketing zeigen, dass Apple im Bereich der Finanzdienstleistungen klare Pläne und Ziele verfolgt. 

Das Big Tech und sein wachsendes Finanz-Ökosystem

Apple hat bisher auf Kooperationen mit klassischen Banken gebaut, um Finanzservices in den Markt zu stellen. Diese Strategie gilt möglicherweise auch für die Zukunft, der Konzern hat bisher keine Ambitionen gezeigt, selbst zur Bank werden zu wollen.

Auf der anderen Seite strebt das Unternehmen nach Unabhängigkeit und möchte sein wachsendes Finanz-Ökosystem weitgehend selbst kontrollieren. Unter dem Segel "Project Breakout" lotet Apple bereits seit längerem Möglichkeiten aus – zum Beispiel im Bereich der Zahlungsabwicklung – mehr Leistungen direkt und ohne Drittpartner zu erbringen. Dazu hat sich Apple schon vor einiger Zeit durch Firmenübernahmen Know-how, Technologie und Kompetenz ins Haus geholt. 

Das Big Tech und die Banken

Die Apple Card und auch das Apple-Card-Savings-Programm hat Apple mit Bankpartner Goldman Sachs auf den Weg gebracht. Die Kooperation mit Banken ist für das Big Tech wichtig, die Bank im Hintergrund der Apple-Finanzservices steht für reibungslose Prozesse. Und mehr als das: ohne den Partner mit Banklizenz kann Apple weder bisherige noch zukünftige Finanzdienstleistungen anbieten und betreiben.

Die Euphorie von Goldman Sachs beim Start der Apple Card im August 2019 scheint inzwischen einer gewissen Ernüchterung gewichen zu sein. Bereits vor der Lancierung des Apple-Card-Savings-Programms mit Kampf-Sparzinsen im April 2023 war gerüchteweise zu vernehmen, dass Bankpartner Goldman Sachs Apples Zufriedenheit mit der Entwicklung seiner Finanzprodukte nicht teilen kann.

Die Einzelheiten des Deals zwischen Apple und Goldman Sachs sind nicht bekannt. Die Konditionen scheinen Apple jedoch fröhlicher zu machen als Goldman Sachs. Wie man hört, hat die Bank Mühe, auf ihre Kosten zu kommen. Goldman Sachs soll mit den Apple-Card-Programmen bisher erhebliche Verluste eingefahren haben.

Wie das Wall Street Journal (Paywall) berichtet, soll die Kooperation von Apple und Goldman Sachs vor dem Aus stehen. Der Technologie-Gigant soll vorgeschlagen haben, den Vertrag mit Goldman Sachs zu kündigen. Davon wären beide Produkte betroffen, die Apple Card und das Sparkonto des Apple-Card-Savings-Programms.

Wie weiter mit den Finanzprodukten von Apple?

Sollte hinter dem Kündigungsvorschlag von Apple nicht blosses Strategiegeplänkel, sondern ernst gemeinte Absicht stehen, hat der Tech-Konzern ein ungelöstes Problem. Apple ist auf dem Weg zur Finanz-Super-App und wird seine Produkte und Services nicht einstellen, sondern ziemlich sicher auch in Zukunft aufbauen und erweitern wollen.

Gespräche mit anderen Banken und Finanzdienstleistern sollen bereits früher stattgefunden haben, Apple scheint zu sondieren und zu evaluieren. Wird der bestehende Bankpartner ausgewechselt, bedeutet das jedoch noch nicht, dass das Problem auf Dauer gelöst ist. Eine nächste Bank, sollte sie denn zu finden sein, würde aller Voraussicht nach ähnlich unbefriedigende Resultate einfahren wie Goldman Sachs. Es sei denn, die Konditionen einer neuen Vereinbarung würden so ausgeglichen ausgehandelt, dass auch die Bank finanziell auf der Gewinnerseite stehen könnte.

Apple wir wahrscheinlich auch in Zukunft nicht zur Tech-Bank, braucht aber eine neue Strategie

Es ist schwer vorstellbar, dass der Technologie-Konzern selbst zur Bank werden will. Diesen Schritt scheuen alle Big Techs. Andere Optionen sind wahrscheinlicher.

Will Apple den Weg zur Finanz-Super-App fortsetzen, braucht der Konzern eine solide Strategie, damit nicht alle paar Jahre der Bankpartner abspringt.

Im Bereich der Zahlungsabwicklung kann Apple durch eingekaufte FinTechs freier agieren und hat Möglichkeiten, sich von Drittpartnern durch aufgebaute Kompetenz im eigenen Hause teilweise zu lösen.

Mit klassischen Bankprodukten und Finanzdienstleistungen besteht diese Möglichkeit nicht, wenn Apple nicht selbst zur Bank werden will. Welche Alternativen stehen dem Technologie-Konzern offen?

Apple verfügt über hohe Finanzkraft und könnte eine Bank kaufen. Mit dem Bankpartner im eigenen Hause hätte das Unternehmen seinen Finanzdienstleister mit Banklizenz, der selbst keine Gewinne erwirtschaften müsste. Diese Variante führt jedoch zu einem wahrscheinlich nicht erwünschten Klotz am Bein, der Apple etwas von seiner innovativen Leichtfüssigkeit nehmen würde. Dennoch wäre durch diesen Schritt die angestrebte Kontrolle über das wachsende Finanz-Ökosystem zu hundert Prozent beim Konzern selbst.

Wahrscheinlicher bleibt im Banking-Bereich allerdings eine Fortsetzung der bisher verfolgten Strategie mit externen Partnern. Dabei müsste Apple jedoch bei den Konditionen Federn lassen und den neuen Bankpartner nicht nur an Aufwand und Mühen, sondern auch am finanziellen Erfolg stärker beteiligen.

Denkbar ist auch, dass Apple nicht eine klassische Bank mit ins Boot holt, sondern sich für einen Banking-as-a-Service-Dienstleister mit Banklizenz und ausgebauten Leistungen entscheidet. Diese Anbieter sind möglicherweise durch ihre Top-Systeme und schlanken Prozesse in der Kostenrechnung etwas flexibler, dennoch bleibt die Diskussion um Fees und Abgaben auch bei dieser Variante ein zentraler Punkt. Auch BaaS-Spezialisten möchten nicht nur ihre Systeme auslasten und durch den Brand Apple Imagegewinne realisieren, sie müssen Geld verdienen.

Wie genau Apple das Problem lösen will, weiss noch niemand. Der Technologie-Konzern wird das Problem jedoch lösen, auf die eine oder andere Weise. Immerhin ist eine tragfähige und auf Dauer funktionierende Partner- oder Inhouse-Konstruktion die Voraussetzung, um den soliden Boden für den weiteren Weg zur Finanz-Super-App zu schaffen. Und diesen Weg will Apple mit Sicherheit nicht verlassen.