Dass die Challenger-Bank Revolut in der Schweiz eine Banklizenz beantragt, ist keine Überraschung, das war absehbar. Ohne konkret geworden zu sein hat Revolut diesen Schritt gewissermassen schweigend angekündigt. Weil er logisch ist und zur aggressiven Expansionspolitik des FinTechs passt.
Das Unternehmen hat die Bedeutung des Schweizer Marktes mehrfach unterstrichen und auch auf den Erfolg hingewiesen, der sich "von selbst" eingestellt hat. Von selbst meint in diesem Fall: ohne Marketingmassnahmen und ohne Präsenz in der Schweiz. Offene Türen haben genügt, um 1.3 Millionen Kundinnen und Kunden an Bord zu holen.
Mit einer eigenen Repräsentanz ist Revolut (Switzerland) AG erst seit Anfang 2024 in der Schweiz vertreten. Zu diesem Zeitpunkt hatte die britische Challenger-Bank bereits 900'000 Kundinnen und Kunden in der Schweiz, heute sind es 400'000 mehr. Die Revolut Switzerland Payments AG folgte im Herbst 2024 – das ist die Rechtseinheit von Revolut, welche die Verwaltung und Ausgabe von Debitkarten an Schweizer Privatkunden verantwortet. Die im Dezember 2025 eingetragene Revolut Swiss NewCo AG übernimmt "gruppeninterne Unterstützungstätigkeiten" und ist offenbar die "Vorhut" zur Erlangung der Schweizer Banklizenz.
Revolut mit einer Schweizer Banklizenz
Der Antrag der Challenger-Bank auf eine Schweizer Banklizenz wird derzeit von der FINMA geprüft. Die Chancen dürften gut stehen, dass Revolut in absehbarer Zeit grünes Licht bekommt. Das Unternehmen hat inzwischen sehr viel Erfahrung im Banklizenzen beantragen und erhalten und weiss, wie Anträge ausgestaltet sein müssen.
Revolut verfügt bereits über Banklizenzen in Litauen, in Frankreich, im Vereinigten Königreich, in Australien und über eine vorläufige Zulassung in den USA. Anträge in Lateinamerika und in Südafrika sind am Laufen.
Revolut will auch in der Schweiz den Sprung von der Reise- und Ferien-App zur Hauptbank schaffen. Das ist ohne eigene Banklizenz kaum machbar. Sollte die Lizenz erteilt werden, will Revolut ein vollständiges Bankangebot in der Schweiz ausrollen. Dazu gehören Schweizer IBANs, Lohnkonten, eBill, Zahlungsabwicklung für Händler, Einlagenschutz nach Schweizer Standard sowie die Möglichkeit eines künftigen Angebots für die Säule 3a und Twint.
Revolut ist in einigen Märkten schon länger eine Universalbank und dürfte deshalb auch in der Schweiz längerfristig über die aktuell angekündigten "normalen" Services hinausgehen.
In Ländern wie Irland und Frankreich wird das Unternehmen in den Markt der Immobilenkredite einsteigen und Hypotheken anbieten. Im Bereich der Privatkredite ist Revolut ebenfalls in verschiedenen Märkten aktiv. Revolut operiert seit jeher offensiv, aggressiv und nutzt Marktchancen schnell und entschlossen. Schwer vorstellbar, warum das Unternehmen im aufnahmebereiten Markt Schweiz mit Zurückhaltung agieren sollte.
Interessant ist auch die kommunizierte Absicht, "Zahlungsabwicklung für Händler" anzubieten. Abhängig davon, ob dieser Support klein oder gross gedacht ist, könnte Revolut auch im Markt der Zahlungsabwickler und Acquirer für zusätzliche Dynamik sorgen.
Revolut wird mit eigener Banklizenz in der Schweiz deutlich spürbarer
Die Präsenz von Revolut mit eigener Banklizenz wird für Kundinnen und für Kunden durch erweiterte Leistungen spürbar, insbesondere auch für dazugewonnene Neukunden. Dasselbe gilt für Business-Kunden. Und damit wird Revolut auch spürbarer für bestehende Banken, klassische und Neo-Banken. Wird das britische FinTech zu einer Schweizer Bank, haben Konsumentinnen und Konsumenten bei der Wahl ihrer Hauptbank eine Option mehr.
Mit 1.3 Millionen Kunden ist Revolt heute schon die grösste Neo-Bank und deutlich grösser als zahlreiche klassische Banken. Kann die Challenger-Bank mit einer Banklizenz das gesamte Programm an Finanzdienstleistungen zu günstigen Konditionen hochfahren, kommt zusätzliche Bewegung in die Schweizer Bankbranche.
Julian Biegmann, General Manager für die Schweiz, sagt: «Revolut ist bereits das führende Fintech in der Schweiz. Mit einer eigenen Banklizenz würden wir unseren mehr als 1.3 Millionen Kunden künftig ein auf den Schweizer Markt zugeschnittenes Revolut-Bankprodukt bieten können. Kunden würden ihr Salär auf ihr Revolut-Konto erhalten und ihre gesamten Finanzen verwalten können, von Ausgaben über Investieren und weit darüber hinaus – gepaart mit dem Produkterlebnis, das sie von Revolut bereits kennen und schätzen.»
Was Biegmann mit "weit darüber hinaus" meint, wird sich erst zeigen. Sicher aber ist: Revolut macht Ernst und verfolgt ehrgeizige Ziele. Nicht von ungefähr will das Unternehmen in den kommenden fünf Jahren mehr als 150 Millionen Schweizer Franken in den Schweizer Markt investieren. Wie Revolut selbst formuliert: "Eine der grössten Investitionen im Schweizer Finanzsektor seit Jahrzehnten".