Eine Serie über Gold

Zum Weltspartag: Ist Gold auch eine Alternative für Kleinsparer?

Zwei Goldbarren auf schwarzen Steinen
Bild: Philoro

Sparen bedeutet heute etwas ganz anderes als früher. Wir richten den Scheinwerfer darauf, wer heute aus welchen Gründen was und wie spart.

Das zweite Kapitel unserer Serie über Gold dreht sich aus aktuellem Anlass um die verschiedenen Formen des Sparens. Mit einem Blick darauf, wie und warum sich das Sparen im Laufe der Zeit verändert hat. Im Fokus steht natürlich ebenso, aus welchen Gründen Gold beim Sparen eine zunehmend grössere Rolle spielt.

Sparen im Wandel von Zeit und Ereignissen

Sparen hat nicht nur am heutigen Weltspartag Konjunktur, zumal Sparen heute etwas ganz anderes bedeutet als 1925 – damals wurde der erste Weltspartag lanciert. In diesen nahezu hundert ziemlich bewegten Jahren hat Sparen an sich seine Form mehrmals geändert. Einerseits sicher durch die individuellen Möglichkeiten und Spielräume, andererseits auch durch die jeweils möglichen Formen des Sparens.

Ein beträchtliche Hürde, erst kürzlich gefallen, war in jüngerer Zeit durch die Negativzinsen gesetzt. Mit der Einführung der Negativzinsen war die einfachste und populärste Form des Sparens für volle sieben Jahre Geschichte, zumindest unattraktiv geworden: Zinsen auf dem Sparkonto gab's nicht mehr und gespartes Bargeld wurde zum Teil sogar mit Negativzinsen bestraft.

Konsumentinnen und Konsumenten, die Geld zurücklegen wollten, ohne zu verlieren, mussten sich etwas Neues einfallen lassen.

Der positive Nebeneffekt der Negativzinsen

Der unschöne Effekt der Negativzinsen hat auf der anderen Seite neuen Sparformen sehr viel Auftrieb gegeben. FinTechs und neue Player mit innovativen Ideen setzten konsequent auf Kleinsparer und Anlegerinnen mit überschaubarem Budget – und zusätzlich auf tiefe Hürden in Sachen Zugang und Einfachheit. Handelsplattformen für Aktien, ETFs oder Kryptos wie Bitpanda, Inyova, Relai, Yuh und zahlreiche andere feierten Erfolge mit ihren jeweils unterschiedlichen Angeboten und verschiedenen Anlageklassen. Die neue Möglichkeit, Wertpapiere und andere Assets auch mit sehr wenig Geld "in Portionen" in Form von Fractional Shares zu kaufen, hat den verschiedenen Plattformen zusätzliche Kundenströme beschert. 

Einen kräftigen Schub haben auch die spezialisierten Säule-3a-Plattformen durch die Negativzins-Ära erhalten. Sparen in der Säule 3a war schon immer möglich, durch eine wachsende Zahl von FinTechs und Smartphone-Plattform-Anbietern wie Viac, Frankly und andere ist diese Form des Sparens allerdings deutlich attraktiver und auch kostengünstiger geworden. Zudem haben breitere Kundengruppen die Freude am selbstverwalteten Vorsorgesparen übers Smartphone entdeckt.

Corona-Pandemie und Inflation als Beschleuniger einer Entwicklung

Diese neue Welle des Anlegens und Sparen ist durch zwei weitere Faktoren beschleunigt worden und massiv angewachsen. Während der Corona-Pandemie mit ihren Lockdowns und vielen Einschränkungen blieb bei den Haushalten mehr Geld in der Kasse, das nicht wie gewohnt für Reisen, Ferien oder Freizeitvergnügungen ausgegeben werden konnte. In dieser Zeit haben breite Bevölkerungsgruppen über Geld, Investitionen und Sparen nachgedacht – und auch gehandelt.

Die später einsetzende Inflation hat neuen Sparformen zusätzlichen Auftrieb gegeben. Wer sein Geld bei null Zinsen auf dem Konto liegen lässt, kann seinem Vermögen beim Schmelzen zusehen. Auch bei momentan gnädigen 3.3 Prozent in der Schweiz, ganz sicher bei Inflationsraten von 10.4 Prozent wie in Deutschland oder sogar um 17 Prozent wie in den Niederlanden.

Der Unterschied zwischen Anlegen und Sparen

Die drei beschriebenen Faktoren – Negativzinsen, Corona-Pandemie, Inflation – haben Sparer auch zu Anlegern gemacht. Teilweise wider Willen, vor allem bei den Bevölkerungsgruppen, die sich früher mit ihrem Geld auf dem verzinsten Sparkonto ganz gut gefühlt haben. Ohne äussere Not wären sie nicht zu Investorinnen und Anlegern geworden, blosses Sparen hat ihnen vollauf genügt.

Der Unterschied zwischen Anlegen und Sparen kann nicht unbedingt trennscharf gezogen werden, wurde aber für Notwehr-Anleger, Invest-Muffel und explizite Nicht-Zocker durch neue Angebote von FinTechs dennoch deutlich gemacht: mit einer neuen Form von Sparplänen. Bereits mit kleinen monatlichen Beträgen konnten auf dem Smartphone oder PC automatisierte Sparpläne eingerichtet werden, um an der Kursentwicklung von Aktien, ETFs, Kryptos und anderen Anlageklassen zu partizipieren.

Diese Sparpläne funktionieren letztlich auch übers Investieren, aber sie fühlen sich anders an. Offenbar genau richtig für Menschen, die sich weder für nervöse Börsen noch für volatile Aktien interessieren, sondern einfach "in Ruhe" und laufend sparen möchten.

Mit anderen Worten: Anlegen und Sparen ist durch eine Vielzahl von FinTech-Plattformen mit neuen Invest- und Spar-Modellen popularisiert worden. Fractional Shares, nicht nur für Aktien, auch für andere Anlageklassen, hat für die Masse der Anlegerinnen und Anleger mit kleinen Budgets die Türen geöffnet. Neue Formen von Sparplänen mit automatisierten Sparfunktionen haben auch jene Gruppen motiviert, die sich nicht mit dem Auf und Ab von Börsenkursen beschäftigen wollen, sondern einfach in kleinen Schritten und mit beschränktem Kapital Vermögen aufbauen möchten.

Die Schweiz ist ein Volk von Sparern

Dass diese Aussage ins Schwarze trifft, zeigt jede Statistik. Die Sparquote in der Schweiz lag 2021 bei rekordverdächtigen 26.5 Prozent (Quelle: Bundesamt für Statistik), im Vergleich zur EU mit 16.93 Prozent (Quelle: Eurostat). Beide Werte haben durch die bekannten Einschränkungen der Corona-Jahre stark zugelegt und werden sich 2022 wieder etwas nach unten korrigieren. Die Schweiz lag jedoch auch in den Jahren vor Corona meistens über 22 Prozent und damit deutlich höher als alle anderen Länder in Europa. Diesen bereits traditionellen Spitzenplatz dürfte sie auch in Zukunft behalten.

Warum wird gespart?

Die Motive fürs Sparen sind individuell und haben sich nicht grundsätzlich geändert. Im Vordergrund stehen weiterhin Rücklagen für persönliche Ziele, zum Beispiel für das eigene Haus, die nächste Ferienreise, den neuen Wagen oder für andere Pläne. Allerdings hat die Sorge um die eigene Zukunft deutlich zugenommen, auch und gerade bei jüngeren Menschen. Bei den regelmässig publizierten Sorgenbarometern steht die Frage, "Habe ich in den nächsten Jahren und vor allem im Alter genügend Geld, um sorgenfrei leben zu können?", zunehmend weiter oben in der Rangfolge der Themen, die Schweizerinnen und Schweizer beschäftigen.

Diese Sorge kommt nicht von ungefähr. Geopolitische Entwicklungen, eine eingetrübte und damit unsichere Wirtschaftslage, Bedenken um die Sicherheit des eigenen Jobs, die Diskussionen um die Finanzierung der AHV sowie die in letzten Jahren drastisch gesunkenen Renten im BVG führen zu verstärkten eigenen Sparanstrengungen. Insofern ist auch die überdurchschnittlich hohe Sparquote in der Schweiz nachvollziehbar. Ein grosser Teil der Schweizerinnen und Schweizer verfügt über freie Quoten und damit über de Möglichkeiten, Geld zurückzulegen und zu sparen.

Neu entdeckt: Sparen mit Gold

Gold-Sparpläne und Gold-Abos gehören zu den jüngsten Formen der Sparpläne. Sie sind deshalb in der Vordergrund gerückt, weil Gold traditionellerweise als "sicherer Hafen" für Anlegerinnen und Anleger gilt  – und neuerdings eben auch für Sparer. Diese Betrachtung wird bestätigt durch die Tatsache, dass Gold oftmals als stabilerer Hort gewählt wird, wenn Aktienbörsen stark ausschlagen, Tech-Titel einkellern oder Kryptowährungen noch volatiler funktionieren als gewohnt.

Gold als Anlage in Form von Schmuck war immer schon populär. Der Kauf von Gold als Barren oder in Form von Zertifikaten bei Kleinanlegern deutlich weniger. Hürden waren oftmals das vermutet komplexere Prozedere, die Aufbewahrung bei physischem Kauf oder auch der Glaube, Investitionen in Gold wären mit eher hohen Summen verbunden. Deshalb haben die FinTech-Anbieter auch hier Gegensteuer gegeben und den Besitz der edlen Metalle aus der Sphäre der Investition in die Welt des Sparens transferiert.

In letzter Zeit haben FinTechs und Handelsplattformen wie Bitpanda oder Philoro damit begonnen, Sparpläne oder Gold-Abos für Gold und Edelmetalle in ihre Angebotspalette zu integrieren. Mit der Möglichkeit, wie bei den schon bis anhin bewirtschafteten Anlageklassen auch, mit sehr kleinen monatlichen Beträgen den eigenen Besitz von Gold oder anderen Edelmetallen in kleinen Schritten laufend zu vergrössern.

Wer spart mit Gold?

Die Gold-Sparpläne scheinen gut anzukommen. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass viele Menschen in Gold nicht nur eine Anlageklasse sehen, der emotionale Bezug zum glänzenden Schwermetall als fassbarer Besitz ist aus mehreren Gründen grösser. Was seit Anbeginn der Zeit zur Faszination beiträgt, haben wir im ersten Kapitel unserer Serie über Gold von verschiedenen Seiten beleuchtet, hier

Die Hinwendung zu Gold lässt sich auch mit Zahlen belegen. Die für die Schweizer Bevölkerung repräsentative Edelmetall-Studie Schweiz 2022 von Philoro und der Universität St. Gallen (HSG) zeigt zum Beispiel, dass Edelmetalle im Ranking der beliebtesten Anlageformen ganz vorne stehen. 67 Prozent der Schweizer Bevölkerung sehen Edelmetalle als eine sinnvolle Anlagemöglichkeit.

Bemerkenswert ist die hohe Beliebtheit auch bei jungen Altersgruppen. So beurteilen Männer und Frauen zwischen 18 und 29 Jahren die Sinnhaftigkeit von Edelmetallen als Anlage auf einer Skala von 1 (gar nicht sinnvoll) bis 5 (sehr sinnvoll) mit einer 3,8. 

Werden Edelmetalle untereinander verglichen, dann erhält Gold (49%) den mit Abstand grössten Zuspruch. Silber (12,2%), Platin (10,6%) und Palladium (7,2%) stehen ebenfalls auf der Wunschliste, haben jedoch nur eine untergeordnete Bedeutung.

Interessant sind auch die Motive, warum Schweizerinnen und Schweizer gerne Gold besitzen. Mit einem deutlichen Vorsprung vor den Überlegungen zu Vermögensaufbau (27%) oder Rendite (19%) stehen Stabilität (43%) sowie Sicherheit und Krisenvorsorge (41%) im Vordergrund – und damit an erster und zweiter Stelle der genannten Motive. 

Die Bereitschaft in Gold zu investieren, ist entsprechend hoch, wird teilweise jedoch durch die Höhe der Summen limitiert, die man einsetzen kann oder möchte. 38 Prozent der Befragten würden gerne weniger als 1'000 Franken investieren. Der Trend und der Wunsch Gold zu besitzen, sich jedoch mit kleineren Beträgen beteiligen zu können, ist in den letzten Jahren markant grösser geworden.

Ein Trend, den eine wachsende Zahl von FinTechs und Handelsplattformen offenbar erkennen und mit entsprechenden Angeboten beantworten: sie folgen der Intention breiter Bevölkerungsgruppen und machen aus der Anlageklasse Gold über Sparpläne und Gold-Abos eine neue Form des automatischen und regelmässigen Sparens. Mit dem gewünschten Resultat: der eigene Goldbesitz wächst laufend, auch mit sehr kleinen monatlichen Beträgen.

Wird der Weltspartag zum Goldspartag?

Fragt man Dagobert Duck in Entenhausen, zweifellos ja. Alle anderen brauchen keinen Goldspeicher wie "die reichste Ente der Welt", sie haben neu einfach die Möglichkeit, mit Gold-Sparplänen und Gold-Abos ihre Sparkonzepte mit einer neuen Anlageklasse zu diversifizieren. Damit hat der Mythos Gold und die Faszination des glänzenden Schwermetalls nun auch in die Spartöpfe von Kleinsparern Einzug gehalten. 


Eine Serie über Gold

Kapitel 1 – Die bewegte Geschichte des Goldes
Es begann mit einem Knall: Nach der Supernova kam das Gold auf die Erde

Kapitel 2 – Wird der Weltspartag zum Goldspartag?
Zum Weltspartag: Ist Gold auch eine Alternative für Kleinsparer?

Kapitel 3 – Goldvorkommen und Goldförderung
Wo liegen die grössten Goldvorkommen – und wie wird Gold heute gefördert?


Co-Autor: Christian Brenner

Um eine Serie über Gold zu produzieren, haben wir uns mit einem Experten zusammengesetzt, der alles über Edelmetalle weiss, insbesondere über Gold.

Christian Brenner ist ein ausgewiesener Profi und Goldhändler aus Leidenschaft. Er weiss um die Wege des Goldes – von der Förderung aus den Tiefen der Erde bis zum Barren im Tresor. Als Präsident des Verwaltungsrates der Philoro Schweiz kennt er die Märkte – und vor allem auch Historisches und Gegenwärtiges ausserhalb der Märkte.

Christian Brenner hat unsere Redaktion aktiv dabei unterstützt, die relevanten Aspekte rund um Gold aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und auszuleuchten.