Finanzierung

Das Klima für FinTechs wird rauer – aber: starke FinTechs und gute Nachrichten gibt's auch in schwierigen Zeiten

Das Team des Schweizer Startups Nobank
Das Team des Startups Nobank macht sich bereit für den Markteintritt (Bild: Nobank)

Mit Nobank und Amnis haben in diesen Tagen zwei Schweizer FinTechs erfolgreich neue Finanzierungsrunden abgeschlossen.

Das Geld sitzt bei VC-Investoren nicht mehr so locker wie in den letzten Jahren, gute Ideen und solide Geschäftsmodelle werden jedoch weiterhin unterstützt – zwei aktuelle Beispiele.

In der Pree-Seed-Phase: 1 Million für Nobank

Das Zuger Blockchain- und Krypto-FinTech Nobank ist erst im Februar 2022 gegründet worden und hat nun in seiner Pre-Seed-Finanzierungsrunde 1 Million Franken eingesammelt. Die Runde der nationalen und internationalen Investoren besteht durchwegs aus Unternehmern mit eigenem Gründer- und Startup-Hintergrund: Mark Büsser (Gründer IMTF), Michael Pahlke (Gründer Coinsmart), Olivier Crespin (Gründer Zand), Alan Frei (Gründer Amorana) und Andreas Guggenbühl (Gründer Selfnation). Ausserdem hat Nobank in den letzten Monaten mehr als 120'000 Franken an Fördergeldern und Preisgeldern erhalten.

Das Startup positioniert sich als Plattform für den Vermögensaufbau mit Kryptowährungen und DeFi-Investitionen. Im Moment ist Nobank in der Beta-Phase unterwegs und verspricht den einfachsten, günstigsten und schnellsten Zugang zu Krypto-Investments und zur dezentralisierten (Finanz-)Welt. Nutzerinnen und Nutzer sollen ohne technisches Know-how bereits ab einem Betrag von 20 Franken in digitale Assets investieren können.

Die Plattform von Nobank ist komplett dezentralisiert. Das bedeutet, so das FinTech, dass sie vollumfänglich auf der Blockchain läuft – im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern. Dadurch will Nobank sicherer, schneller und günstiger operieren und auf ihrer Plattform hauptsächlich dezentralisierte Finanzprodukte anbieten. Das alles soll auch und gerade für Newbies sehr einfach funktionieren. Bei Nobank stehen nicht Daytrader, sondern langfristig orientierte Sparer und Anlegerinnen im Fokus.

Das eingesammelte Kapitel soll dem FinTech den Sprung von der Beta-Phase in die "scharfe" Plattform für den Markt möglich machen.

Die Gründer und ihr Team
Hinter der Nobank stehen die Gründer Andras Hejj (CEO und CTO) und Mario Leoni (CPO) sowie ein momentan vierköpfiges Team, das die Bereiche CX, Design, Frontend-Entwicklung und Blockchain Engineering abdeckt. Die beiden Gründer haben ihre Erfahrung und ihr Know-how in verschiedenen Funktionen bei Avaloq, Credit Suisse und Accenture geholt. 

Hejj hat verschieden Plattformen für den Handel von strukturierten Produkten und Hedge Funds entwickelt, als zentrales Mitglied des Deal Teams den Verkauf der Avaloq mitorganisiert und gemeinsam mit Leoni ein unternehmensweit genutztes digitales Tool für Avaloq entwickelt und global ausgerollt.

In einer Serie-A-Finanzierungsrunde: 8.6 Millionen für Amnis

Das bereits vor acht Jahren gegründete und deshalb gewissermassen etablierte Zürcher FinTech-Unternehmen Amnis hat erfolgreich eine Serie-A-Finanzierungsrunde in der Höhe von 8.6 Millionen Franken abgeschlossen. Lead-Investor ist die Investment-Management-Firma Lansdowne Partners, die mit ihren Investitionen technologische Innovationen in Europa fördert. Spicehaus Partners, Lead-Investor der letzten Finanzierungsrunde, hat als Co-Lead-Investor fungiert.

Amnis verfolgt das Ziel, internationale Bankgeschäfte für KMU zu vereinfachen. Das FinTech bietet kleinen und mittleren Unternehmen eine internationale Banking-Lösung, um Geld ins Ausland zu senden, Währungen zu wechseln und Zahlungen über individuelle IBAN-Konten zu empfangen. In den letzten zwölf Monaten hat das Unternehmen fünf neue Länder erschlossen, drei zusätzliche Büros in Vaduz, Wien und Prag eröffnet und sein Team verdreifacht. Darüber hinaus ist das über die Plattform abgewickelte Zahlungsvolumen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 100 Prozent gestiegen.

Das FinTech bezeichnet seine Lösung als "Schweizer Taschenmesser mit Spezialfunktionen für KMU" und will mit seinen Angeboten weit über das traditionelle Bankenangebot für KMU hinausgehen. Aktuell gehören mehr als 2'000 Unternehmen aus 25 Ländern zu den Kunden von Amnis.

Mit dem frischen Kapital will das FinTech die Kernressourcen des Unternehmens stärken und die Expansion in weitere europäische Märkte vorantreiben, zum Beispiel Frankreich, Slowakei und Benelux-Länder. Zudem sollen weitere Services für KMU ausgerollt werden, insbesondere digitale Rechnungsstellung, Debitkarten und E-Commerce-Lösungen.

Die Gründer und ihr Team
Amnis wurde 2014 von Michael Wüst (CEO), Robert Bloch (COO) und Philippe Christen (CFO) gegründet, um internationale Bankgeschäfte für KMU zu vereinfachen – ein Segment mit grossem Potenzial, das in der Betrachtung von Amnis von traditionellen Banken nur unzureichend bedient wird. Die drei Gründer treiben ihr Geschäft mit einem Team von momentan 25 Profis in verschiedenen Sparten voran.

Weiterhin gute Chancen für FinTechs – auch bei eingetrübter Wirtschaftslage

In den letzten Wochen und Monaten haben wir mehrfach über erfolgreiche Finanzierungsrunden von FinTechs berichtet. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Startups und FinTechs werden kreativer und setzen unter anderem auf Crowdinvesting, wie zum Beispiel Inyova oder Relai, wir haben berichtet

Das Beispiel von Nobank zeigt, dass überzeugende Geschäftsmodelle in der Pre-Seed-Phase Business Angels und Gründer überzeugen können, als Investoren eine Anschub-Finanzierung zu geben. FinTechs in reiferen Phase, wie Amnis, bleiben auf dem Radar von VCs und Investment-Unternehmen.

Dazu kommt, dass wirklich überzeugende Produkte und Leistungen von FinTechs in angespannten Wirtschaftslagen möglicherweise sogar besser landen können – im B2B- wie auch im B2C-Bereich. Einfach deshalb, weil Unternehmen, KMU oder auch Banken gerade in schwierigen Zeiten besonders empfänglich für Lösungen sind, die zum Beispiel schlankere Prozesse, Einsparungen oder das Öffnen neuer Geschäftsfelder möglich machen.

Konsumenten und Direktkunden bleiben offen für Angebote, die ihnen das Leben einfacher machen und Komfort bringen, gerade in den Bereichen Sparen, Anlegen, Banking, Vorsorge und mehr.

Spielen FinTechs, neben aussergewöhnlichen Leistungen, auch die Karte der tiefen Gebühren und fairen Konditionen aus, werden sie ihre Chancen auch und gerade in Zeiten einer ausgebremsten Konjunktur wahrnehmen können.