Neo-Banken

Wie schützen Neo-Banken ihre Kunden vor Betrug?

Plakat mit der Aufschrift 527 Mio. CHF, das bezeichnet die Summe der Betrugsversuche, vor denen die Challenger-Bank Revolut ihre Kunden geschützt hat
Quelle: Revolut

Die Challenger-Bank Revolut lanciert eine Anruf-Erkennungsfunktion, um ihre Kunden vor Deepfake-Attacken zu schützen.

Finanzdienstleister unternehmen viel, um ihre Kundinnen und Kunden vor Betrugsversuchen zu schützen. Das gilt auch für Neo-Banken, die in unterschiedlicher Ausprägung Schutz- und Abwehrmassnahmen einrichten und unterhalten. 

Intelligente Systeme können Kunden vor Schaden bewahren. Und der Finanzdienstleister beugt möglichen Imageverlusten vor. Diese können dann entstehen, wenn Kunden im Zusammenhang mit Bankgeschäften in die Falle von Betrügern tappen. Werden Streitereien, wer für den entstandenen Verlust aufkommen muss, medial begleitet, ist der Schaden mit Breitenwirkung für das jeweilige Institut angerichtet.

Prävention und Massnahmen der Challenger-Bank Revolut

Neben KI und automatisierten Systemen, welche Transaktionen und Zahlungsströme überwachen, sind bei der Challenger-Bank Revolut auch menschliche Ressourcen im Einsatz. Nach Aussagen von Revolut sind engagierte Teams für Finanzkriminalität rund um die Uhr aktiv, um die Geldgeschäfte von Kundinnen und Kunden zu schützen. 

Das Unternehmen schätzt, dass diese Teams allein 2024 Betrugsversuche und potenziell betrügerische Transaktionen im Umfang von 527 Millionen Schweizer Franken verhindert haben. Trifft diese datenbasierte Schätzung zu, scheinen die sensiblen KI-Algorithmen und KI-Modelle zu funktionieren.

Revolut nimmt für sich in Anspruch, heute 95 Prozent sämtlicher Betrugsversuche zu erkennen. Erkannte Versuche lösen Warnungen an betroffene Kunden, Abbruch von Transaktionen und wenn nötig auch Kartensperrungen aus.

Unter dem Titel "Betrügereien in ihrer ganzen Vielfalt" liefert Revolut ihren Kunden Tools, Ressourcen und aktualisierte Informationen. Insbesondere auch eine Sammlung der klassischen und auch der neusten Maschen, mit denen Betrüger operieren, um an das Geld ihrer Opfer zu kommen.

Massiv ansteigende Bedrohung durch Deepfake-Technologien

Im Zusammenhang mit KI-generierten Deepfake-Stimmen und immer ausgefeilteren Social-Engineering-Taktiken finden Kriminelle laufend neue Wege, Verbraucher davon zu überzeugen, dass sie mit ihrer Bank oder einer vertrauten Person sprechen.

Betrugsmaschen, bei denen sich Betrüger als Mitarbeiter ausgeben, gaukeln ihren Opfern vor, in einem legitimen Gespräch mit einem vertrauenswürdigen Finanzinstitut oder einer vertrauten Person zu sein. Oftmals werden die Opfer unter Druck gesetzt, Geld auf vermeintlich sichere Konten zu überweisen, sensible Daten preiszugeben oder betrügerische Transaktionen zu genehmigen.

Diese Bedrohungen nehmen rasant zu. Betrüger können mittlerweile äusserst überzeugende Gesprächsskripte und sogar Stimmen synthetisch imitieren. Besorgniserregend ist, dass eine Studie bereits 2021 ergab, dass nur 25 Prozent der Menschen eine Deepfake-Stimme korrekt von einer echten unterscheiden können. Die meisten Teilnehmer glaubten jedoch, die Fälschungen erkennen zu können, was nicht zutrifft. Dadurch sind Menschen Betrügern schutzlos ausgeliefert – was den Anstieg von Betrugsfällen im Zusammenhang mit autorisierten Push-Zahlungen weiter verschärft.

Revolut lanciert Anruf-Erkennungsfunktion für Deepfake-Attacken

Revolut hat eine neue In-App-Funktion eingeführt, die Nutzer vor einer der heimtückischsten Betrugsarten schützen soll: Identitätsbetrug. Die neue Funktion erkennt, wenn ein Kunde die Revolut-App auf seinem Smartphone öffnet – dies gilt auch für Apps, die Sprachanrufe ermöglichen – und bestätigt, ob er mit einem Revolut-Mitarbeiter spricht oder nicht.

Sie geht einen Schritt weiter als vergleichbare Funktionen auf dem Markt und hilft Kunden, schnell die richtigen Massnahmen zu ergreifen, um einen Betrugsversuch zu melden und ihr Guthaben zu schützen, falls sie ins Visier genommen werden.

Rami Kalai, Product Owner bei Revolut, sagt: «Revolut setzt sich für eine sicherere finanzielle Zukunft ein. Da Betrüger KI und hochentwickelte Deepfake-Tools einsetzen, müssen wir schnell Innovationen entwickeln, um unsere Kunden zu schützen und den sich rasant entwickelnden Betrugsbedrohungen einen Schritt voraus zu sein. Diese neue Funktion gibt den Nutzern nicht nur Echtzeit-Warnungen im Kontext, wenn sie diese am dringendsten benötigen, sondern hilft ihnen auch dabei, Identitätsbetrug zu erkennen, indem sie klare, umsetzbare Schritte aufzeigt, mit denen sie ihr Geld während des Betrugsversuchs schützen können.»

Kontextbezogenes Echtzeitsystem soll wirksamen Schutz bieten

Die neue Funktion von Revolut zeigt ein Live-Banner in der App an, sobald diese erkennt, dass der Nutzer telefoniert. Das System erkennt, ob der Anruf von Revolut oder einer anderen Nummer kommt und gibt entsprechende Hinweise:

Wenn der Anrufer von Revolut ist, bestätigt ein Banner die Legitimität des Anrufs. Wenn der Anrufer nicht von Revolut stammt, wird dem Nutzer ein deutliches, warnendes Banner angezeigt, das ihn darüber informiert, dass er nicht mit Revolut telefoniert. Durch Antippen des Banners gelangen Nutzer zu umsetzbaren Schutzmassnahmen, die auf die jeweilige Situation zugeschnitten sind.

Dieses kontextbezogene Echtzeitsystem bietet einen zusätzlichen Schutz vor Identitätsdiebstahl während Live-Anrufen – einem Szenario, in dem Opfer unter Druck überrascht und verwundbar sein können.


Die Schweizer Neo-Banken-Landschaft im Überblick

Die Zusammenstellung der in der Schweiz aktiven Neo-Banken mit den jeweils zuletzt gemeldeten Nutzerzahlen vermittelt einen ungefähren Eindruck der aktuellen Grössenverhältnisse und Marktanteile.

Schweizer Neo-Banken Markteintritt Kunden insgesamt davon in der Schweiz
Alpian (F-ISPB) Oktober 2022 27'000 27'000
Kaspar&* März 2022 7'000 7'000
Neon März 2019 240'000 240'000
Yapeal* Juli 2020 10'000 10'000
Yuh (Swissquote) Mai 2021 350'000 350'000
Zak (Bank Cler) März 2018 80'000 80'000
Aktive Schweizer Apps: 6      
*primär im B2B2C-Geschäft aktiv      
       
Ausländische Neo-Banken Markteintritt Kunden insgesamt davon in der Schweiz
N26 Schweiz 2019 5 Millionen* keine Angaben
Revolut Schweiz 2017 65 Millionen 1'000'000
Wise März 2010 13 Millionen* keine Angaben
Aktive ausländische Apps: 3   *umsatzrelevante  
       
Neo-Banken Verticals Markteintritt Kunden insgesamt davon in der Schweiz
Relio Oktober 2023 Angaben folgen Angaben folgen
Aktive Vertical Apps: 1      
       
Neo-Banken in Umwandlung      
CSX (Credit Suisse)
UBS plant keine eigenständige
Weiterführung der App
Wechselangebot an Kunden:
Key4 Banking Pure von UBS
Oktober 2020 400'000 400'000
Coop Finance+ (Coop)
Coop plant keine eigenständige
Weiterführung der App
Wechselangebot an Kunden:
Lila Set von Valiant
Oktober 2023 keine Angaben keine Angaben
Radicant (BLKB)
BLKB plant keine eigenständige
Weiterführung ihrer Neo-Banken-Tochter
Wechselangebot an Kunden:
Alpian, Tochter von F-ISPB
August 2023 20'000 20'000
Neo-Banken in Umwandlung: 3      
       
Neo-Banken in Liquidation      
FlowBank
FINMA: Konkurs eröffnet am
13. Juni 2024
November 2020 keine Angaben keine Angaben
Swiss4
FINMA: Konkurs eröffnet am
4. März 2025
April 2024 keine Angaben keine Angaben
Neo-Banken in Liquidation: 2      

Hinweis der Redaktion: Neo-Banken, die ihre aktuellen Kundenzahlen nicht korrekt gespiegelt sehen, weil länger nicht kommuniziert, dürfen Letzteres jederzeit gerne nachholen, hier, damit Ersteres auf den neusten Stand gebracht werden kann.