Wo Schweizer KMU draufzahlen – ohne es zu merken
Schweizer Banken verrechnen bei jeder Fremdwährungs-Umrechnung einen Aufschlag auf den Marktkurs, den sogenannten FX-Spread. Dieser liegt im Schnitt bei rund 1.57 Prozent, teilweise bis zu 2 Prozent. Bei internationalen Kartentransaktionen kommen 3 bis 5 Prozent versteckte Kosten hinzu. Bei einer klassischen SWIFT-Überweisung fallen ausserdem 20 bis 30 Franken pro Transaktion an, egal ob es um 100'000 oder um 100 Franken geht.
Der unsichtbare Kostenblock
Ein Wechselkurs steht auf jedem Kontoauszug. Was dort nicht steht: wie viel dieser Kurs vom tatsächlichen Interbankenkurs abweicht und wer diese Differenz einsteckt.
Genau darin liegt das Problem. Anders als eine Kontoführungsgebühr taucht der FX-Spread nirgends als eigene Position auf. Er ist im Kurs selbst versteckt, und genau das macht ihn so schwer greifbar. Wer seine Bank nach den "Gebühren" für internationale Zahlungen fragt, bekommt meist eine ehrliche, aber unvollständige Antwort – denn die eigentlichen Kosten stecken nicht in der Gebührenzeile, sondern im Kurs selbst.
Warum das niemand ausweisen muss
Das liegt auch daran, dass FX-Spreads regulatorisch anders behandelt werden als klassische Gebühren. Eine Kontoführungsgebühr muss ausgewiesen werden, ein Wechselkurs nicht. Solange er nicht offensichtlich vom Marktkurs abweicht, gibt es keine Meldepflicht. Für die Bank ist das ein bequemer blinder Fleck. Für das Unternehmen ist es ein Kostenblock, der nirgends im Reporting auftaucht und deshalb selten hinterfragt wird.
Wer besonders betroffen ist
Wer regelmässig kleine Beträge in verschiedene Länder überweist, zahlt damit prozentual deutlich mehr als ein Unternehmen mit wenigen, grossen Transaktionen. Der Spread und die fixe SWIFT-Gebühr fallen bei jeder einzelnen Zahlung erneut an. Je häufiger und internationaler ein Unternehmen zahlt, desto stärker summiert sich das über ein Jahr.
Ein Händler, 30 Länder, ein SWIFT-Problem
Konkretes Fallbeispiel anhand eines Schweizer Grosshändlers, der Waren in über 30 Länder verkauft – von Lateinamerika über Afrika bis in die USA. Zahlungen laufen dabei in zahlreichen unterschiedlichen Währungen, oft in kleinen, wiederkehrenden Beträgen an Lieferanten und Abnehmer rund um den Globus.
Genau das machte SWIFT zum Problem. Für eine Überweisung von umgerechnet 100 Pfund konnte allein die Transaktionsgebühr 20 bis 30 Franken betragen. Bei einem Geschäftsmodell mit vielen kleinen, häufigen Zahlungen ein Kostentreiber, der sich schnell summiert. Hinzu kam der Zeitfaktor: SWIFT-Zahlungen brauchen oft mehrere Tage, was zu Verzögerungen führt, die sich direkt auf die Liquidität der Handelspartner auswirken.
Die Lösung lag nicht in einer neuen Bank, sondern in anderen Zahlungswegen: lokale Systeme wie FPS in Grossbritannien oder ACH in den USA ersetzen SWIFT dort, wo es möglich ist, und ermöglichen Zahlungen, die innerhalb von Stunden statt Tagen ankommen.
Dazu kamen Multi-Währungs-Karten für Mitarbeiterspesen sowie Terminkontrakte zur Absicherung grösserer Fremdwährungspositionen und Cashback auf Fremdwährungsguthaben.
«Alle Zahlungen, die wir nun lokal im Vereinigten Königreich und den USA abwickeln, sind ein klarer Gewinn für uns. Ebenfalls haben wir neu auch Self-Service Möglichkeiten im Bereich Spot- und Termingeschäfte.», berichtet der CFO nach dem Wechsel zu einem FinTech.
Das Ergebnis: eine hohe 5-stellige jährliche Einsparung bei FX- und Zahlungsgebühren sowie eine deutlich schnellere und planbarere Abwicklung des internationalen Zahlungsverkehrs.
Warum Banken das Problem nicht lösen: Sie verdienen ja daran
Der FX-Spread ist für Banken ein etablierter Ertragsbestandteil im internationalen Zahlungsverkehr – kein Versehen, sondern Kalkül. Wie sehr er ins Gewicht fällt, hängt jedoch stark von der Verhandlungsmacht des Kunden ab: Grosskonzerne handeln sich ihren Spread individuell aus und kommen auf Konditionen nahe null.
KMU zahlen dagegen meist den Listenpreis, weil ihnen die Verhandlungsmasse fehlt. Und auch, weil in den meisten Fällen niemand im Unternehmen überhaupt weiss, dass verhandelt werden könnte.
Diese Ungleichheit bleibt bestehen, solange der Preis nicht transparent ausgewiesen wird. Wer die tatsächlichen Kosten nicht kennt, kann sie weder verhandeln noch vergleichen. Ein Produkt, dessen Preis unsichtbar ist, muss sich nie dem Wettbewerb stellen – und genau das ist für die Bank ein bequemer blinder Fleck.
Das trifft KMU in der Schweiz zu einem ungünstigen Zeitpunkt: schwaches Wirtschaftswachstum, steigende Energiekosten, ein starker Franken und weltpolitische Unsicherheiten setzen die Margen ohnehin unter Druck. In diesem Umfeld ist ein unsichtbarer Verlust von 1.57 Prozent auf jede Auslandszahlung kein Nebenschauplatz, sondern ein struktureller Nachteil, der sich direkt auf die Marge auswirkt.
Was KMU jetzt prüfen sollten – ohne eine neue Bank zu brauchen
Bevor ein Wechsel der Bank überhaupt zur Diskussion steht, lohnt sich eine einfache Bestandesaufnahme anhand der Daten der letzten zwölf Monate. Folgende Fragen liefern bereits ein klares Bild, weil sie genau an den Stellen ansetzen, an denen die Kosten normalerweise unsichtbar bleiben:
- Wie viel zahlt Ihr Unternehmen pro Jahr ins Ausland – und wie oft?
- Wie weit liegt der Wechselkurs vom Marktkurs entfernt?
- Wie viel Zeit kostet es das Team? (pro Monat, pro Jahr)
Diese Fragen lassen sich stellen, bevor über einen Bankwechsel nachgedacht wird. Sie zeigen meist schon, ob ein Problem besteht – und wie gross die Summe ist, die aktuell unbemerkt Jahr für Jahr verloren geht.
Die nächste Welle: Was Banken bei FinTechs im B2B-Bereich verschlafen
Vor gut zehn Jahren belächelten Schweizer Banker eine junge Neo-Bank namens Revolut noch als nettes Reisekärtchen für Digitalnomaden. Heute zählt Revolut weltweit über 75 Millionen Kunden, deutlich über eine Million davon in der Schweiz – und bewegt sich zunehmend in Richtung Wealth Management. Erst jetzt beginnen etablierte Banken, das ernst zu nehmen.
Im B2B-Bereich wiederholt sich dasselbe Muster, nur zeitversetzt. FinTech-Anbieter, die auf Unternehmenszahlungen spezialisiert sind, wurden lange als Nischenlösung für Einzeltransaktionen abgetan. Inzwischen bauen sie sich ein wachsendes Portfolio an Geschäftskunden auf – über Embedded-Finance-Ansätze, die sich direkt an ERP- und Buchhaltungssysteme anbinden lassen, statt über klassische Bankschnittstellen zu laufen.
Das oben beschriebene Fallbeispiel zeigt, dass Unternehmen nicht warten müssen, bis Banken nachziehen. Die eigentliche Frage ist nicht mehr, ob sich der Zahlungsverkehr verändert, sondern wie schnell, und wer als Erster davon profitiert: die Unternehmen, die frühzeitig auf spezialisierte FinTech-Lösungen setzen, oder die Banken, die weiterhin darauf hoffen, dass die meisten es nicht tun.