Das FinTech True Wealth hat zum dritten Mal die Finanz- und Anlagekompetenz der Schweizer Bevölkerung unter die Lupe genommen. Der Finanzkompetenz-Index ist eine repräsentative Studie, GfK Switzerland hat dazu 2’019 Personen zwischen 16 und 74 Jahren befragt.
Die Schweizer Bevölkerung beantwortet im Durchschnitt nur gerade 5.5 von 10 Fragen zu Zins, Inflation, Risiko und Anlegen richtig. Neu wurde in diesem Jahr erhoben, ob die Befragten selbst Finanzanlagen besitzen. Diese Frage erweist sich als einer der stärksten Trennfaktoren der gesamten Studie.
Der Anlage-Graben ist die neue Trennlinie
Rund 57 Prozent der Befragten besitzen mindestens eine Form einer Finanzanlage, knapp 39 Prozent keine. Wer eigene Anlagen hält, beantwortet knapp 66 Prozent der Fragen richtig – wer keine hält, nur rund 41 Prozent.
«Der Graben verläuft nicht nur entlang von Einkommen und Bildung, sondern auch zwischen jenen, die investieren, und jenen, die es nicht tun», sagt Dr. Michael J. Kendzia, Ökonom an der ZHAW, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat.
Der Abstand zeigt sich bei allen zehn Fragen – und er wächst, je näher eine Frage an der Anlagepraxis liegt. Beim Zinseszins, also klassischem Schulwissen, ist der Unterschied kleiner. Den Hauptvorteil von ETFs kennen dagegen fast 46 Prozent der Anlegerinnen und Anleger, aber nur rund 16 Prozent der Nicht-Anleger.
Wer nicht investiert, traut sich seltener eine Antwort zu
Wissenslücken schlagen sich auch im Selbstvertrauen nieder: Wer keine Anlagen besitzt, antwortet bei 36 Prozent der Fragen mit "Weiss nicht". Bei Anlegerinnen und Anlegern sind es nur 9 Prozent. «Wer einmal anfängt zu investieren, lernt schnell dazu. Das Wissen wächst mit der Erfahrung», sagt Felix Niederer, CEO von True Wealth.
Die spannendsten Entwicklungen im Dreijahres-Vergleich
Die Kurzfassung einiger zentraler Resultate und ein Blick auf die Entwicklungen innerhalb der letzten drei Jahre.
- Frauen holen auf – langsam
Männer beantworten fast 63 Prozent der Fragen richtig und liegen bei allen zehn Fragen vorn. Frauen haben sich aber Jahr für Jahr verbessert: von knapp 45 Prozent (2024) über 46 Prozent (2025) auf rund 47 Prozent. Der Gender Gap schrumpft damit auf 15 Punkte. Die Studie liefert erstmals einen Erklärungsbaustein: Gut zwei Drittel der Männer besitzen eigene Anlagen, bei den Frauen ist es knapp die Hälfte. Ein Teil des Wissensunterschieds dürfte also weniger mit dem Geschlecht zu tun haben als mit der ungleichen Anlagepraxis. - Der Röstigraben wird breiter
Die Deutschschweiz verbessert sich auf 58 Prozent richtige Antworten, die Westschweiz fällt auf 46 Prozent zurück (2025: 47 Prozent). Bei den Grundlagen wie dem Zinseszins liegen beide Landesteile fast gleichauf. Der Graben öffnet sich bei den Anlagethemen: Den Vorteil von ETF kennt in der Deutschschweiz gut ein Drittel, in der Romandie nur gut ein Fünftel. - Die Jungen kennen ETFs am besten
Die ETF-Frage ist die einzige mit klarer Verbesserung: fast 33 Prozent antworten richtig, nach rund 29 Prozent im Vorjahr. Getrieben wird der Anstieg von den 16- bis 29-Jährigen, die von 26 auf rund 38 Prozent zulegen und damit alle älteren Gruppen überholen. Auch beim Herdenverhalten schneiden die Jüngeren besser ab – beim Zusammenhang von Risiko und Rendite dagegen die Älteren. Über alle Fragen hinweg spielt das Alter kaum eine Rolle: Zwischen der jüngsten und der ältesten Gruppe liegen nur gut zwei Punkte. - Das Fundament bröckelt leicht
Bei den beiden am besten beantworteten Fragen gehen die Werte zurück: Den Zinseszins beurteilen noch 79 Prozent richtig (2024 und 2025: über 82 Prozent), die Wirkung steigender Gewinnerwartungen auf den Aktienkurs kennen rund 67 Prozent (Vorjahr: 71 Prozent). - Obligationen bleiben ein Buch mit sieben Siegeln
Die wesentliche Tatsache, dass der Preis einer Anleihe steigt, wenn die Zinsen sinken, wissen nur rund 21 Prozent – ein Wert, der über alle drei Erhebungen praktisch unverändert ist. Selbst unter Anlegenden sind es nur 27 Prozent. - Die Einkommensschere öffnet sich weiter
Kein Merkmal staffelt die Ergebnisse so deutlich wie das Einkommen: von rund 40 Prozent bei Haushalten mit weniger als 4’500 Franken auf 72 Prozent bei über 15’000 Franken. Die höchste Einkommensgruppe hat sich seit 2024 um knapp sechs Punkte verbessert, die tiefste stagniert. Auch die Bildung bleibt ein verlässlicher Prädiktor: rund 64 Prozent bei höherer gegenüber 40 Prozent bei tieferer Schulbildung.
«Muss man bereits investieren, um Finanzwissen zu haben – oder braucht es Finanzwissen, um zu investieren? Die Daten zeigen: Das Grundverständnis für Zins, Inflation und Diversifikation ist breit verankert. Brüchig wird es, sobald es konkret wird – bei Obligationen, ETF oder der Rolle von Liquidität in der Krise. Genau an dieser Schwelle von der Theorie zur Anwendung macht eigene Anlageerfahrung den grössten Unterschied», sagt Dr. Michael J. Kendzia.
Wie fit ist Ihr Finanzwissen?
True Wealth stellt ein Online-Quiz zur Verfügung. Wer mit seinem eigenen Finanzwissen den Schweizer Standard (5.5 Richtige) herausfordern will, bitte hier entlang. Wenn Sie alle zehn Fragen richtig beantworten, gibt's als Bonus noch ein paar Experten-Fragen dazu.
Finanzkompetenz-Index 2026
Die umfassende Studie zur Finanz- und Anlagekompetenz der Schweizer Bevölkerung geht zu allen relevanten Punkte auf 67 Seiten in die Tiefe. Der Finanzkompetenz-Index 2026 kann kostenlos als PDF runtergeladen werden, gleich hier.