Banken, Neo-Banken und Neo-Broker

Wenn klassische Banken zu Neo-Banken aufschliessen

Junge Frau beim Aktienhandel am Smartphone

Der Krypto-Effekt wiederholt sich auch im Bereich Wertpapierhandel, fliesst zu viel Geld ab, werden Banken aktiv. Aktuelles Beispiel: die deutschen Sparkassen.

Neo-Broker waren in ihren frühen Jahren für klassische Banken noch nicht spürbar. Heute und schon länger sind sie es. Inzwischen handeln Millionen Menschen bei Neo-Brokern wie Trade Republic, Scalable, Bitpanda oder bei Neo-Banken wie Revolut, Yuh und anderen Wertschriften oder unterhalten Aktien-Sparpläne. Einfach, komfortabel, auf dem Smartphone und vor allem kostengünstig – in der Regel mit sehr tiefen Gebühren.

Vorsorgesparen, Kryptohandel und jetzt Wertschriftenhandel

FinTechs haben das Vorsorgesparen spielerisch, einfach und kostengünstig gemacht. Banken haben nachgezogen und ebenfalls Smartphone-Apps lanciert. Mit unterschiedlichem Erfolg

Der Handel mit Kryptowährungen über Neo-Banken und Neo-Broker hat jahrelang bei klassischen Banken Geldabflüsse in Richtung der neuen Smartphone-Player kanalisiert. Mehr und mehr Banken ziehen nach und ermöglichen ihren Kundinnen und Kunden ebenfalls Krypto-Transaktionen.

Beim Handel mit Wertpapieren scheinen bei klassischen Banken die Ängste vor Kannibalisierungs-Effekten langsam auch zu schwinden. Fliesst zu viel Geld von Kundenkonten zu Neo-Brokern ab, sind auch im Wertschriftenhandel Massnahmen gefragt.

Sparkassen zeigen Neo-Brokern die Stirn und lancieren S-Neo

Der Zugang zum Handeln und Sparen mit Wertpapieren ist direkt in der Sparkassen-App integriert. Das ist praktisch, weil Kundinnen und Kunden in ihrer gewohnten Smartphone-Umgebung agieren können. Mit 21'000 Wertpapieren und ETFs treffen sie auf ein ausgebautes Angebot an handelbaren Möglichkeiten. Der Name S-Neo ist Programm und will Neo-Banken und Neo-Brokern nicht weiterhin das Feld überlassen.

Die Sparkassen sind etwas spät dran, können jedoch eine ziemlich starke Vorteils-Karte ausspielen: 20 Millionen Menschen nutzen die Sparkassen-App. Nach Aussagen der Sparkasse hat die Hälfte bisher kein Wertschriften-Depot. So oder so können die App-Nutzer mit dem Wertschriftenhandel gleich starten, ohne ein neues Konto zu eröffnen oder eine neue App einrichten zu müssen.

Mit einer breit angelegten Werbekampagne und dem Claim "Dein Geld verdient Besseres" sorgen die Sparkassen dafür, dass bestehende und auch neue Kunden wissen, wer nun den Neo-Brokern und Neo-Banken mit einem eigenen Angebot entgegentritt.

Dr. Joachim Schmalzl, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, sagt: «Die Sparkassen haben beim Wertpapiersparen eine besondere Aufgabe: Wir müssen Hürden abbauen, ohne Risiken kleinzureden, und digitale Einfachheit bieten, ohne Vermögensbildung auf kurzfristiges Handeln zu verkürzen.»

Das neue Angebot und die Kampagne sollen also auch bisherige Invest-Muffel und reine Sparkonto-Sparer motivieren und aufs Feld der Anlagen mit Wertpapieren führen.

Was zum Knackpunkt werden könnte

Die Depotführung ist kostenlos und die Gebühren pro Transaktion starten bei 0.95 Euro pro Trade. Das hört sich erstmal gut an. Der Knackpunkt bei der Geschichte: jede der 338 Sparkassen in Deutschland entscheidet für sich selbst, wie teuer der Wertschriften-Handel mit S-Neo sein soll.

Je nach Pricing kann die Lust am Traden und Aktiensparen grösser oder eben auch kleiner werden. Neo-Banken und Neo-Broker haben inzwischen mit vereinter Power breite Kundengruppen in Richtung von gebührensensitiv trainiert. Mit Erfolg. 

Packen klassische Banken ihre Angebote in eine Smartphone-App, ist das nur der erste Teil einer möglichen Erfolgsgeschichte. Bleiben die Gebühren auch in der App hoch, wird sie kaum durchstarten. Dafür gibt's auch in der Schweiz bereits mehrere Beispiele von Seite der klassischen Banken. Hochpreis-Experimente in neuer Verpackung dümpeln vor sich hin. Smarte Apps und tiefe Gebühren haben Erfolg und schliessen zu den Angeboten von Neo-Banken und Neo-Brokern auf.