E-Commerce

Gehaltvoll, bunt und mit viel Liebe: die Connect – Digital Commerce Zürich

Publikum der Digital Commerce Conference in Zürich
Bild: Sold out – mehr als 700 Gäste im X-Tra

Patrick Comboeuf hat sich an der Connect im X-Tra in Zürich umgesehen – er berichtet über Locations, Menschen, Love und Trends.

Nicht ganz so schrill wie die Künstler am Eurovision Song Contest in Tel Aviv vor ein paar Tagen, aber durchaus ähnlich bunt kam die diesjährige Ausgabe des wichtigsten Branchenanlasses der hiesigen E-Commerce-Branche daher.

Ob der fast schon inflationär anmutenden Dichte an Fachkongressen zu digitalen Kernthemen, stellt sich die Frage zu Recht: Kann man mit einer Tageskonferenz wirklich herausstechen in Zürich, der Schweizer Digital-Hauptstadt?

Für eilige Leser die Antwort in Kürze: Ja, Mann bzw. Frau kann!

Für alle anderen gibt es hier ein paar Reflexionen, Bonmots und Geschichten von einem Tag, der sich für die Besucher, egal ob Berater, Gründer, Jungtalent oder versierte Fachkraft, gleichermassen gelohnt haben dürfte.

Location, location, location vs. Outside-in Customer Focus

Auch wenn die Allgegenwärtigkeit des Internets das Location-Attribut bei den E-Retailern nicht gar so virulent erscheinen lässt wie bei ihren stationären Schwestern – das Thema ist für einen Anlass mit der Ausstrahlung eines schweizweiten Klassentreffens natürlich wichtig. Und hier punktet die engagierte Crew von Carpathia Digital Business Consulting mit dem X-Tra am Limmatplatz bereits ordentlich. Von der Jury gibt’s da gute 9 Punkte.

Noch einen Tick wichtiger scheint aber ein intelligent und inspirierend kuratiertes Programm, welches sowohl den Konferenzteilnehmer als auch – und dies vor allem – deren Kunden in den Mittelpunkt stellt. Oder wie es der leider ein weiteres Mal kurzfristig verhinderte Amazon-Gründer Jeff Bezos formulieren würde:

Start with the customer. Then work your way backwards.

Dichtes Programm mit hohem Insideranteil

Die von den beiden Masters of Ceremony (MC) hervorragend moderierten Paneldiskussionen und Einzelinterviews haben perfekt kontrastiert mit den engagierte Impulsreferaten von bekannten Branchenstars wie Patrizia Laeri, LinkedIn Top Voice 2018, oder Dennis Lück, unter anderem Werber des Jahres 2017. 

Ein kurzes Wort noch zu den MCs, den E-Commerce-Pionieren Thomas Lang, CEO Carpathia, und Malte Polzin, unter anderem ehemaliger CEO von Dein Deal und Brack.ch: Beide verstanden es nicht nur perfekt, ihre Gäste positiv in Szene zu setzen, sie kitzelten auch die eine oder andere intime Information heraus.

Es blieb durchwegs spannend. Deshalb fiel den wenigsten auf, dass nicht zuletzt aufgrund des vollgepackten Ablaufs kein Raum mehr für Publikumsfragen geblieben ist.

Was bleibt? Love, love, love!

Nicht nur Dennis Lück verstand es, mit seinem launigen Vortrag "In Love with Data", die Bedeutung von emotionalen Bindungen zu unterstreichen. Max Meister vom technischen B2B-Händler Ludwig Meister erläuterte mit seinen Ausführungen, wie mit liebevoller Aufmerksamkeit für kundenrelevante Details ein überschaubares Budget kompensiert werden kann.

Die Liebe zu schönen Dingen hat Philipp Man mit Chronext zu einem profitablen Geschäftsmodell mit getragenen Luxusuhren gemacht. Und auch darüber hinaus hat das von einer hohen Diversität auf der Bühne geprägte Line-up die riesige Wertschätzung für ihre Kunden mit vielen lustigen Anekdoten unterstrichen.

Offene Fragen gibt's auch

Wie jedes Jahr bleibt eine Frage auch nach der Connect 2019 vorläufig noch unbeantwortet. Welche ausgefallenen Schuhmodelle tragen die Moderatoren wohl bei der kommenden Durchführung?

Anmerkung: heuer waren unter anderem gelbe Kunstlederschuhe im Krokodesign en vogue.

Der Autor: Patrick Comboeuf

Patrick Comboeuf ist Redaktor bei MoneyToday und Director of Studies Post-Graduate Programs an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Er ist Studiengangsleiter des CAS Longevity Economy HWZ – des ersten Schweizer Hochschulprogramms, das Langlebigkeit konsequent als wirtschaftliches und gesellschaftliches System behandelt.

Zuvor war er unter anderem Digitalchef der SBB und bei Swiss Life tätig.