KI-Agenten lösen Zahlungstransaktionen zunehmend ohne menschliches Zutun aus: nachbestellte Materialien, autonom gebuchte und bezahlte Hotelaufenthalte, in Echtzeit beglichene Mautgebühren. Technisch ist das längst machbar, in den Fokus rückt jetzt die Vertrauensebene: Wie authentifizieren Anbieter eine Transaktion, wenn die initiierende Instanz keine reale Person ist? Ivan Vukelikj von G+D Netcetera ordnet die wichtigsten Fragen ein.
Warum brechen bewährte Authentifizierungsmodelle im Agentic Commerce zusammen?
Starke Kundenauthentifizierung, 3-D Secure und biometrische Verfahren wurden für einen Human-in-the-Loop-Ansatz konzipiert, bei dem reale Personen sich der Handlung bewusst sind und aktiv zustimmen.
Agentic Commerce folgt einer völlig anderen Logik. Die Prüf-Frage verschiebt sich von "Ist das die richtige Person?" zu "Ist das die richtige Absicht?". Die Identitätsprüfung wird auf diese Weise durch delegierte Autorisierung sowie Kontext- und Zweckverifizierung ergänzt.
KI-Agenten werden den Zahlungsverkehr grundlegend verändern
Ist die Zahlungsindustrie überhaupt für diese Veränderung vorbereitet?
Noch nicht vollständig, aber die Entwicklung geht zügig voran. Zum einen testen E-Commerce-Plattformen bereits autonome Customer Journeys, zum anderen haben aber auch Kartennetzwerke beispielsweise mit dem Visa Trusted Agent Protocol oder Mastercard Agent Pay eigene Spezifikationen für agentengesteuerte Transaktionen vorgelegt. Seit Mitte 2026 laufen erste produktive Implementierungen: Visa meldet live abgeschlossene Agenten-Transaktionen bei europäischen Händlern, getragen von mehr als 30 Issuer-Banken.
Offen bleibt die regulatorische Seite. Die starke Kundenauthentifizierung nach PSD2 setzt voraus, dass die zahlende Person den Vorgang selbst auslöst. Für Transaktionen, die ein Agent innerhalb eines erteilten Mandats anstösst, fehlt bislang eine saubere Einordnung. Klassische Betrugssignale wie Gerät, Verhalten oder Standort verlieren dabei an Aussagekraft. An ihre Stelle treten neue Prüf-Fragen: Ist die Agenten-Identität bekannt? Ist das Mandat gültig? Entspricht das Kaufmuster der delegierten Absicht?
Das Agent Payments Protocol (AP2) ist inzwischen an die FIDO Alliance übergegangen, wo die Spezifikationsarbeit für agenteninitiierten Handel in einer Arbeitsgruppe unter Vorsitz von Mastercard und Visa läuft. Damit wird diese Nachweiskette kryptografisch überprüfbar. Getragen wird diese Entwicklung nicht von KI-Anbietern allein, sondern von der Zusammenarbeit zwischen Payment-Security-Spezialisten, Infrastrukturanbietern, Identitätsexperten sowie etablierten Issuern und PSPs.