Kryptowelt

Warum Bitcoin in den letzten Monaten Tiefststände erreicht hat

Bitcoin als Münze vor einem explodierenden Hintergrund
Bild: Wirestock Creators | Shutterstock

Eine Analyse von Fabian Dori, CIO bei Sygnum Bank. Der Autor zur aktuellen Situation und warum die langfristige Perspektive im Wesentlichen unverändert bleibt.

Bitcoin ist in den letzten Tagen und Wochen auf mehrmonatige Tiefststände zurückgefallen und hat auch an der Marke von 60'000 US-Dollar gekratzt. Damit hat sich der Höchststand von rund 126'000 US-Dollar vom Oktober 2026 mehr als halbiert.

Dafür gibt's mehrere Gründe. Zum Beispiel markante Abflüsse von einigen Milliarden aus ETFs. Und, was damit zusammenhängt, das Kapital fliesst aktuell in IPOs und in KI-Aktien, nicht in Bitcoin.

Dazu kommt der Bitcoin-Verkauf von Strategy, mit dem Michael Saylor ein Signal gesetzt hat. Sowie die geopolitische Lage, insbesondere das Spannungsfeld USA-Iran.

Eine Analyse zur Situation von Bitcoin

Fabian Dori, CIO bei Sygnum Bank, analysiert mit Blick auf die beiden herausragenden Ereignisse die Gegenwart und die Zukunft von Bitcoin.

Zwei Themen dominierten die Schlagzeilen: Der erste Bitcoin-Verkauf von Strategy seit über drei Jahren sowie der fragile Waffenstillstand im Iran und der langsame Fortschritt bei einem umfassenderen Abkommen.

Aus unserer Sicht verändern diese Entwicklungen die zugrundeliegende These derzeit nicht. Unserer Einschätzung nach spiegelt der Rückgang kurzfristige Positionierungen und eine teilweise Enthebelung angesichts eines unsicheren makroökonomischen Umfelds wider, nicht aber eine Verschlechterung der langfristigen Fundamentaldaten.

Erster Bitcoin-Verkauf von Strategy: inhaltlich geringfügig

Strategy gab in einer Meldung vom 1. Juni bekannt, dass zwischen dem 26. und 31. Mai 32 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von rund 77’135 US-Dollar verkauft wurden, was etwa 2.5 Millionen US-Dollar einbrachte. Dies war der erste Verkauf seit Dezember 2022 und sorgte aufgrund der bekannten "Niemals verkaufen"-Haltung des Unternehmens für Aufsehen. Drei Punkte relativieren dies:

Zum einen: Das Volumen ist vernachlässigbar. Die 32 verkauften Bitcoin stellen nur einen winzigen Bruchteil der Bestände von Strategy dar, die weiterhin bei rund 843’700 Bitcoin liegen. Die verkaufte Menge beeinflusst das Angebot nicht signifikant und stellt keine relevante Verkaufsdruckquelle dar.

Zum anderen: Der Grund ist routinemässiges Treasury-Management, kein Marktsignal. Die Erlöse wurden verwendet, um Ausschüttungen auf die Vorzugsaktien des Unternehmens zu finanzieren. Dies ist eine finanzielle Verpflichtung, die durch aktives Bilanzmanagement erfüllt wird, nicht eine negative Einschätzung von Bitcoin. Das Management betont weiterhin die Kernakkumulation.

Zum Dritten: Die Marktreaktion wurde eher durch Stimmung und Positionierungen getrieben als durch die Substanz. Die folgende Kursbewegung resultierte aus einer teilweisen Enthebelung von Positionen aufgrund der Schlagzeile, nicht aufgrund der bescheidenen Verkaufsmenge selbst. Es handelt sich um eine Geschichte kurzfristiger Positionierung und Fragilität, nicht um fundamentale Veränderungen bei Bitcoin.

Die Lage im Iran: Waffenstillstand fragil, Fortschritte langsam

Die vorläufige Verlängerung des Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran hat das Gesamtbild verbessert, und die teilweise Rücknahme der Ölpreisprämie ist eine positive Entwicklung für den Inflationsdruck und damit auch für Risikoanlagen.

Dennoch bleibt der Waffenstillstand fragil, und die Fortschritte bei einem umfassenderen Abkommen sind schleppend. Es gab keine klaren oder koordinierten Updates zum Rahmen oder zum weiteren Vorgehen, und diese anhaltende Unsicherheit belastet die Stimmung und gibt Anlegern einen Grund, kurzfristig Risiko zu reduzieren.

Fazit

Die jüngste Schwäche wirkt wie eine kurzfristige Positionsbereinigung und nicht wie eine strukturelle Veränderung der institutionellen Nachfrage. Bitcoin hatte sich seit Beginn des Konflikts relativ gut entwickelt und war daher eine natürliche Liquiditätsquelle für Investoren, die Risiken in ihren Portfolios reduzierten. Unserer Ansicht nach bleibt seine langfristige Rolle im Portfolio im Wesentlichen unverändert; seine Absicherungsfunktion wurde vorübergehend durch makroökonomische Positionierungen und Gewinnmitnahmen überlagert.

Die fundamentalen Faktoren, die die langfristige Perspektive stützen (wachsende institutionelle Adoption, zunehmende regulatorische Klarheit und eine reifere Marktstruktur), bleiben nach wie vor intakt. Konsolidierungsphasen sind eine normale Erscheinung dieser Anlageklasse, und wir beobachten die Entwicklungen weiterhin genau.