Den CHF-S gibt es momentan noch nicht, die Vorbereitungen sind am Laufen, die Einführung ist im Verlauf des dritten Quartals 2026 geplant. Neben privaten Nutzern richtet sich der CHF-S nach Aussagen der Macher in erster Linie an Banken, Kryptobörsen und andere institutionelle Nutzer.
Das Schweizer FinTech Safirum, gegründet vor zehn Monaten, rechnet sich für seinen 1:1 durch Schweizer Franken gedeckten Stablecoin grosse Chancen aus. Vor allem deshalb, weil es nach Aussagen des Startups für den Schweizer Franken bislang keine digitale Lösung mit vergleichbarer regulatorischer Einbettung und institutioneller Ausrichtung geben würde. Dabei, so das FinTech, zählt der Franken zu den stabilsten und vertrauenswürdigsten Währungen der Welt – auch weil er seine Kaufkraft in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich besser bewahrt hat als der US-Dollar und der Euro.
Wie ist diese regulatorische Einbettung ausgestaltet?
Mit CHF-S emittiert Safirum einen Stablecoin, der den Franken in regulierter Form auf die Blockchain bringen soll. Das Unternehmen wurde als Mitglied des VQF (Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen) aufgenommen, einer von der FINMA anerkannten Selbstregulierungs-Organisation, was den Grundstein für die Herausgabe des CHF-S Stablecoins in der Schweiz legt.
CHF-S wurde unter Berücksichtigung der regulatorischen Anforderungen für die Herausgabe eines Stablecoins in der Schweiz, insbesondere der FINMA-Aufsichtsmitteilung 06/2024, ausgestaltet. Entsprechend werden für jeden im Umlauf befindlichen CHF-S-Token gleichwertige Fiat-Bestände auf gesonderten Konten bei Schweizer Depotbanken gehalten. Die Ausgabe neuer Token erfolgt jeweils erst nach Durchführung der relevanten Identifikations- und Compliance-Prozesse sowie nach Eingang entsprechender Mittel. Private Nutzer erhalten dabei Zugang über die eingebundenen Partner, wobei die Abwicklungsprozesse direkt auf der Blockchain erfolgen.
Der Stablecoin von Safirum soll den Schweizer Franken in digitale Finanz- und Zahlungssysteme bringen, in denen schnelle Abwicklung, Programmierbarkeit und regulatorische Klarheit erforderlich sind. Potenzielle Anwendungsbereichen für den CHF-S sieht das FinTech in B2B-Zahlungen, Treasury-Management, grenzüberschreitenden Transaktionen und in Abwicklungsprozessen für tokenisierte Vermögenswerte.
Solana-Blockchain als Basis
Der CHF-S basiert auf der Solana-Blockchain und deren Token-2022-Standard. Die KYC-Whitelisting-Funktion auf Wallet-Ebene ist direkt in den Smart Contract eingebettet, sodass beispielsweise Transfers zwischen nicht verifizierten Wallets vom Protokoll selbst abgelehnt werden.
Safirum entschied sich für Solana, weil die Blockchain eine hohe Skalierbarkeit bei niedrigen Transaktionskosten ermöglicht und die Umsetzung regulatorischer Anforderungen direkt auf Protokollebene unterstützt. Dies unterscheidet CHF-S architektonisch von den meisten anderen derzeit auf dem Markt verfügbaren Stablecoins, die auf Ethereum oder älteren Blockchain-Infrastrukturen basieren.
Die Compliance-Infrastruktur
Safirum wird von einem Netzwerk von spezialisierten Dienstleistern unterstützt. Maverix Securities fungiert als strategischer Partner und bringt Finanzmarktexpertise, Zugang zu institutionellen Vertriebskanälen sowie Erfahrung mit strukturierten Produkten und Digital-Asset-Lösungen ein.
Für die Umsetzung der Compliance-Anforderungen arbeitet das FinTech mit spezialisierten Anbietern zusammen. Bei der digitalen Identitätsprüfung sowie bei KYC- und AML-Prozessen kommt die Software von Sumsub zum Einsatz und JayBee unterstützt Safirum als Compliance-Spezialist bei der laufenden Erfüllung regulatorischer Anforderungen. Lawside berät Safirum in rechtlichen und regulatorischen Fragen.
Die Betrachtung der Gründer
Die drei Schweizer Unternehmer Bastien Thiébaud (CEO), Christian Murmann (CTO) und Ramon Stoffel (COO) sehen erhebliches Potenzial für Anwendungen, bei denen Sicherheit, Zuverlässigkeit und regulatorische Klarheit entscheidend sind.
«Der globale Stablecoin-Markt zeigt, wie gross die Nachfrage nach digitalen Formen souveräner Währungen bereits ist. Bislang wird dieser Markt vor allem von Lösungen in US-Dollar und Euro dominiert. Mit CHF-S schaffen wir eine vollständig durch Schweizer Franken gedeckte Stablecoin-Lösung und schliessen damit eine relevante Marktlücke», kommentiert Mitgründer und CEO Thiébaud.
Die Gründer haben sich die Unterstützung eines international vernetzten Leadership-Teams gesichert, darunter Giuliano Glocker (Gründer und Co-CEO von Maverix Securities) als VP Banking, David Watrin (Swisscom) als VP Compliance und Kevin MacArthur (ehemals Coin Market Cap/Binance) als VP Growth.
Echte Marktlücke oder bereits ein Gedränge am Eingang?
Allein auf weiter Flur stehen die CHF-S-Emittenten mit ihrem neuen Stablecoin nicht. In dieselbe Marktlücke drängen einige Franken-besicherte Stablecoins mit unterschiedlicher Ausrichtung.
Zum Beispiel der relativ breit aufgestellte dezentrale Frankencoin (ZCHF), anwendbar im DeFi-Bereich und ebenfalls nutzbar als Zahlungsmittel im Detailhandel und für Kartenzahlungen. Dazu kommt der CHFAU von AllUnity, reguliert in der EU und seit wenigen Monaten im Markt oder der VNX Swiss Franc (VCHF).
Vor allem aber holen aktuell sechs Grossbanken in Kooperation mit Swiss Stablecoin Anlauf, um die Möglichkeiten von Anwendungen mit dem Stablecoin CHFD zu testen, wir haben berichtet, hier. Die Banken haben erkannt, welche bedeutende Rolle Stablecoins in Zukunft spielen werden und welche Veränderungen dadurch im Finanzbereich und im Zahlungsverkehr zu erwarten sind.
Durch die Kraft und Grösse des geplanten Ökosystems für digitales Geld könnte dieses Projekt schnell an Fahrt aufnehmen und die Luft für kleinere Mitbewerber möglicherweise etwas dünn werden lassen.
Das bedeutet nicht, dass ein weiterer Stablecoin keine Chancen hätte. Aber entweder braucht es eine Spezialisierung für bestimmte Bereiche oder dann eine eher schnell erreichbare Breite und eine solide Marktdurchdringung, um nicht in der Nische zu bleiben.