Super-Apps

Welches Big Tech will die ultimative Finanz-App schaffen?

Smartphone mit Apple-Card-App und physische Apple Card
Quelle: Apple

Im Moment beanspruchen erkennbar zwei Tech-Unternehmen die Vorherrschaft im Finanzbereich: Apple sichtbar und Twitter mit Worten.

Technologie-Riesen mit Ambitionen im Finanzbereich sind mehrere im Spiel, nicht alle sind jedoch sichtbar aktiv. Und wenn doch, dann in sehr unterschiedlicher Ausprägung. Amazon scheint mit Handel, Logistik, Streaming, Gaming und Raumfahrt ausgelastet zu sein. Google und Meta waren schon engagierter im Bereich Finanzen und Apps, aktuell scheint die ganz Kraft in den Feldern der Künstlichen Intelligenz aufzugehen – dasselbe gilt für Microsoft. 

China ausgenommen und mit Blick auf die westliche Hemisphäre, bleiben dann noch Apple und seit der Übernahme von Twitter – heute X – die X Corp. von Elon Musk. Zwischen diesen beiden Unternehmen, Apple und X, bestehen markante Unterschiede, die sich vor allem auch an der Person von Musk festmachen. Apple ist von der Aktionärsstruktur breiter aufgestellt und hat mit Tim Cook einen Kapitän, der das Riesenschiff Apple mit einem nachvollziehbaren Kurs steuert. X Corp. wird mehrheitlich von Elon Musk kontrolliert und damit von einem Steuermann, dessen Verhalten unter anderem von Genialität, Starrsinn, Unberechenbarkeit, Launen und Unbeherrschtheit getrieben wird.

Wird X zur Finanz-App?

Glaubt man dem Alleinherrscher Musk, ist genau das der Plan. Seit der Übernahme von Twitter (heute X) Ende Oktober 2022 für gigantische 44 Milliarden US-Dollar haben Ansehen, Image, Glaubwürdigkeit und Börsenkurs allerdings stark gelitten, provoziert durch zahlreicher Eskapaden und Massnahmen des neuen Besitzers. Der Vogel mag befreit sein, wie Musk twitterte, wohin er fliegen soll, bleibt unklar. Chaotische Zustände und ebenso chaotisch wirkende Entscheidungen im Zick-zack-Kurs lassen den befreiten Vogel X heute deutlich tiefer fliegen als Twitter zu guten Zeiten flog.

X hat Nutzerinnen und Nutzer verloren, dennoch dürften monatlich immer noch um die 350 Millionen Menschen den Dienst aktiv nutzen (Quelle: Statista). Das ist eine ganze Menge, mit der sich etwas anfangen lässt. Dieser Meinung scheint auch Unternehmenslenker Musk zu sein, der X zum Zentrum der persönlichen Finanzwelt jeder Userin und jedes Users machen möchte. X soll sich um alles in deren Leben kümmern, was mit Geld zu tun hat. Das war die Botschaft und Absichtserklärung von Musk vor vier Monaten an seine Crew. Und er ging noch weiter und meinte, "die Menschen werden überrascht sein, wie leistungsstark es sein wird".

Diese Aussagen stammen aus einer Audioaufnahme des Treffens von Musk mit seiner Crew, welche der Online-Plattform The Verge zugespielt worden ist. Musk hat seine Vision der X-App in diesem Telefon-Meeting mit folgenden Worten beschrieben:

«Wenn ich von Zahlungen spreche, meine ich eigentlich das gesamte finanzielle Leben einer Person. Wenn es um Geld geht, es wird auf unserer Plattform sein. Geld oder Wertpapiere oder was auch immer. Es geht also nicht nur darum, meinem Freund 20 Dollar zu schicken. Ich spreche davon, dass sie kein Bankkonto brauchen.»

Musk hat auch konkrete Vorstellung dazu, wann X zu einem Finanz-Hub geworden ist, der das Bankkonto überflüssig machen soll. Es würde ihn umhauen, meinte er im Meeting, wenn X das nicht Ende 2024 ausrollen würde. Auch diese Aussage ist Teil des Audio-Protokolls, das "The Verge" vorliegt.

Der Plan: Elon Musk und die X-CEO Linda Yaccarino wollen X zu einer Super-App machen, die auch im Finanzbereich alles kann, was Menschen in ihrem finanziellen Alltag brauchen. Musk scheint damit den Vorbildern aus China zu folgen, zum Beispiel WeChat. Dabei will er sich unter anderem auf sein Know-how stützen, dass er als früherer Konzeptentwickler und als Mitgründer von PayPal mitbringt.

Auf der Plattform X ist bisher noch nichts zu sehen, das Ende 2024 die gesamte finanzielle Welt von Nutzerinnen und Nutzern verändern soll. Das will noch nichts heissen, Musk hat schon mehrmals bewiesen, dass er und seine Teams in kurzer Zeit Unmöglichkeiten auf die Beine stellen können. Deshalb lässt sich im Falle von X konstatieren: Ja, X will die ultimative Finanz-App schaffen. Die Frage stellt sich allerdings, ob die X-User diesen Finanz-Hub geschaffen haben wollen und auch bereit sein werden, Musks Unternehmen ihr Geld anzuvertrauen.

Hat Apple die ultimative Finanz-App bereits geschaffen?

Der Tech-Gigant aus Cupertino verfolgt einen anderen Kurs und auch eine andere Reihenfolge als X. Apple setzt Meilensteine durch Taten und konkrete Leistungen, weniger durch Absichtserklärungen. Diese Tools und Funktionen stehen den weltweit mehr als 1.4 Milliarden Nutzerinnen und Nutzern von iPhones zur Verfügung. Oder Teilen davon, weil Apple oftmals neue Funktionen und Services in den USA ausrollt und erst später für andere Länder öffnet.

Apple hat in den letzten Jahren auch im Bereich der Finanzen sein Ökosystem erweitert. Nicht in einem atemberaubenden Tempo, aber laufend und kontinuierlich. Was mit Apple Pay begann, ist mit Services und Produkten wie zum Beispiel Apple Card, Apple Cash oder mit einem ein Buy-Now-Pay-Later-Programm fortgesetzt worden.

Eine markante und sichtbare Offensive hat Apple im Frühling 2023 mit der Einführung des Sparkontos Apple Savings gestartet, das Nutzerinnen und Nutzer mit 4.15 Prozent Sparzinsen verwöhnt. Deutlich mehr als andere Banken ihren Kunden einräumen. Der Tech-Konzern ist inzwischen bereits ziemlich gut im Spiel mit Finanzdienstleistungen, die das Big Tech in den letzten Jahren ins iPhone gepackt hat. Die wachsende Service-Palette sowie Angebote mit aggressiven Konditionen und ebenso aggressivem Marketing zeigen, dass Apple im Bereich der Finanzdienstleistungen klare Pläne und Ziele verfolgt. 

Apple ist sehr zurückhaltend mit Zahlen, eine Aktualisierung aus Cupertino zur Apple Card, eingeführt 2019, gibt's aber dennoch. Momentan nutzen 12 Millionen Menschen in den USA die Apple Card. 2023 sollen diese Nutzerinnen und Nutzer über 1 Milliarde Dollar an Daily Cash eingespielt haben – das sind Cashbacks auf Ausgaben mit der Karte.

Savings, das Sparkonto von Apple, lanciert im April 2023, verwaltet heute über 10 Milliarden Dollar an Einlagen. Der im Januar erhöhte Sparzins von 4.5 Prozent dürfte helfen, diese Quote weiter in die Höhe zu bringen. Budget- und Zinsschätzer-Tools helfen mit, bei den eigenen Finanzen den Durchblick zu behalten. 

Apple bietet mit Family Sharing interessante Funktionen, um Finanzen gemeinsam in Gruppen zu verwalten. Auch diese Funktionen sollen stark genutzt werden. 

Das Tech-Unternehmen wird nicht selbst zur Bank, notwendige Prozesse und Regulierungshintergrund sind bei Bankpartnern angebunden. Aktuell ist bei der Karte und beim Sparkonto noch Goldman Sachs unter Vertrag. Apple sucht allerdings einen neuen Partner, die Kooperation mit dem Big Tech scheint sich für Goldman Sachs nicht zu rechnen.

Hat Apple die ultimative Finanz-App bereits geschaffen? Noch nicht, aber das Tech-Unternehmen ist ziemlich konsequent auf dem besten Weg dazu. Vieles ist bereits an Bord, weitere Tools, Angebote und Funktionen werden folgen.

Welches Tech-Unternehmen erhebt Anspruch auf den Thron des universellen Finanzdienstleisters?

Apple ganz sicher. Allerdings ohne Ankündigungen und Absichtserklärungen, das Unternehmen beschränkt sich darauf, kontinuierlich zu liefern. 

X (vormals Twitter) erhebt denselben Anspruch, will Bankkonten überflüssig machen und das volle Programm für den finanziellen Alltag seiner Nutzerinnen und Nutzer anbieten. Das eine wie das andere existiert noch nicht real, nicht im Ansatz, im Moment nur als vollmundige Ankündigung von Elon Musk. Aus genannten Gründen bleiben hier allerdings Überraschungen möglich. Ob tatsächlich bis Ende 2024 ein X-Finanz-Hub steht und ob Nutzerinnen und Nutzern ins Finanz-Boot von Musk einsteigen wollen, bleibt offen.

Apple und X sind momentan die sichtbaren und die hörbaren Protagonisten aus der Liga der Tech-Giganten. Auch hier und darüber hinaus bleiben jedoch Überraschungen möglich. Mögen Meta und andere Konzerne im Moment auch alle Hände voll mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben, KI ist kein Selbstzweck. KI und Metaverse sind verwandt. KI und Finanzen schaffen hochinteressante Möglichkeiten. KI und andere Kombinationen, die heute noch niemand auf dem Zettel hat, bleiben möglich.

Welches Tech-Unternehmen wird die beste Finanz-App anbieten?

Apropos KI: Weil das Orakel von Delphi mehr und mehr von KI abgelöst wird, haben wir ChatGPT gefragt, welcher Technologie-Konzern dereinst die beste Finanz-App für den finanziellen Alltag anbieten wird. ChatGPT meint:

"Es ist schwer vorherzusagen, welcher Technologiekonzern in Zukunft die beste Finanz-App für den finanziellen Alltag anbieten wird, da viele Faktoren eine Rolle spielen können, einschliesslich technologischer Innovationen, regulatorischer Rahmenbedingungen, Benutzerpräferenzen und Markttrends.

Derzeit konkurrieren verschiedene Technologiekonzerne um Marktanteile im Bereich der Finanz-Apps, darunter Unternehmen wie Apple, Google, Amazon, und viele andere. Diese Unternehmen investieren beträchtliche Ressourcen in die Entwicklung und Verbesserung ihrer Finanzdienstleistungen und Finanzprodukte.

Es ist wahrscheinlich, dass das Unternehmen, das letztendlich die beste Finanz-App anbietet, diejenige sein wird, die eine Kombination aus Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit, Funktionalität und Integration mit anderen Diensten bietet. Es könnte auch von der jeweiligen Region oder Markt abhängen, da die Präferenzen und Bedürfnisse der Verbraucher in verschiedenen Teilen der Welt variieren können."

Das hilft jetzt noch nicht wirklich weiter, der letzte Teil des KI-Orakels legt aber immerhin eine Spur über die reine Finanz-App hinaus zur universellen Super-App.