Wenn Netzwerkausfälle oder zentrale IT-Störungen Kartenzahlungen unmöglich machen, schafft das massive Probleme. Einerseits dem Handel, vor allem jedoch auch jenen Kundengruppen, die ohne Bargeld unterwegs sind und alle ihre Einkäufe mit Karte bezahlen.
Finden die Bezahl-Terminals über längere Zeit keine Verbindung mehr, schlägt das auf Umsatz und Laune oder lässt Menschen sogar an der Tankstelle mit leerem Tank stranden. Debit- und Kreditkarten werden zu einem Stück Plastik ohne Funktion.
Punktuelle Störungen gibt's immer wieder, Strom- oder Netzwerkausfälle als grossflächiger Super-GAU kommen hingegen selten vor – aber sie können vorkommen. Als im April 2025 ein Stromausfall Spanien und Portugal traf, konnten rund 55 Millionen Menschen plötzlich nicht mehr digital bezahlen. Es dauerte 18 Stunden, bis die letzten Regionen wieder mit Strom versorgt werden konnten.
Das eintretende Chaos, zumindest im Zahlungsverkehr, kann vermieden werden. Die Lösung: Offline-Kartenzahlungen.
Wer macht Offline-Kartenzahlungen möglich?
Im August 2026 hat das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) gemeinsam mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Banken, Zahlungsanbietern und dem Detailhandel eine schweizweite Lösung für Offline-Kartenzahlungen entwickelt. Nicht ganz von Grund auf, Offline-Kartenzahlungen sind in mehreren nordischen und baltischen Ländern heute schon Realität.
Mastercard geht nun in die Offensive und hat neue Anforderungen für Offline-Zahlungen im gesamten europäischen Netzwerk angekündigt. Diese Standards sollen sicherstellen, dass der Zahlungsverkehr auch bei Strom- oder Netzwerkausfällen aufrechterhalten bleibt.
Nach Abstimmung mit Partnern, nationalen Regierungen, Aufsichtsbehörden und Zentralbanken weitet Mastercard diese Funktion nun europaweit aus.
Ab wann sind Offline-Kartenzahlung flächendeckend möglich?
Ab Februar 2027 werden alle neu ausgegebenen Mastercard-Karten in Europa für Offline-Zahlungen freigeschaltet. Bis Mai 2027 müssen zudem alle neu installierten Zahlungsterminals und alle Austauschgeräte Offline-Zahlungen unterstützen.
Sobald die Anforderungen europaweit umgesetzt sind, können Verbraucherinnen und Verbraucher auch bei einem Ausfall mit Chip und PIN Dinge des alltäglichen Lebens in Supermärkten, Tankstellen und Apotheken sowie an Fahrkartenautomaten bezahlen.
Wie funktionieren Offline-Kartenzahlungen?
Offline-Zahlungen funktionieren über Ausgabenlimits, die sicher auf dem Chip der Karte gespeichert werden. Verliert ein Bezahl-Terminal die Verbindung, kann die Transaktion lokal autorisiert werden. Bei einer unterbrochenen Online-Verbindung erfolgt die Autorisierung der Zahlung direkt zwischen Karte und Zahlungsterminal (Chip & PIN).
Das Limit für Offline-Kartenzahlungen wird zuvor von der Bank des Karteninhabers festgelegt. Sobald die Verbindung wiederhergestellt ist, wird die Transaktion zur Verrechnung übermittelt.
Guter Plan in der Theorie oder tatsächlich funktionierendes Rettungsnetz?
Offline-Kartenzahlungen sind bereits erfolgreich in Dänemark, Schweden, Estland und Lettland eingeführt worden. Mastercard weiss zu berichten, dass vor Kurzem ein massiver Sturm in Lettland zu Stromausfällen geführt habe. Kartenzahlungen wären in Geschäften, die über Notstromaggregate versorgt wurden, weiterhin problemlos möglich gewesen.
In Dänemark verzeichnete Mastercard eine ähnliche Erfolgsbilanz, als in diesem Frühjahr ein technischer Ausfall die Terminals vom Zahlungssystem trennnte.
Der gut gedachte Notfall-Plan scheint also auch in der Praxis den Test bestanden zu haben und zu funktionieren.
«Auch wenn Strom oder Netzwerk ausfallen, brauchen die Menschen weiterhin Lebensmittel, Benzin und Medikamente», sagt Brice van de Walle, Executive Vice President, Core Payments bei Mastercard, und er bestätigt: «Wir haben gesehen, dass Offline-Zahlungen im Ernstfall viel bewirken können. Indem wir diese Technologie auf ganz Europa ausweiten, helfen wir ihnen auch in unvorhergesehenen Situationen für das zu bezahlen, was sie brauchen.»